Pushpak Shiva-Purana Buch 10Zurück WeiterNews

Kapitel 21 - Gerechter Kampf und geistiger Sieg

Da meinte Vyasa:
Ach, die Brahmanenschaft ist schwer zu erlangen. Brahmanen wurden aus dem Antlitz Shivas geboren, Krieger (Kshatriyas) aus seinen Armen, Händler (Vaishyas) aus seinen Oberschenkeln und Diener (Shudras) aus seinen Füßen - so sagen es die Veden. Doch können Menschen aus einer niederen Position wirklich Erlösung erlangen? Bitte erklär mir das.

Sanatkumar antwortete:
Nun, oh Vyasa, die Menschen fallen aus ihrem Status, wenn sie böse Taten begehen. Wer also eine hohe Position erreicht hat, sollte sie mit Tugend bewahren. Wer als Brahmane abfällt, weil er vielleicht die Brahmanenschaft ablehnt oder nicht unterscheiden kann, was gegessen werden sollte und was nicht, wird als Krieger wiedergeboren. Wer üble Taten begeht, ist ein Narr, muß die Vergänglichkeit ertragen und viele Geburten in Trübsinn durchlaufen. Wer also einmal den höchsten Status erlangt hat, sollte nicht irren und ihn verspielen. Selbst im Angesicht von Not und Elend sollte man ihn bewahren.

Ich werde dir nun auch erklären, wie man in eine höhere Kaste gelangen kann. Wer als Diener geboren wird, sollte seinen Pflichten gut nachkommen, also den anderen drei Kasten freudig dienen. Wer dies regelmäßig tut und sich dabei die höhere Kaste wünscht, der wird als Händler wiedergeboren. Wenn ein Händler seinen Reichtum für heilige Riten verwendet, Opfer durchführt, das Agnihotra pflegt und nur die Reste davon zu sich nimmt, wird in einer Kriegerfamilie wiedergeboren. Daran gibt es keinen Zweifel. Heilige Opfer mit angemessenen Gaben machen einen Krieger. Und auch als Krieger sollte man so handeln, außerdem die Veden studieren, sich den Himmel wünschen, die drei Opferfeuer unterhalten, sich Hände und Füße waschen, bevor man einen heiligen Schrein betritt, tugendhaft die Erde beschützen und sich mit seiner Gattin zur rechten Zeit verbinden. Ein Krieger sollte immer demütig und fromm sein und großzügig Gastfreundschaft gewähren. Er soll in der Schlacht kämpfen und, wenn nötig, auch sterben zum Wohle aller lebenden Wesen, für Brahmanen, Kühe und allgemein für alle Menschen, damit sie ihre Lebensziele erreichen können. Wenn seine Seele durch Feuer und Mantras gereinigt ist, wird er zum Brahmanen. Wenn er als solcher die Regeln befolgt, wird er zum Opferpriester. Dann sollte er strikt seine Riten befolgen, die Wahrheit sprechen und seine Sinne zügeln. Dann wird er die reichen Freuden des Himmels genießen können und ein Liebling der Götter sein.

Nun, lieber Vyasa, die Brahmanenschaft ist sehr schwer zu erlangen. Nur Menschen, die Außerordentliches geleistet haben, kommen so weit. Nachdem die Brahmanenschaft verinnerlicht wurde, ist die vollkommene Erlösung möglich. Daher sollte ein Brahmane immer tugendhaft sein, und mit großem Eifer seinen Status bewahren, damit alle Ziele im Leben eines Menschen erreicht werden können.

Vyasa sprach:
Du hast den Ruhm der Krieger erwähnt, du bester Weiser. Darüber möchte ich mehr erfahren. Bitte erzähl.

Und Sanatkumar sprach:
Wer als Krieger die Essenz von Opfern und heiligen Riten verstanden hat, spricht folgendermaßen: Auch wenn ich viele Opfer mit reichen Gaben ausführe, kann ich damit doch nicht so viel Ruhm gewinnen, wie mit dem tapferen Kampf in einer Schlacht.

Ich werde nun von den Früchten erzählen, welche die Kaste erlangen kann, die vom Gebrauch der Waffen ihren Lebensunterhalt bestreitet. Dem Held, der sich der feindlichen Armee stellt, gebührt Tugend, Wohlstand und Ruhm. Mit dem Kampf erlangt er die Früchte rechten Opferns und die drei Lebensziele von Tugend, Wohlstand und Liebe. Wer dem Feind ins Antlitz schaut, ihn tötet und seinen Streitwagen besteigt, der kommt in Vishnus Reich. Wer nie in der Schlacht besiegt wurde und auch nicht starb, der erlangt den Verdienst eines Pferdeopfers. Der König, Prinz oder General, der in der Schlacht durch die Hand eines anderen Kriegers stirbt, doch mutig gekämpft und seine Waffen nicht niedergelegt hat, der kommt in den Himmel und kehrt nie wieder zurück. Er erfreut sich an so vielen himmlischen, wunscherfüllenden und ewigen Welten, wie er Haare auf dem Schopfe trug. Hier und dort gebührt ihm Heldenthron, Heldenlager und ewiger Heldenstatus. Wer beim Beschützen von Kühen, Brahmanen, Ehre und Lehrer auch durch wilde Tiere stirbt, geht glücklich in die andere Welt wie eine tugendhafte Person. Selbst wenn ein Brahmanenmörder seinen Lehrer im Kampf mit seinem Leben beschützt, gelangt er in den ewigen Himmel. Es mag noch angehen, hunderte von Opfern durchzuführen, doch sein eigenes Leben im gerechten Kampf zu opfern, ist sehr, sehr schwer. Daher führt gerechter Kampf in den Himmel. Er ist heilsam und enthüllt die vielgesichtige Schönheit des Männlichen. Das gilt für alle Kasten und ganz besonders für die Krieger.

Doch höre nun die ewigen und tugendhaften Regeln für den Kampf - wer angegriffen, geschlagen oder geschont werden sollte. Wird man mit mörderischen Waffen angegriffen, und selbst von einem Brahmanen, dann darf man kämpfen. Wer dann siegt, macht sich nicht eines Brahmanenmordes schuldig. Wer durstig ist und um Wasser bittet, sollte niemals angegriffen und getötet werden, und sei es auch ein Mörder. Wer Schwache und Kranke, Kinder und Nicht-Kämpfende angreift, oder diejenigen, deren Waffe zerbrochen ist, macht sich des Brahmanenmordes schuldig, auch wenn es inmitten der Schlacht ist.

Wer also kämpft, sollte dies bedenken, damit sein Kampf ein gerechter wird. Dann folgt der kluge Krieger dem Sinn seines Lebens und erfreut sich an dieser und der nächsten Welt.


Zurück Inhaltsverzeichnis Weiter