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Upodghata Pada - Die Entwicklung

1.7. Der Übergang zwischen zwei Kalpas

So wurde der erste Abschnitt über die natürliche Schöpfung erzählt. Als Sanatana, der Nachkomme von Kasyapa, alles vernommen hatte, war er im Geiste höchst erfreut und fragte den Suta mit folgenden Worten:
Oh Kenner der Kalpas, bitte erkläre uns den Übergang zwischen zwei Kalpas (Schöpfungstagen). Wir wünschen auch den Unterschied zwischen dem vergangenen und dem gegenwärtigen Kalpa zu erfahren. Erzähle uns auch über die Zeit der Dämmerungen, wenn der eine Schöpfungstag vergeht und der andere entsteht, denn du bist zweifellos sehr intelligent.

Und Lomaharshana sprach:
Oh ihr Weisen mit den heiligen Gelübden, ich werde euch den Unterschied zwischen dem vergangenen und gegenwärtigen Kalpa, die Zeit der Übergänge und die Manwantaras eines Kalpas erklären. Unser vorzügliches gegenwärtiges Kalpa wird Varaha-Kalpa („Eber-Kalpa“) genannt. Das vergangene Kalpa hieß Sanatana („ewig bzw. unvergänglich“). Hört nun von der Übergangszeit zwischen diesem Kalpa und dem gegenwärtigen. Wenn sich das vorhergehende Kalpa zurückzieht, gibt es eine Übergangszeit bis das nächste Kalpa erneut aus dem Janaloka entsteht. Das geschieht immer wieder, wenn die Überganszeit endet, und damit werden die Kalpas voneinander getrennt. Am Ende eines Kalpas erlöschen vollständig alle Aktivitäten. Deshalb spricht man von einer Übergangszeit (Abend, Nacht und Morgen) zwischen zwei Kalpas. In dieser Zeit erlöschen auch die Zyklen, die man Manwantaras und Yugas nennt. Denn die Manwantaras funktionieren nur in Verbindung mit den Yugas. Der Zyklus der Kalpas, der im ersten Abschnitt kurz beschrieben wurde, hat eine erste und eine zweite Hälfte. Und nach der zweiten Hälfte folgt wieder eine erste im nächsten Zyklus. So sind die zukünftigen Kalpas mit den vergangenen verbunden. Unser gegenwärtiges Kalpa ist das erste der zweiten Hälfte. Die erste Hälfte wird Purva und die zweite Para genannt.

Jeder Periode der Entstehung und Erhaltung der Welt folgt wieder eine Periode der Auflösung. Das vorhergehende Kalpa hieß Sanatana, und nach tausend Yuga-Zyklen (Mahayugas) mit den verschiedenen Manwantaras (14 Zyklen der Manus) kam dieses Kalpa zu Ende, und die zyklische Auflösung begann. Im gegenwärtigen Kalpa kann man 280 Millionen tugendhafte Seelen zählen, die Götter, die in himmlischen Wagen fahren, die Sternbilder, Planeten, Sterne, Sonne und Mond. Ihre Anzahl ist im ersten Manwantara genau so groß, wie im vierzehnten. Deshalb sind es insgesamt 3.920 Millionen (28x14 Crores). Im vergangenen Kalpa sagt man, daß es nur 108 Tausend göttliche Wesen auf himmlischen Wagen gab.

In allen vierzehn Manwantaras gibt es Götter, Ahnen, Heilige und Manus im Himmel. Ihre Anhänger, die Söhne der Manus, die ehrenwerten Götter, die von den Menschen aller Kasten und Lebensweisen verehrt werden, und alle himmlischen Bewohner im Himmel - sie alle erreichen mit ihren Angehörigen während der Zeit der universalen Auflösung den gleichen Stand. Wenn die zyklische Auflösung der Welten beginnt, erkennen die göttlichen Wesen, die in den drei Welten wohnen, das unvermeidliche Schicksal, das notwendigerweise zur rechten Zeit erscheint. Mit wenig Kummer können sie ihren Status aufgeben und richten ihren Geist auf den Maharloka (das Reich der Heiligen). Sie bekommen besondere Körper für den Maharloka, die voller Reinheit sind und höchste geistige Fähigkeiten erreichen. Sie vereinen sich mit all den Brahmanen, Kshatriyas, Vaisyas und anderen, die in diesem Kalpa zu ihren Verehrern wurden. Und nachdem sie ihren Geist im Maharloka verankert haben (aber von der universalen Auflösung weiter bedrängt werden), richten die vierzehn Gruppen der Götter ihren Geist auf den Janaloka (das Reich der Weisheit). So werden sie gemeinsam mit den Verehrern ihres Kalpas, die den Maharloka erlangt haben, auf dem Weg zur geistigen Vollkommenheit weiter gereinigt. Nachdem sich dieser Vorgang über zehn Kalpas wiederholt hat, erheben sie sich bis in den Tapaloka (das Reich der Yogis). Und nachdem sie hier zehn Kalpas verweilt haben, gehen sie weiter zum Satyaloka (das Reich der Wahrheit bzw. des Brahman). Diesen großen Weg können alle Bewohner eines Kalpas gehen. Nach tausenden Zeitaltern der Götter können die Wesen zum Reich des Brahman aufsteigen und das große Ziel der vollkommenen Befreiung von der vergänglichen Welt erreichen. Neben der Allmächtigkeit werden sie mit Brahma eins in Herrlichkeit, Ruhm, Erscheinung und Fähigkeit. Sie verweilen glücklich durch ihre enge Verbindung zum Brahman, erreichen die Glückseligkeit des Brahman und werden durch Brahma befreit. Durch die Zwänge der Natur waren sie in ihrem Getrenntsein gebunden, wie es in der Zeit entsteht. Doch wie früher in ihrem gewöhnlichen Bewußtsein das Wissen durch intellektuelle Betätigung aus den Formen entstand, so erhebt sich nun die spontane Erkenntnis und beginnt zu wirken. Wenn jene, die den gegensätzlichen Kräften der Natur unterworfen sind, die Gegensätze zügeln und zurückziehen, so verschwinden mit ihnen auch die entsprechenden Wirkungen und Bindungen an die Sinnesorgane. Die Bewohner des Brahmaloka, dessen Egoismus verschwunden ist, der sich durch Gegensätze und Vielfalt manifestiert hatte, leben dort allein durch ihr Dharma. Diese Heiligen sind ununterscheidbar, von reiner Seele und ohne Sünde. In ihrem Wesen sind sie jenseits der Sinnesorgane und in der Höchsten Seele wohlgegründet. Nachdem sie die Natur vollkommen durchschaut haben, erkennen sie, daß jede Funktion vom Höchsten Geist (dem Purusha) getragen wird. Auch wenn die Schöpfung erneut beginnt, erkennen diese Seher der Wahrheit die Einheit von Natur und Geist. So haben sie die Befreiung erreicht und müssen nicht erneut den Weg im Rad der Welt (dem Samsara) gehen. Wie ein loderndes Feuer, das erloschen ist, werden sie nicht wiedergeboren. Diese großen Seelen sind jenseits der drei Welten gegangen. Während jene, die den Janaloka nicht erreicht haben und im Maharloka geblieben sind, für ein Kalpa wieder einen Körper erhalten. Dazu gehören die Klassen der Lebewesen von den Gandharvas bis zu den Gespenstern, den Menschen, Tieren und Pflanzen.

Während sie als Bewohner die Erde besiedeln, erhebt sich (am Ende des Kalpa) die tausendstrahlige Sonne und bündelt sich in sieben Strahlen, die zu sieben Sonnen werden. Und wie sie sich langsam erheben, verbrennen sie die drei Welten mit allen belebten und unbelebten Geschöpfen inklusive der großen Flüsse und Berge, die bereits von einer großen Dürre ausgetrocknet wurden und jetzt noch verbrannt werden. Alle Wesen, ob Tier oder Pflanze, tugend- oder sündhaft, werden hilflos von den Strahlen der Sonnen verbrannt, erliegen und sterben. Am Ende des sündhaften (Kali-) Zeitalters vergehen sie mit verbrannten Körpern. Doch damit sind sie noch nicht von den Körpern befreit, die aus den tugend- und sündhaften Taten entstehen. Sie verbinden sich mit den Wesen im Janaloka, bekommen die gleiche Form, und voller Reinheit verweilen sie in geistiger Vollkommenheit. Und nachdem sie dort die Brahma-Nacht im Ungestalteten verbracht haben, werden sie erneut als geistige Söhne von Brahma zu Beginn der Schöpfung geboren. Wenn die Bewohner der drei Welten auf diese Weise in den Janaloka eingegangen sind, die drei Welten von den sieben Sonnen verbrannt wurden, die Erde vom Regen geflutet wird und alle Wohnorte verschwinden, bilden die Ozeane, Wolken und Gewässer der Erde ein ausgedehntes Meer namens „Salila“ („Wasser“). Dann folgt Flut auf Flut, und wenn die ganze Erde in dieser Flut versunken ist, wird das ausgedehnte Meer „Arnava“ („Meer“) genannt. Und weil es weit ausgedehnt und strahlend ist, heißt es auch „Ambhas“ („himmlisches bzw. feinstoffliches Wasser“). Weil das Wasser die ganze Erde nach allen Seiten bedeckt, heißt es auch „Tanus“ („Person“). Und weil dieses Meer ganz still wird, heißt es auch „Naras“ („Wasserwesen bzw. Leben“).

Wenn nach tausend Mahayugas der Brahma-Tag zu Ende geht, und während der Nacht alles im (subtilen) Wasser versank, die Erde verbrannt wurde und im Meer verschwand, der Wind ruhig und bewegungslos wurde, der Raum von Dunkelheit erfüllt ist und kein Lichtstrahl mehr existiert, erwacht schließlich in Brahma, dem über alles herrschenden Geist (dem Purusha), der Wunsch, die Welt wieder zu erschaffen. Wenn die belebten und unbelebten Geschöpfe in einem weiten Meer aufgelöst sind, wird Brahma zum Purusha mit tausend (d.h. unendlich vielen) Füßen und Augen. Dieser tausendköpfige Purusha mit dem goldenen Glanz jenseits aller Sinneswahrnehmung ist Brahma, der auch Narayana genannt wird und in diesem ausgedehnten Meer (der Ursachen) schlafen geht. Wenn er durch ein Übermaß an Güte (Sattwa) erwacht, sieht er eine leere Welt. Dazu rezitiert man den Vers über Narayana:
Wir haben gehört, daß das Wasser Nara genannt wird, weil es seine Verkörperung ist. Und weil er bis zum Nabel im Wasser steht, heißt er Narayana.

In den Veden wird er der erste Stammvater genannt, der Purusha mit dem guten Geist, mit tausenden Köpfen, Augen, Gesichtern und Händen, der aber auch alles verschlingt. Er hat die Farbe der Sonne und ist der Beschützer der Welt. Er ist der Eine ohne einen Zweiten und ist mächtiger als alle Mächtigen. Er ist der Geist des goldenen Mutterleibs und die Höchste Seele jenseits der Dunkelheit. Zu Beginn des Kalpas (des Schöpfungstages) dominiert die Leidenschaft (Rajas), und er erscheint als Brahma und erschafft alle Geschöpfe. Am Ende des Kalpas dominiert die Dunkelheit (Tamas), und er wird zu Kala (der wandelnden Zeit) und verschlingt alle Geschöpfe wieder. Wenn die Güte dominiert, wird er Narayana genannt, der im ausgedehnten Meer (der Ursachen) ruht. So teilt er sich in drei Formen und wohnt in den drei Welten. In diesen drei Formen schafft, erhält und verschlingt er sie. Und wenn die Welt der belebten und unbelebten Geschöpfe am Ende der tausend Mahayugas im weiten Meer verschlungen und alles ringsherum von Wasser bedeckt ist, dann wird Brahma Narayana genannt und schläft im dunklen und tiefen Wasser.

Die großen Heiligen sehen im Maharloka wie Kala (die wandelnde Zeit), nachdem sie die vier Arten der Schöpfung verschlungen hat, während der Brahma-Nacht im weiten Meer (der Ursachen) schläft. Die Heiligen wie Bhrigu usw., von denen es in jedem Kalpa sieben gibt, umgeben dieses große Wesen. Und was die Sieben Heiligen umgeben, ist das Große (das Mahat bzw. die universale Intelligenz). Das Wort Rishi wird von „sehen“ abgeleitet. Und weil sie von Anfang an alles sehen, heißen diese Heiligen Rishis. Und weil das Wort Mahat auch „groß“ bedeutet, heißen sie Maharshis. So sehen sie die schlafende Kala (Zeit), während sie im Maharloka ruht. Im letzten Kalpa war Satya der erste der Sieben Heiligen. Auch diese großen Heiligen sahen während der Brahma-Nacht über die Zeitspanne von tausend (Mahayugas) die schlafende Kala. Auch Brahma wird Kala (die wandelnde Zeit) genannt, weil er zu Beginn jedes Kalpas die vierzehn Formen der Gestaltung hervorbringt. Er ist der Schöpfergott, der zu Beginn jedes Kalpas wieder und wieder die Vielfalt der Lebewesen erschafft. Er ist der Große Vater und ist gestaltet und ungestaltet. Das ganze Universum ist seine Schöpfung (bzw. sein Körper).

(Das Modell der sieben Lokas:
1) Bhurloka: der Bereich der Erde oder auch der Hölle / Welt der Menschen
2) Bhuvarloka: der Luftraum zwischen Erde und Himmel / körperliches Entstehen
3) Swarloka: der Bereich des Himmels und der Götter / Paradies
4) Maharloka: der mittlere Bereich der Heiligen / Stammväter
5) Janaloka: der Bereich der Söhne von Brahma / spirituelle Geburt bzw. Erkenntnis
6) Tapaloka: der Bereich der Yogis / spirituelle Reinigung
7) Satyaloka oder Brahmaloka: der Bereich von Brahma / spirituelle Befreiung)

So wurde euch der Übergang zwischen zwei Kalpas, von denen das eine vergeht und das andere anbricht, kurzgefaßt beschrieben. Es wurden auch die Umstände des letzten Kalpas erwähnt. Dementsprechend hört nun, wie ich das gegenwärtige Kalpa beschreibe.


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