Pushpak Shiva-Purana Buch 2Zurück WeiterNews

Kapitel 4 - Die Vorzüglichkeit des Hörens und der Meditation

Da erkundigten sich die Weisen:
Was ist achtsames Zuhören? Was ist Meditation, oh Heiliger? Wie wird die Lobpreisung durchgeführt? Oh bitte, erläutere uns das ganz genau.

Brahma antwortete:
Der Geist neigt zum Sinnen. Auf einen gütigen Blick Shivas hin, entwickelt der Geist die Fähigkeit zum Überlegen und Untersuchen, wie wirksam Verehrung ist, wie die Eigenschaften von Shiva sind, seine Gestalt, seine göttlichen Handlungen und seine vielen Namen. Ein beständiges Sinnen und achtsames Meditieren ist also das beste Mittel. Bei der Lobpreisung werden alle Taten Shivas, seine Eigenschaften, Formen und Namen deutlich zum Ausdruck gebracht, indem man in bester Tradition Lieder singt oder Texte in der Muttersprache rezitiert. Dies ist das mittlere der Mittel. Das Hören der Worte Shivas ist weithin berühmt und nützlich. Wie andere eifrig das Vergnügen mit einer schönen Frau suchen, oh weise Männer, so solltet ihr den Worten Shivas zu jeder Zeit und an jedem Ort freudig und aufmerksam lauschen. Das Hören kommt zustande, wenn man in Gesellschaft guter Menschen ist. Dann wird auch das preisende Singen stärker, und am Ende wird die Meditation hervorragend. Doch all dies ist nur unter dem wohlwollenden Blick Shivas überhaupt möglich.

Und Suta fuhr fort:
Um die Bedeutung der Mittel noch klarer darzustellen, werde ich euch eine Geschichte aus alter Zeit erzählen. Hört sie zu eurem Wohle an.

Vor langer Zeit übte mein Lehrer Vyasa, der Sohn des Weisen Parasara, am Ufer der Sarasvati Enthaltsamkeit mit etwas aufgewühltem Geist. Und es geschah, daß der himmlische Weise Sanatkumara in einem sonnengleich strahlenden, himmlischen Wagen des Weges kam und meinen Lehrer erspähte. Mein Lehrer tauchte aus seiner Meditation auf, erblickte den Sohn des Brahma und grüßte und ehrte ihn sogleich eifrig. Hastig bot er dem Gast Arghya (das Gastgeschenk) an und einen Platz zum Sitzen, welcher der Göttlichkeit seines Gastes angemessen war. Erfreut sprach da der himmlische Weise mit bedeutenden Worten zu meinem demütigen Lehrer.

Sanatkumara sprach:
Oh Weiser, meditierst du auch über das Wahre? Der große Herr Shiva kann erkannt und gesehen werden. Wozu übst du deine Buße hier?

Nach diesen Worten erklärte Vyasa seine Absicht wie folgt:
Durch die Gunst der göttlichen Alten, wie du auch einer bist, habe ich in der Welt und mithilfe der Veden beinahe Tugend, Wohlstand, Liebe und Erlösung gemeistert. So wurde ich zum Lehrer für andere. Doch zu meiner Überraschung hat sich das Wissen über die Mittel zur Erlösung in mir immer noch nicht vollständig entfaltet. Deshalb übe ich Buße und Enthaltsamkeit, nämlich um Befreiung zu erlangen. Doch ich weiß nicht, wie ich das erreichen kann.

Da enthüllte ihm der wissende und göttliche Sanatkumara den sicheren Weg:
Nun, du kennst sicher schon die drei Wege, welche mit dem vedischen Ideal konform gehen, nämlich Hören, Lobpreisen und das äußerst wirksame Meditieren über Shiva. Früher war auch ich durch die Vielzahl der Wege verwirrt und übte strenge Buße auf dem Berg Mandara. Da schickte mir Shiva in seiner Güte seinen göttlichen Diener Nandikeshvara (der Stier Nandi in seiner halbmenschlichen Gestalt). Dieser verständnisvolle Anführer der Ganas (Geisterwesen) und Zeuge von allem sprach zu mir in liebevollen Worten über die Vorzüglichkeit von Hören, Lobpreisen und Meditieren. Ja, die Botschaft kam von Shiva selbst, oh Heiliger, so folge auch du diesem Weg zur Erlösung.

Suta endete:
So überzeugte der Sohn Brahmas den weisen Vyasa, bestieg wieder seinen himmlischen Wagen und kehrte in seine strahlende und glückselige Region zurück. Zu eurem Wohl habe ich euch diese kurze Geschichte aus uralter Zeit dargebracht.

Die Weisen fragten:
Oh Suta, du hast gut erzählt. Doch was soll einer tun, dem es nicht möglich ist, das Hören, Lobpreisen und Meditieren zu praktizieren? Welchem einfachen Ritus zur Erlösung soll er folgen?


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