Pushpak Shiva-Purana Buch 10Zurück WeiterNews

Kapitel 6 - Die kleinen Sünden

Sanatkumar fuhr fort:
Brahmanen Geld wegnehmen, die Erbregeln nicht befolgen, Hochmut, Rage, falscher Stolz, Undankbarkeit, Ausschweifungen, Geiz, Feindseligkeit gegenüber guten Menschen, unerlaubter Verkehr mit der Frau eines anderen, Verführung eines Kindes, wenn der unverheiratete ältere Bruder dem jüngeren Bruder die Heirat gestattet, und der jüngere dann auf diese Weise heiratet, dann versündigen sich beide Brüder und der, der seine Tochter zu einer solchen Heirat gibt bzw. ihnen gestattet, an Opferzeremonien aktiv teilzunehmen.

Die Plünderung von Bäumen oder Blumen rings um einen Shiva- Tempel, selbst die kleinste Verletzung von Menschen in einer Einsiedelei, der Diebstahl von Vieh, Korn und der Habe von Dienern, der Raub von unedlen Metallen und Samen, die Verschmutzung von Trinkwasser, der Verkauf von heiligen Hainen und Wasserstellen, Ehefrauen und Kindern, Pilgerreisen und Fastenzeremonien, Riten und Einweihungen mit der heiligen Schnur.

Die Gier nach Mitgift, dem Frauenvolk untertänig sein, das Nichtbeschützen von Frauen und der arglistige Umgang mit ihnen. Das nicht rechtzeitige Zurückzahlen von Schulden, Getreide als Zinsen vereinbaren, Geld von einer verachtenswerten Person annehmen, Betrug beim Handeln. Einen Ochsen zu lange als Zugtier durch den Dschungel benutzen, Exorzismus, schwarze Magie, Getreide als Geschenk annehmen, als Arzt sein Geld verdienen, sich bei den heiligen Riten mit dem Ziel engagieren, seine sexuellen Begierden zu stillen oder den Magen zu füllen, nur die Worte der Veden lehren, ohne ihre Bedeutung verstanden zu haben. Die Riten nur fadenscheinig begehen und die Veden nur auswendig lernen, sich beim Diskutieren in Haarspalterei verlieren. Die Götter, das Feuer, den Lehrer und tugendhafte Menschen öffentlich tadeln, doch den König und seine Minister heimlich kritisieren. Wer aufhört, die Götter und Ahnen zu ehren, wer seine Pflichten und Rechte nicht beachtet, übles Betragen, Gottlosigkeit und ständiges Lügen. Geschlechtsverkehr an Neumond, Vollmond, während des Tages, während der Menstruation der Frau und mit Tieren. Den Penis in andere Öffnungen als die Vagina einführen, den Samen ins Wasser entlassen. Die Hoffnung auf eine Gattin, Freunde und Kinder zerstören, grobe Worte sprechen, Rücksichtslosigkeit und das Brechen von Versprechen. Das Zerstören oder Beschädigen von Wasserstellen, Teichen, Quellen oder Kanälen, das Servieren von verschiedener Nahrung an Personen, die in derselben Reihe sitzen.

Nun, das sind alles kleinere Sünden, die Menschen begehen können. Es gibt noch andere, die ich dir jetzt aufzählen werde. Hör gut zu.

Das Verletzen von Kühen, Brahmanen, Kindern, Meistern, Freunden oder Asketen führt direkt in die Hölle. Die lähmende Leidenschaft zur Gattin eines anderen, die Gier nach dem Eigentum anderer, Diebstahl und Handel mit gefälschten Gewichten. Wer Brahmanen mit Hieben und Schlägen traktiert, ist ein Sünder, ebenso der Brahmane, der einer niederen Frau dient und leidenschaftlich gern Wein trinkt. Grausamkeit, Gewalt, und die Riten zum Gelderwerb ausüben. Wer seinen Darm im Kuhstall, auf Straßen, in der Nähe von Wasser und Feuer, im Schatten von Bäumen oder in Parks und Tempeln entleert. Saufgelage in einer Einsiedelei, die Suche nach schwachen Punkten in anderen, das Verbarrikadieren von Straßen mit Bambus, Baumstämmen, Steinen, Holzstangen oder Hörnern, das Verletzen der Feldgrenzen anderer. Das Fälschen von Dokumenten, Betrug auf jegliche Weise, der Handel mit Bögen, Pfeilen und Waffen, Grausamkeit zu Dienern und Tieren. Wer den Worten eines Lügners gerne zuhört, der Verräter an Meister, Freund und Lehrer, der Trickser, Grobian und Wankelmütige. Wer Ehefrau, Kinder, Freunde, alte, schwache und kranke Menschen, Diener, Gäste und Verwandte hungern läßt, und dabei selber ißt. Wer selbst in Delikatessen schwelgt und den Brahmanen aber nichts gibt, soll als Vrithapaka bekannt sein (der Mann des fruchtlosen Kochens). Er wird von allen gemieden, die dem Brahman vertrauen. Wer euphorisch enthaltsame Riten beginnt, aber schnell wieder aufgibt, weil die Sinne übermächtig sind, wer erst das Leben eines Haushälter aufgibt und dann wiederkommt, wer Lingas zerbricht. Wer Kühe und Bullen schlägt, sie quält, nicht ordentlich füttert, tränkt und versorgt und sie allein läßt, wenn sie alt und schwach sind, der ist wahrlich grausam. Wer Ochsen zu schwere Lasten aufbürdet, sie übervolle Wagen ziehen läßt und sie nicht täglich freiläßt, damit sie sich erholen können. Wer Kühe und Bullen nicht ordentlich anschirrt, sie hungern läßt und ihre Wunden nicht versorgt ist ein Mörder und fällt sogleich in die Hölle. Und am schlimmsten ist die Sünde, wenn man Bullen kastriert, indem man ihre Hoden ausquetscht oder wenn man Färsen vor Wagen spannt.

Der Narr, der Gästen, hilflosen Personen, Kindern, alten Menschen, kranken und schwachen Wesen, die von Hunger, Durst oder Schwäche überwältigt sind, kein Mitgefühl zeigt, der geht sicher in die Hölle ein. Das Vermögen eines Menschen bleibt nicht bei ihm, wie die Familie auf dem Verbrennungsplatz ihn ebenfalls zurückläßt. Doch Verdienst und Sünde folgen ihm immer nach.

Der törichte Brahmane, der sich mit Schafzucht, Ziegen und Büffeln beschäftigt, vom Fischen und ähnlichem lebt und eine Shudra Frau heiratet, der ist selbst ein Shudra. Und wenn er den Beschäftigungen eines Kriegers nachgeht, dann ist ihm die Hölle sicher. Bildhauer, Schmiede, Goldschmiede, Ärzte, betrügerische Diener und Menschen, die vorgeben, Könige (bzw. Krieger) zu sein, gehen in die Hölle. Der König, der willentliche ungerechte Steuern erhebt und übermäßiges Gefallen am Strafen findet, wird dafür in der Hölle schmerzlich büßen. Wenn die Untertanen unter Bestechung, Vetternwirtschaft unter Ministern und Räubern leiden müssen, wird der König in der Hölle gequält. Und es gibt keinen Zweifel daran, daß Brahmanen in einer gräßliche Hölle landen, wenn sie Geld von ungerechten Königen annehmen. Das geschieht auch Königen, wenn sie auf ungerechte Weise das Eigentum von Brahmanen konfiszieren und an andere geben. Die Hölle ist grausamen Dieben sicher und denen, die mit den Frauen anderer Männer schlafen. Das gilt auch für den König. Unterscheidet der König nicht zwischen Dieb und Unschuldigem und bestraft den Falschen, dann fällt er in die Hölle.

Wer selbst nur ein kleines Quentchen von folgenden Sachen stiehlt, kommt ebenfalls in die Hölle: geklärte Butter, Öl, Nahrung und Getränke wie Honig, Fleisch, Wein, Palmwein, Palmzucker, Zuckerrohr, Gemüse, Milch, Quark, Wurzeln, Früchte, Gras, Feuerholz, Blätter, Blumen, Medizin, Schuhe, Schirme, Wagen, Stühle, Wasserkrüge, Kupfer, Zinn, Blei, Waffen, Muschelhörner, Meeresfrüchte, Bambus und Haushaltsartikel. Und auch wer Kleidung stiehlt, sei sie grob oder fein, lernt die Hölle kennen. Denn wer einem anderen sein Eigentum stiehlt, und sei es nur so groß wie ein Senfkorn, der kommt in die Hölle. Alle diese Sünden ziehen die Geburt als Schlange nach sich und die entsprechenden damit verbundenen Leiden.

Es ist das Gebot des Totengottes Yama, daß Sünder von seinen Boten in ihrem Körper in Yamas Reich gezogen werden und dort in den Höllen viel leiden müssen. Yama richtet alle Wesen, Götter, Menschen und Tiere, wenn sie sich in üble Taten verstricken. Dann straft er sie mit schrecklichen Strafen.

Doch wer regelmäßig Enthaltsamkeit übt, ein gezügeltes Leben führt, und nur aus Versehen ein wenig irrt, dem erlegt sein Lehrer die passenden Bußeriten auf, und Yama hält sich zurück. Das sagen die Gelehrten. Für die Fremdgeher, Diebe und ungerechten Personen ist der König derjenige, der die Strafen bestimmt. Bleibt die Sünde im Leben verborgen, dann wird Yama zum Richter.

Wer also sündigt, sollte reinigende Riten zur Buße ausführen. Wird die Sünde nicht gesühnt, bleibt sie für alle Zeiten weiterbestehen. Und dabei spielt es keine Rolle, ob man die Tat selbst beschlossen oder jemand anders sie angestiftet hat. Und ist man nach der Buße noch stolz darauf in Worten, Taten oder Gedanken, dann erntet man trotzdem die Früchte der Sünde.


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