Pushpak Mahabharata Buch 3Zurück WeiterNews

Kapitel 270 – Jayadratha gefangen

Doch nun rief der König der Sindhus seine Befehle, wie: „Halt! Angriff! Schneller Marsch!“. Zwar hallte Yudhishthira, Bhima, Arjuna und den Zwillingen von den Soldaten auf dem Schlachtfeld lautes Gebrüll entgegen, doch tatsächlich verloren die Krieger von Sivi, Sauvira und Sindhu den Mut beim Anblick der entschlossenen Helden, die grimmigen Tigern glichen. Mit seiner goldverzierten Keule aus Saikya Eisen griff Bhima den zum Tode verurteilten Monarchen der Sindhus an. Doch Kotika warf sich schnell mit einer starken Truppe von großen Wagenkriegern dazwischen und trennte die Kämpfer wieder voneinander. Und obwohl Bhima nun von zahllosen Speeren, Wurfkeulen und eisernen Pfeilen umschwirrt wurde, schwankte er nicht einen Moment. Tatsächlich tötete er mit seiner Keule einen Elefanten nebst Treiber und vierzehn Fußsoldaten, die Jayadrathas Wagen verteidigten. Auch Arjuna griff die Verteidigungslinie des Monarchen an und tötete fünfhundert mutige Krieger der Bergvölker aus der Sindhu Armee. Yudhishthira schlug in nur einem Augenzwinkern hundert der besten Krieger der Sauviras. Nakula kämpfte mit seinem Schwert in der Hand, sprang von seinem Wagen und zerschmetterte im Nu die Häupter der Kämpfer im Rücken von Jayadratha, so daß sie verstreut wurden als ob ein Bauer die Saat ausbringt. Sahadeva fällte mit eisernen Geschossen viele Krieger auf ihren Elefanten, die wie Vögel von den Ästen der Bäume fielen. Da sprang der König von Trigarta mit dem Bogen in der Hand von seinem großen Streitwagen und tötete die vier Pferde von Yudhishthira mit einer Keule. Doch Yudhishthira nutzte die Nähe des Gegners und traf dessen Brust mit einem halbmondförmigen Pfeil. Die tiefe Wunde ließ den Helden Blut erbrechen, und er fiel zu Boden wie ein entwurzelter Baum. Yudhishthira verließ mit seinem Wagenlenker Indrasena den Wagen und sprang auf Sahadevas Wagen auf. Die beiden Krieger Kshemankara und Mahamuksha konzentrierten sich auf Nakula und griffen ihn von zwei Seiten gleichzeitig mit einem perfekten Schauer aus scharfen Pfeilen an. Doch Nakula schlug beide Angreifer mit einem Paar langer Pfeile, so daß der Pfeileregen auf ihn wieder aufhörte. Suratha, ein Experte im Kampf mit Elefanten, griff die Vorderseite von Nakulas Wagen an und ließ seinen Elefanten das Gefährt wegzerren. Wenig beeindruckt sprang Nakula vom Wagen ab, sicherte sich einen günstigen Standpunkt und stand mit Schild und Schwert so sicher wie ein Berg. Da trieb Suratha seinen rasenden Elefanten mit erhobenem Rüssel gegen Nakula, um ihn niedertrampeln zu lassen. Doch als das Tier nah genug war, trennte ihm Nakula sowohl Rüssel als auch Stoßzähne ab. Mit gräßlichem Schmerzgeheul fiel der in eine schwere Rüstung gehüllte Elefant zu Boden und begrub seinen Reiter unter sich. Nach dieser wagemutigen Tat sprang Nakula auf Bhimas Wagen und ruhte sich einige Augenblicke aus. Bhima trennte dem Wagenlenker des angreifenden Kotika mit einem hufeisenförmigen Pfeil das Haupt vom Rumpf. Doch der Prinz bemerkte nicht einmal den Tod seines Wagenlenkers, so daß die Pferde führerlos und richtungslos weiterrannten. Als Bhima sah, daß Kotika ohne Wagenlenker dem Schlachtfeld den Rücken zuwandte, verfolgte er ihn und tötete ihn mit einem bärtigen Pfeil. Mittlerweile trennte Arjuna den zwölf Sauvira Helden mit seinen scharfen, mondsichelförmigen Pfeilen sowohl die Bögen entzwei als auch die Köpfe ab. Dann schlug er die Führer der Ikshvakus, die Heerscharen der Sivis, Trigartas und Saindhavas. Man sah viele Elefanten und Wagen mit Bannern durch die Hand Arjunas fallen. Überall lagen abgetrennte Köpfe und Rümpfe herum und bedeckten den Boden. Schon sammelten sich die Hunde, Raben, Falken, Geier, Schakale und andere Aasfresser, um sich am Blut und Fleisch der Toten zu laben.

Als Jayadratha erkennen mußte, daß seine Heerscharen geschlagen waren, überkam ihn panische Angst und er rannte fort, Draupadi zurücklassend. Feige setzte er sie irgendwo ab, rannte um sein Leben, und entkam im Getümmel auf dem Weg, den er gekommen war. Yudhishthira sah Draupadi und Dhaumya zu Fuß gehen, und gebot dem heldenhaften Sahadeva, die beiden schützend in seinem Wagen aufzunehmen. Bhima mähte im Rausch die fliehenden Fußsoldaten mit eisernen Pfeilen nieder, bei jedem seinen Namen nennend. Doch Arjuna hatte Jayadrathas Flucht bemerkt und hielt Bhima vom Schlachten des kläglichen Heeresrestes ab.

So sprach Arjuna zu Bhima:
Ich kann nirgends Jayadratha auf dem Schlachtfeld entdecken, dessen üble Tat uns hier überhaupt zornig kämpfen ließ. Suche zuallererst ihn, und möge Erfolg deine Mühe lohnen. Was ist Gutes daran, sein Fußvolk zu töten? Warum widmest du dich solch unheilsamem Wirken ohne Gewinn?

Solcherart vom weisen Arjuna ermahnt, ließ Bhima von seinem Tun ab und wandte sich an Yudhishthira:
Da die meisten Krieger des Feindes geschlagen sind und in alle Richtungen davon rennen, geh du mit Dhaumya, Draupadi und den Zwillingen heim in unsere Einsiedelei. Dort beruhige die Prinzessin. Ich werde den törichten König der Sindhus nicht in Ruhe lassen, solange er lebt, selbst wenn er Zuflucht in die höllischen Bereiche nähme oder den Beistand Indras bekäme.

Und Yudhishthira gebot ihm:
Oh du mit den starken Armen, denk an unsere Schwester Dushala (die Gattin Jayadrathas) und die gefeierte Gandhari. Töte den König der Sindhu unter keinen Umständen, auch wenn er so gemein ist.

Doch diese Worte erregten Draupadi aufs Äußerste. Empört und sittsam zugleich sprach die kluge Dame zu Bhima und Arjuna:
Wenn euch irgendetwas daran gelegen ist, mir Gutes zu tun, dann müßt ihr den hinterhältigen und verachtenswerten Schuft töten. Dieser Anführer der Sindhus ist sündig, dumm, infam und gemein. Wer gewaltsam eine Ehefrau oder ein Königreich raubt, dem sollte niemals in der Schlacht vergeben werden, und bettelte er auch um Gnade.

Von beiden Seiten ermahnt begaben sich die beiden mutigen Krieger auf die Suche nach Jayadratha, während König Yudhishthira sich mit Dhaumya, ihrem spirituellen Begleiter, und Draupadi auf den Heimweg machte. Dort angekommen sah er all die Brahmanen mit Markandeya auf ihren Sitzen, wie sie das Los von Draupadi bitterlichst beweinten. Doch als der weise Yudhishthira mit seinen Brüdern als siegreich erkannt wurde, verbreitete sich sogleich große Freude in der Einsiedelei. Yudhishthira setzte sich zu ihnen, und Draupadi und die Zwillinge zogen sich zurück.

Bhima und Arjuna hatten mittlerweile in Erfahrung gebracht, daß ihr Feind zwei Meilen Vorsprung hatte, und trieben ihre Pferde zur Eile. Arjuna vollbrachte die wundervolle Tat, die Pferde von Jayadratha aus dieser Distanz zu töten. Dabei halfen ihm seine himmlischen Waffen, die er mit Mantras erweckte und die keine Hindernisse kannten. So holten sie den völlig verwirrten und bekümmerten Jayadratha ein, der über seine sterbenden Pferde sehr verwundert war. Als er dann die beiden Entschlossenen heranstürmen sah, floh er weiter den Pfad im Walde entlang. Doch Arjuna holte den Rennenden schnell ein und rief ihm zu:
Wie konnte es sein, daß du mit so wenig Männlichkeit es wagtest, eine Dame gewaltsam zu rauben? Kehr dich zu uns, oh Prinz! Es ist feige, davonzurennen. Wie kannst du nur dein Gefolge inmitten der Feinde allein lassen und weglaufen?

Doch der Monarch der Sindhus blieb nicht stehen, obwohl ihn die beiden mehrmals ermahnten. Da ergriff ihn Bhima mit schneller Hand, und Arjuna beschwor ihn voller Milde, den Lumpen nicht zu töten.

Hier endet mit dem 270.Kapitel das Draupadi Harana Parva des Vana Parva im gesegneten Mahabharata.


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