Pushpak Mahabharata Buch 12Zurück WeiterNews

Kapitel 204 - Manu über das Wesen der Seele

Manu sprach:
Wie im Schlaf dieser Körper auf dem Bett liegt und das Bewußtsein sich von ihm löst und verbunden mit Erinnerungen im Traum umherwandert, so ist es auch nach dem Tode mit dem Sein und dem Nichtsein. Wie man auf einer stillen Wasseroberfläche mit dem Auge sein Bild erkennt, so kann die Seele, wenn die Sinne beruhigt sind, durch die Vernunft sich selbst erkennen. Wenn das Wasser jedoch aufgewühlt ist, verschwindet jedes klare Bild und so auch die Sicht auf die innerste Seele, wenn die Sinne aufgewühlt sind. Durch Unwissenheit entsteht Illusion, und Illusion verwirrt das Denken. Wenn das Denken verwirrt ist, geraten auch die fünf Sinne in Verwirrung, welche das Denken als ihre Zuflucht haben. Ist man durch Unwissenheit belastet und im Sumpf der weltlichen Dinge versunken, kann man die Seligkeit der stillen Zufriedenheit nicht erfahren. Die Seele, die in ihre guten und schlechten Taten verstrickt ist, kehrt immer wieder zu den weltlichen Dingen zurück, und gerade wegen dieses Karmas kann ihr Durst nie gestillt werden. Nur wenn das Karma erlischt, wird auch der Durst beruhigt. Aufgrund der Anhaftung an weltliche Dinge, die dazu neigt, sich selbst zu vermehren, begehrt man etwas, was man nicht begehren sollte, und kann dadurch das Höchste nicht erreichen. Nur aus der Überwindung aller sündhaften (bzw. karmischen) Taten kann wahre Erkenntnis im Menschen entstehen. Allein damit kann man sich wie in einem reinen Spiegel durch die höhere Vernunft selbst erkennen. Leiden erntet man, solange die Sinne ungezügelt sind. Das Glück entsteht dagegen durch Zügelung. Deshalb sollte man sich vom Verlangen nach den Sinnesobjekten zurückhalten.

Über den Sinnen steht das Denken, über dem Denken die Vernunft, über der Vernunft das Bewußtsein und über dem Bewußtsein die Höchste Seele. Aus dem Unmanifesten geht das Bewußtsein hervor, aus dem Bewußtsein die Vernunft und aus der Vernunft das Denken. Wenn sich das Denken mit den Sinnen verbindet, dann nimmt es den Klang und alle anderen Sinnesobjekte wahr. Wer die Anhaftung an diese Sinnesobjekte überwindet, wie auch alles Körperliche, und damit von allem frei wird, was aus den ursprünglichen Elementen geformt wurde, der ist für die Unsterblichkeit bereit. Wenn die Sonne aufgeht, verbreitet sie ihre Strahlen. Wenn sie untergeht, zieht sie ihre Strahlen zurück. So erhellt auch die Seele, wenn sie im Körper aufgeht, die fünffachen Sinnesobjekte, indem sie durch die Sinnesorgane hindurch ihre Strahlen verbreitet. Wenn sie diese jedoch zurückzieht, dann sagt man, daß die Seele untergegangen ist. Auf diese Weise wird man immer wieder entlang des Pfades geführt, der durch die Taten geschaffen wird, und sammelt die Früchte seiner Taten aufgrund der Anhaftung am Handeln. Die Anhaftung an die Sinnesobjekte löst sich, wenn man (durch Entsagung) aufhört, sich davon zu ernähren. Doch der Geschmack als Wurzel der Begierde verschwindet erst, wenn man sich selbst erkannt hat, als Höchste Seele, die wesenhaft vom Begehren frei ist. Wenn das Denken von der Anhaftung an die Sinnesobjekte befreit und in der höheren Vernunft verankert ist, kann man das Brahman erreichen, wo das Denken und die Sinne gestillt sind. Denn das Brahman ist kein Objekt des Fühlens, Hörens, Schmeckens, Betrachtens, Riechens oder gedanklicher Schlußfolgerung durch Bekanntes. Nur die höhere Vernunft (wenn sie von allem „anderen“ zurückgezogen ist) kann es erreichen. Alle Objekte, welche die Sinne ergreifen, können in das Denken zurückgezogen werden, das Denken in die Vernunft, die Vernunft in das reine Bewußtsein und das reine Bewußtsein in das Höchste. Dabei können weder die Sinne das Denken erkennen, noch das Denken die Vernunft, noch die Vernunft das reine Bewußtsein (das Unmanifeste). Es ist stets die Höchste Seele, die (als ewiger Zeuge) alles erkennt.


Zurück Inhaltsverzeichnis Weiter