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2.42. Der Zweifel von Vyasa und seine Lösung

Der heilige Saunaka sprach im Kreise aller Weisen:
Oh Suta, du Gesegneter, du hast insgesamt 18 Puranas mit all den symbolischen Geschichten erzählt. Oh Heiliger, durch die Gunst von Vyasa hast du alle heiligen Texte verstanden. Du hast das Matsya-Purana mit 14.000 Versen klar und deutlich vorgetragen, das Bhavishya-Purana mit 14.500 Versen, das schöne Markandeya mit 9.000 Versen, das Brahmavaivarta mit 18.000 Versen, das Brahmanda mit 12.100 Versen, das heilige Bhagavata mit 18.000 Versen, das Brahma-Purana mit 10.000 Versen, das Vamana mit 10.000 Versen, das Adi-Purana mit 10.600 Versen, das Vayu-Purana mit 23.000 Versen, das Naradiya mit 23.000 Versen, das Garuda mit 19.000 Versen, das umfangreiche Padma-Purana mit 55.000 Versen, das schöne Kumara mit 17.000 Versen, das wunderbare Varaha-Purana mit 24.000 Versen und sogar das große Skanda-Purana mit 81.000 Versen. Alle 18 Puranas hast du voll heilsamer Tugenden erzählt. Die heiligen Riten und Gebote sowie die Fragen der Anhaftung und Nichtanhaftung für die Schüler, Hausväter, Waldeinsiedler und Bettelmönche wie auch für Frauen und Brahmanen, Kshatriyas, Vaisyas und Shudras hast du eingehend erklärt. Du hast die großen Flüsse wie die Ganga erklärt, die vielfältigen Opfer, heiligen Riten und Gelübde, die verschiedenen Opfergaben, die Arten der Askese, die Gebote von Yoga und Sankhya sowie der Götterverehrung, die Pfade der Hingabe, Erkenntnis und Nichtanhaftung, die besonderen Rituale der Verehrung mit Wasser und Wind zur geistigen Reinigung (wie Pranayama usw.), die Systeme der Kosmologie mit Brahma, Vishnu und Shiva, die Bedeutung der Sonne und der Shaktis bzw. Göttinnen auf dem Weg zur Befreiung sowie die sechs Systeme der geistigen und weltlichen Philosophie. All dies und vieles mehr wurde in den Puranas erklärt. Wer wüßte darüber hinaus noch etwas, das wichtig und wissenswert wäre? Kann es sein, das Vyasa oder du, oh heiliger Herr, uns irgendetwas verheimlicht habt? Bitte löse uns auch diesen Zweifel, denn du bist der Kenner aller Puranas.

Und der Suta sprach:
Oh Saunaka, höre, ich werde dieses diffizile Problem erklären. Das ist ein großes Geheimnis der göttlichen Natur, das mit Worten schwer zu beschreiben ist. Nachdem Vyasa, der Sohn von Parasara, die Geschichten der Puranas verfaßt hatte, worin alle Deutungen der Veden enthalten sind, bedachte er Folgendes:
Die Gebote der verschiedenen Kasten und Lebensweisen habe ich klar und deutlich erklärt. Die verschiedenen Pfade zur Erlösung im Einklang mit den vedischen Geboten habe ich aufgezeigt. In meinen Ausführungen habe ich die Unterscheidung zwischen individueller Seele (Jiva), Höchstem Herrn (Ishvara) und dem Brahman vollkommen aufgelöst. Das Brahman, das Höchste Selbst, wurde mittels der Veden, überzeugenden Argumenten und Schlußfolgerungen erläutert. Dieses höchste Brahman ist unvergänglich, die höchste Seele und das höchste Reich. Um das zu verwirklichen, vollbringen die geistigen Schüler, Waldeinsiedler und Bettelmönche ihre heiligen Riten. Diese höchst Intelligenten üben verschiedene Arten der geistigen Konzentration und den achtfachen Pfad (Astanga) zum Brahman, der aus Körperübung (Asana), Atemzügelung (Pranayama), Sinneszügelung (Pratyahara), Konzentration (Dharana), Meditation (Dhyana), Sammlung (Samadhi), Gelübde (Yama) und Achtsamkeit (Niyama) besteht. Wer konsequent den Geboten der Veden folgt, übt diese Riten nur, um das Brahman zu erreichen. Sie sind frei von Begierde und Sünde und widmen alle Früchte der heiligen Riten der Höchsten Seele. Mit aufrichtigen Riten und Gelübden suchen sie Zuflucht an den heiligen Orten der Ganga usw., um ihre sündhaften Taten abzuwaschen und die Höchste Seele zu erkennen.

Das Brahman ist das Höchste und vollkommen Reine. Es hat weder Anfang noch Ende. Es ist frei von Krankheit, ewig und allgegenwärtig. Es ist beständig wie der Gipfel eines Berges. Es ist frei von Täuschung, durchdringt alle Sinnesorgane und ist doch nicht greifbar. Es benötigt keine Sinnesorgane, die von der Natur geschaffen wurden. Es ist unberührt von Raum und Zeit. Es ist ewiges und reines Bewußtsein. Dieses ganze Universum erscheint als Illusion, wie man ein Stück Seil irrtümlich für eine Schlange hält, während das Brahman reine Wahrheit ist. Wenn man es wohl bedenkt, gibt es keinen wesentlichen Unterschied zwischen Schaum, Blasen und Wellen des Wassers und dem Wasser selbst. So gibt es auch keinen wesentlichen Unterschied zwischen der Gestaltung des Universums und dem Brahman selbst. Die Veden sagen: „Alles ist Brahman, und es gibt nichts anderes.“ Aus dem Brahman werden Millionen Brahmandas (Brahma-Eier bzw. Welten-Eier) geschaffen und wieder darin aufgelöst. Die zyklische Entstehung und Auflösung der Welten ist wie das Öffnen und Schließen der Augen von Brahma. Und seine weibliche Shakti, die große Göttin, dient als natürliche Grundlage. Das ganze Weltall ist in Brahman, es entsteht durch das Brahman und ist das Brahman selbst. Nur weil man das Brahman nicht erkennt, erscheint das Weltall. Sobald man das Brahman erkennt, gibt es kein Weltall mehr. Deshalb wird das Weltall als unwahr, tot, leidvoll und unverläßlich beschrieben. Jenseits davon ist Sat-Chit-Ananda-Murti, die Verkörperung von Sein-Bewußtsein-Glückseligkeit.

Man spricht von Vishva (das All), wenn sich die Seele im Wachzustand befindet, von Taijasa (das Licht), in einem Zustand des Träumens, und von Prajna (wahre Erkenntnis) im traumlosen Zustand. Das Brahman besteht in allen Zuständen. Es ist das Auge der Augen, das Ohr der Ohren, das Gefühl der Gefühle, der Geschmack des Geschmacks, der Geruch des Geruchs und der Atem aller Lebenswinde. Die Menschen können es nicht direkt sehen, doch erfahren es stetig durch Intelligenz, Wissen, Leben und körperliches Handeln. Wie man durch Unwissenheit die Giftschlange irrtümlich im Seil erkennt, das Wassers als Fata-Morgana in der Wüste oder das Blau im Himmel, so erkennt man auch das illusorische Weltall im Brahman, als würde es wahrhaftig existieren. Wie der Raum getrennt erscheint, wenn er von einem Gefäß begrenzt wird, so erscheint auch die individuelle Seele (Jiva) von der alldurchdringenden Seele (Atman) durch die Grenzen ihres Körpers getrennt. Das ganze Welten-Ei ist ein unvergleichlich beeindruckendes Gemälde, das durch die Illusion (Maya) mit den wundervollen Eigenschaften der Natur auf das Brahman gemalt wird, wie auf eine Leinwand.

Dieses unvergängliche Brahman kann durch die Deutung der heiligen Texte der Veden und Upanishaden endgültig erreicht werden. Doch es flieht stets vor dem, der begierig danach greift und versucht, es mit Begriffen zu erfassen. Es gibt nichts Höheres als dieses Unvergängliche. Das ist der Gipfel und das höchste Ziel. So wird es in den Veden erklärt, wenn man tiefgründig darüber nachdenkt. Das habe ich aus den Veden gelernt, mit deren Hilfe der Höchste Herr erkennbar wurde.

Auch Lord Krishna ist dieser Höchste Herr. Er wohnt als Höchste Seele in diesem Unvergänglichen (Brahman). Er ist die gewaltige Verkörperung von Glückseligkeit und erfreut sich am göttlichen Spiel unter den Jungfrauen der Hirten. Er schmückt sich mit Pfauenfedern und strahlenden Edelsteinen. Er funkelt mit seinen beiden glitzernden Ohrringen. Seine Augen sind so schön wie die Blätter von Lotusblüten und erstrecken sich bis zu den Ohren. In jedem Blumenhain tändelt er mit den verliebten Hirtenmädchen. Er trägt himmlisch gelbe Kleider und schmückt sich mit duftender Sandelpaste. Er verzaubert die Hirtenmädchen mit dem Klang seiner Flöte, die den Nektar von seinen Lippen versprüht. Er ist die Glückseligkeit der Erkenntnis und stellt sogar die Schönheit des Liebesgottes in den Schatten. Er übertrifft den Meister der Millionen Arten der Liebeskunst, und ist reiner als Millionen Strahlen des Mondes. Die Bienen tanzen um ihn herum, und die Rehe liegen in seinem Schatten. Er trägt ein Diamantkollier aus drei Linien, das mit Perlen bestückt ist. Um die Kühe zu hüten, daß sie nicht verlorengehen, läuft er an den Ufern der Yamuna in jenem wunderschönen Wald hin und her, wo die Tamala, Kadamba, Champaka, Asoka und Parijata-Bäume erblühen (die alle Wünsche erfüllen können). Dieser Wald erschallt vom Ruf der Kuckucke, Papageien, Tauben und Pfauen. Er liebt besonders das Vergnügen mit Radha (Schönheit und Wohlstand, die Verkörperung seiner Shakti bzw. weiblichen Seite). Er vergnügt sich in der Welt namens Goloka (die Welt der Kühe), die das Brahman selbst ist, das reine Bewußtsein, frei von allen Unterschieden und Eigenschaften. So habe ich es gehört.

Wie es die heiligen Texte erklären, gibt es keinen Größeren als Ihn (Krishna bzw. Vishnu). Sogar die Veden sagen, daß er jenseits und größer als das Ungestaltete ist. - Der Herr, der in Goloka wohnt, soll größer sein als das Ungestaltete? Wer ist das, den die Veden als jenseits davon erklären? Wie soll man die tiefe Bedeutung dieser Worte der Veden erkennen? Darf man die Texte der Veden tiefgründiger interpretieren, als es die Worte ausdrücken?

Solche Zweifel bekam Vyasa, der Sohn von Satyavati, bezüglich der Bedeutung der heiligen Texte. Er überlegte lange Zeit, aber konnte keine klare Lösung finden.

Der Suta fuhr fort:
So überlegte der Weise, ohne daß ihm die entscheidende Bedeutung der vedischen Texte klar wurde. Denn die Veden sind Narayana selbst, wodurch sogar die großen Weisen verwirrt werden. Sein Herz wurde schwer, und er dachte:
Was soll ich tun? Zu wem könnte ich gehen? Ich sehe in dieser ganzen Welt niemanden, der allwissend ist und alles erkennt.

Nachdem er in der Welt niemanden gefunden hatte, der ihm diesen Zweifel lösen konnte, begab er sich in eine Höhle des Meru, deren Felsen ringsherum einen goldenen Glanz verbreiteten, und übte harte Askese. Vor der Höhle war ein wunderschöner Wald, in dem der Gesang der Vögel widerhallte, die in den Bäumen und Büschen wohnten. Hier regierten weder Hunger noch Durst, Angst, Zorn, Not oder Sorgen. Es gab herrliche Lotusteiche, deren Ufer mit goldener Täfelung ausgelegt waren, auf der die Vögel spazierten. Überall wehte eine sanfte Brise, die den Duft der Lotusblüten umhertrug. Hier gab es keine Raubtiere, denn alle waren von friedlichem Wesen. Es gab auch keine Menschenmengen, und alles war mit angenehmen Hainen und himmlischen Lauben geschmückt, wo der liebliche Gesang der Papageien, Tauben und berauschten Kuckucks erklang. Überall erhob sich der himmlische Duft der Blüten, der sich in alle Richtungen verteilte. In diesem herrlichen Wald befand sich die himmlische goldene Höhle mit dem unvergleichlichen Glanz.

Hier ließ sich der Weise nieder, erreichte die Selbstbeherrschung von Gedanken, Körperhaltung und Ernährung und meditierte mit großer Konzentration über die vier Veden. Während er in Meditation vertieft war, vergingen dreihundert Jahre, und dann standen die vier Veden in lebendiger Verkörperung und wunderschöner Erscheinung vor ihm. Ihre Augen strahlten wie die Blätter der Lotusblüten, ihre Köpfe waren mit verfilzten Haaren geschmückt wie mit Kronen, in ihren Lotushänden hielten sie heiliges Kusha-Gras, über ihren schönen Schultern trugen sie Hirschfelle, aus ihren strahlenden Mündern erklangen die sechzehn Vokale mit dem heiligen OM vermischt, die fünf Finger ihrer Hände und die Zehen ihrer Füße waren die Gruppen der Konsonanten, die Seiten ihrer Bäuche waren wie zwischen- und Endkonsonanten (jeder Gruppe). Der Buchstabe Na bildete ihren Nabel, die Ka-Buchstaben bildeten ihren Rücken, die Buchstaben Ya, Ra, La und Va ihr hochgebundenes Haar, das Agnibija (die Keimsilbe von Agni) strahlte als ihre rechte Schulter, das Dharabija (die Keimsilber der Erde) als ihr Nacken, das Bhritabija als ihre linke Schulter, und ihre Gelenke bestanden aus den Halbvokalen, die alle in einer wunderbaren Sprache pulsierten. In ihren Lotusherzen erblickte er die Stadt Mathura, den heiligen Ort, in dem sich Lord Hari verkörperte. Den heiligen Ort Kashi sah er zwischen ihren Augenbrauen, Maya im mystischen Plexus am hinteren Körperteil, Kanchi im Bereich des Penis, Avanti im Bereich des Nabels, Dwaraka im Bereich des Halses und Prayaga im Bereich des Pranas (Lebenswindes). Zu ihrer Linken und Rechten flossen die Ganga und Yamuna, und in der Mitte die Sarasvati selbst. Das heilige Zentrum von Gaya war im Bereich der Gesichter, Prabhasa in der Mitte des Halses und des Kinns, und die heilige Einsiedelei von Badaryashrama im Brahmarandhra (dem Scheitel-Chakra). Die heiligen Orte Paundravardhana und Nepala sah er in ihren Augen. Den Thron von Purnagiri erblickte er in ihrer Stirn, den Sitz von Mathura im Nacken, Kanchi in der Hüfte, Jalandhara in der Brust, Bhrigu in den Ohren, Ayodhya in der Nase, Brahmya im Gehirn, Shaiva auf dem Scheitel, Shakta auf der Zungenspitze, Vaishnava im Lotus des Herzens, die Sonne in den Augen und die Bauddhas im Schatten. Er sah das Sautramani-Opfer im Bereich des Halses, Pashubandha in der Brust, Vajapeya im Gesäß, Agnihotra im Rachen, Asvamedha in den Oberschenkeln, Naramedha im Bauch, Rajasuya im Kopf, Avasathya in der Unterlippe, Dakshinagni in der Oberlippe, Garhapatya im Mund, das Havya in den Ohren und die verschiedenen Mantras in den Körperhaaren. Er sah die Veden, wie sie von den verschiedenen Puranas, Nyayas, Samhitas und Tantras in gleicher Weise gepriesen und verehrt wurden, wie Diener ihrem großen König dienen. Er sah die Veden, wie sie die Menschen durch heilige Riten, Verehrungen und vollkommene Erkenntnis segneten. Sie hatten den himmlischen Glanz des Brahman, erstrahlten wie die herabsteigende Sonne oder die aufsteigenden Flammen des Opferfeuers und erschienen wie Millionen Monde.

Bei diesem Anblick wurde der heilige Vyasa von höchster Bewunderung überwältigt, erhob sich unverzüglich, verneigte sich tief und sprach immer wieder:
Nun habe ich das Ziel meines Lebens erreicht und bin zufrieden. Weil ihr euch, oh heilige Herren, mir offenbart habt, trägt meine Geburt heute ihre Frucht. Mein Geist ist beruhigt und mein Lebensziel erfüllt. Was es auch immer gibt, weltlich oder himmlisch, in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, nichts ist euch unbekannt. Ihr seid nicht nur eine Sammlung von Geboten auf dem Weg der Taten. Selbst wenn ihr den Weg der Taten aufzeigt, so dient es nur dafür, die willkürlichen Taten der Leidenschaftlichen zu begrenzen. Eure gebietenden Worte bezüglich der Wahrheit des Brahman und der Unwahrheit des Weltalls basieren nicht auf illusorischer Anhaftung. Sie führen und binden nur als Gebote und Verbote (auf dem Weg). Deswegen wurden die Dinge wie der Himmel usw. von euch getadelt und als Vergängliches bezeichnet, während ihr die Wahrheit zum Wohle der Welten erklärt. Indem ihr den Pfad des Handelns und den Pfad der Erkenntnis für die unterschiedlichen Individuen entsprechend ihrer Fähigkeiten und Bedingungen lehrt, seid ihr zweifellos aus den offenbarten Worten des höchsten Brahman entstanden, um die Welt zu retten.

Deshalb möchte ich euch etwas fragen. Bitte seid gnädig und mitfühlend. Für jene, deren Geist voller Wünsche ist, wurde als Ziel ihrer heiligen Riten der Himmel bestimmt. Für jene, die ihren Geist und ihre Seele dem Höchsten Herrn gewidmet haben, besteht die Frucht ihrer Taten in der geistigen Reinigung. Damit erreichen sie vollkommene Erkenntnis, und damit die Erlösung. Erlösung ist die Einheit im Brahman, und das ist Sein-Bewußtsein-Glückseligkeit (Sat-Chit-Ananda). Wenn das verwirklicht ist, verschwindet alles persönliche Handeln und nicht Handeln. Das ist die Nichtanhaftung und der Himmel der Erkenntnis vom Wesen der Weisheit, die nicht mehr von Illusion begrenzt wird. Das ist wahre Freiheit, die Freiheit von Begierde, beständig, rein und unabhängig von den natürlichen Eigenschaften. Man sagt, diese Befreiung ist alldurchdringend. Wenn auch die Geschöpfe vergehen, das Brahman vergeht nicht, wie auch die Sonne ihr Licht behält, während die Erde in dichte Dunkelheit versinkt. Das ganze Weltall wird vom Glanz des gestalteten Brahman erleuchtet, wie ein Stück Eisen im Feuer erglüht. Es manifestiert sich in Form der individuellen Seelen, als Höchster Herr und in allen anderen Formen im Universum. Und wenn alles aufgelöst ist, besteht das stille Brahman allein. Das habt ihr so erklärt und zweifellos muß es so sein. Trotzdem hege ich einen Zweifel im Geist und wünsche, etwas zu verstehen. Ist da noch etwas Größeres als das? Oder nicht? Oh ihr Gesegneten, bitte sagt es mir, denn ihr seht die Wahrheit. Eure Antwort möge zu Sieg und Ziel meines Lebens führen.

Als Vyasa, der sündlose Sohn von Satyavati, solcherart sprach, riefen die Veden „Sehr gut! Völlig richtig!“, und antworteten ihm:
Wahrlich, oh höchst Intelligenter, du selbst bist Vishnu, die Höchste Seele aller verkörperten Wesen. Obwohl du ungeboren bist, hast du diese Geburt angenommen, um die Welten zu segnen. Warum sonst würdest du dich von weltlichem Karma binden lassen? Doch im Grunde bist du davon frei. Du bist auf ewig von der himmlischen Illusion (Maya) unberührt, welche die vollkommene Erkenntnis verhüllt. Du nimmst Formen nach deinem Willen an und ziehst sie nach deinem Willen zurück. Wir offenbaren auf verschiedenen Wegen in den Puranas, den großen Epen und allen anderen heiligen Texten nur das, was du akzeptierst. Das unvergängliche Brahman ist das Höchste, die Ursache aller Ursachen. Es ist die Seele der Höchsten Seele, wie der Duft oder Geschmack einer Blüte. Erkenne das Brahman als das Absolute. Das haben wir selbst während der universalen Auflösung der Natur erfahren. Das ist es, was jenseits des Ungestalteten (dem natürlichen Meer der Ursachen) besteht. Das ist die höchste Essenz, die jenseits aller wörtlichen Begriffe liegt. Unsere Formen sind nur Worte, und deshalb können wir es nicht auf direkte Weise ausdrücken.


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