Pushpak Shiva-Purana Buch 10Zurück WeiterNews

Kapitel 38 - Der Stamm Ikshvakus von Satyavrata bis Sagar

Suta erzählte weiter:
Mit Hingabe, Mitgefühl und Ausdauer kümmerte sich Satyavrata um Vishvamitras Jungen und seine Gattin. Er jagte Hirsche, Bären und Büffel im Wald und legte das Fleisch vor Vishvamitras Einsiedelei ab. Währenddessen kümmerte sich Vasishta, der Familienpriester des Königs, um die heiligen Orte, die Kühe und die königliche Familie. Vasishta hatte den Vater nicht davon abgehalten, seinen Sohn zu verstoßen, denn er folgte dem Schicksal, welches noch Schwerwiegendes mit Satyavrata vorhatte. Bis dahin hatte Satyavrata nur seinem Vater zuliebe gedacht, daß die Familientraditionen befolgt werden müssen. Doch er wußte zum Beispiel nicht, daß die Heirat nach dem siebten Schritt (ums Feuer) geschlossen und heilig ist. Auch deshalb hatte Vasishta nichts unternommen, als er ins Exil geschickt worden war, sondern hatte noch erklärt, daß er ihn niemals in seinem Reich krönen würde. Nun hegte aber Satyavrata eine eifrige und fromme Zuneigung zu Vishvamitra und seiner Familie, bis im zwölften Jahr von Hunger und Dürre nirgends mehr Fleisch aufzutreiben war. Eines Tages sah er die Wünsche erfüllende Kuh von Vasishta und tötete sie, um Vishvamitras Sohn zu ernähren.

Das erregte den Zorn von Vasishta und er sprach:
Wenn meine beiden eisernen Strafen nicht wirken, dann schaffe ich eine neue. Deine Sünde ist dreifach. Deinen Vater hast du verärgert, die Kuh getötet und unheilige Dinge getan.

Und so nannte er ihn Trisanku, wie er seitdem bekannt ist. Als Vishvamitra heimkehrte, war er mit Trisanku sehr zufrieden, denn er hatte seine Familie über die Dürre gebracht. Und so segnete er den Prinzen, krönte ihn im Reich seines Vaters und war sein Priester bei der Zeremonie. Und später erhob er ihn sogar in seinem Körper in den Himmel, während die Götter und Vasishta zuschauten. Seine Gattin Satyaratha, die aus dem Geschlecht der Kekayas stammte, gebar ihm einen Sohn namens Harishchandra, der auch als Traisankava bekannt ist. Harishchandra wurde als Herrscher berühmt und führte das Rajasuya Opfer erfolgreich aus. Sein Sohn Rohita war ruhmreich, dann kamen die Söhne Vrika, Trika und Bahu. Bahu wurde von den Haihayas und Talajanghas besiegt und vertrieben. Bahus Sohn Sagar wurde vergiftet, doch (seine Mutter) kam in die Einsiedelei von Bhargava, und dieser rettete den Jungen. Außerdem gab er ihm noch hervorragende Waffen, so daß König Sagar sein Reich von den Haihayas und Talajanghas zurückerobern konnte. Danach eroberte er die Gebiete der Shakas, Bahudukas, Paradas, Taganas und Khasas. Er etablierte eine gute Religion und regierte tugendhaft.

Da fragte Saunaka:
Wie konnte es sein, daß Sagar mit Gift auf die Welt kam? Wie besiegte er die feindlichen Krieger? Oh Suta, bitte erzähl uns das genauer.

Und Suta gab zurück:
Nun Weiser, so höre aufmerksam zu. Ich werde dir wiedergeben, was Vaisampayana erzählte, als ihn Janamejaya, der Sohn von Parikshit, genau danach fragte.

Janamejaya fragte damals:
Oh Weiser, wie wurde König Sagar mit Gift geboren? Wie schlug er die Feinde? Bitte erklär es mir.

Und Vaisampayana antwortete:
Nun mein Lieber, als das Reich von König Bahu in Sünde gefallen war, da eroberten es die Haihayas, Talanjanghas und Shakas. Die Haihayas wiederum hatten die Hilfe von fünf kriegerischen Völkern, nämlich den Yavanas, Paradas, Kambojas, Pahlavas und Bahudakas. Diese kämpften siegreich und übergaben das Reich von Bahu an die Haihayas. Bahu ging also mit seinen beiden Ehefrauen ins Exil in den Wald, wo er geschlagen starb. Die eine Gattin aus dem Hause von Yadu war schwanger, als sie ihm folgte, doch die andere Gattin war so eifersüchtig, weil sie den ersten Sohn zur Welt bringen wollte, daß sie ihr Gift verabreichte. Als Bahu tot war, wurde der Scheiterhaufen errichtet, und seine Gattin wollte sich schon dem Feuer übergeben, doch der Weise Aurva-Bhargava hielt sie voller Mitgefühl zurück. Die Königin blieb um des Kindes willen in seiner Einsiedelei, diente dem Asketen und dachte an Shiva. Und als die fünf Planeten aszendent waren und die Stunde Gutes verhieß, wurde das Kind mitsamt dem Gift geboren. Das war König Sagar mit den mächtigen Armen. Der Weise führte die Geburtsriten für ihn aus, lehrte ihn die Veden und Gebote und instruierte ihn im Gebrauch von Waffen. Der gesegnete Sagar war ein ernsthafter und eifriger Schüler und meisterte bald sogar himmlische Waffen. Und mit diesen wunderbaren Waffen und seiner eigenen Stärke besiegte er die Haihayas, wurde berühmt und etablierte wieder Recht und Ordnung auf Erden. Die Shakas, Yavanas, Kambojas und Pahlavas flohen zu Vasishta und baten um Zuflucht. Vasishta versprach ihnen die Befreiung von der Angst und brachte sie zu Sagar. Dieser vernichtete ihre Art der Verehrung (ihre äußerliche religiöse Identität) und befahl ihnen folgende Haartrachten: Die Shakas entließ er in die Freiheit, nachdem ihnen die Haare halb abrasiert worden waren. Die Yavanas und Kambojas wurden gänzlich geschoren. Die Paradas bekamen einen kurzen Haarschnitt, und die Pahlavas mußten sich Bärte und Schnauzer wachsen lassen. Sie alle wurden vom Recht, die Veden zu studieren, und vom Segen der Rituale ausgeschlossen. Die Erde wurde von Sagar in Tugend erobert, und die einst sündigen Krieger wurden wieder fromm. Als Herrscher über die Erde führte Sagar nun ein Pferdopfer aus. Das Pferd wurde freigelassen, und seine 60.000 Söhne folgten ihm. Als das Pferd den Ozean im Südosten erreichte, stahl es Indra heimlich und brachte es unter die Erde. König Sagar ließ auf der Suche nach dem Pferd von seinen Söhnen die Erde umgraben, und so begegneten die Söhne Kapila, dem urersten Purusha in seiner kosmischen Gestalt. Als er aus seiner Trance erwachte, verbrannte sein feuriger Blick alle Söhne bis auf vier von ihnen in nur einem Augenblick. Die vier waren Harshaketu, Suketu, Dharmaratha und Panchajana. Sie wurden später Könige, die seine Linie fortsetzten. Lord Vishnu gewährte fünf Segen, nämlich das Erblühen der Familie, Klugheit, Ruhm, den Ozean als Sohn und Wohlstand. Sagar bekam das Opferpferd zurück, wurde zum Vater des Ozeans, führte in seinem Leben noch viele Pferdeopfer durch und wurde sehr berühmt. Er führte viele heilige Rituale durch und erfreute die Götter sehr.


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