Pushpak Mahabharata Buch 3Zurück WeiterNews

Kapitel 99 – Agastya verdaut Vatapi

Lomasa sprach:
Als Ilwala von der Ankunft der Könige mit dem großen Rishi erfuhr, ging er ihnen mit seinen Ministern entgegen und begrüßte sie ehrend, hieß sie gastfreundlich willkommen und bot ihnen fein gekochtes und gewürztes Fleisch an, nämlich seinen Bruder, der sich zuvor in einen Widder verwandelt hatte. Doch die königlichen Weisen wußten um das Fleisch des Dämons und wurden traurig, betrübt und ganz verzweifelt.

Da sprach Agastya zu ihnen:
Seid nicht bekümmert, ich werde den großen Dämon ganz allein aufessen.

Er setzte sich auf einem vorzüglichen Platz nieder, und der Dämonen-Prinz Ilwala servierte ihnen lächelnd das Essen. Agastya aß das ganze Fleisch auf, und als das Essen vorüber war, rief Ilwala seinen Bruder zu sich. Doch nur Luft kam aus dem Magen des ruhmreichen Rishi, begleitet von einem Geräusch, das so laut wie Donnergrollen war.

Doch Ilwala gab nicht auf und rief immer wieder:
Komm heraus, oh Vatapi, komm zu mir!

Daraufhin brach Agastya in lautes Gelächter aus und rief:
Wie kann er herauskommen? Ich hab ihn längst verdaut!

Nun war es an Ilwala, traurig und verzweifelt zu sein. Er und seine Minister falteten die Hände, und er sprach zum Rishi und seinen Begleitern:
Warum kamt ihr zu mir, und was kann ich für euch tun?

Lächelnd antwortete Agastya:
Wir wissen, oh Dämon, daß du über große Macht und ebenso großen Reichtum verfügst. Diese Könige sind nicht wohlhabend, und auch ich benötige dringend Reichtum. Gib uns, was du kannst, ohne anderen zu schaden.

Da grüßte Ilwala den Rishi und sprach:
Wenn du weißt, was ich euch in Gedanken geben könnte, dann sei es euer.

Agastya antwortete:
Oh großer Dämon, du beabsichtigst, jedem dieser Könige zehntausend Kühe und ebenso viele goldene Münzen zu geben. Für mich hast du zweimal so viel geplant, und außerdem einen goldenen Wagen und ein Paar gedankenschnelle Pferde. Und wenn du nun nachfragst, wirst du erfahren, daß der Wagen wirklich aus Gold ist.

So erkundigte sich Ilwala, fand alles, wie es Agastya gesagt hatte, und gab mit traurigem Herzen alles her: die Kühe, die Münzen, den goldenen Wagen und die Rosse namens Virava und Surava. Diese Rosse brachten die Könige nebst Agastya in einem Augenzwinkern zur Einsiedelei des Rishis. Dann verabschiedeten sich die Könige und kehrten in ihre Städte zurück. Und Agastya konnte mit diesen Schätzen seiner Ehefrau all ihre Wünsche erfüllen.

Da sprach Lopamudra zu ihm:
Oh Ruhmreicher, du hast alles erfüllt, was ich begehrte. Zeuge nun ein Kind mit mir, welches große Energie besitzen soll.

Und Agastya sprach milde zu ihr:
Oh gesegnete Schöne, ich bin sehr zufrieden mit deinem Betragen. Nun höre meinen Vorschlag bezüglich deiner Nachkommenschaft. Möchtest du tausend Söhne haben? Oder hundert Söhne, wobei ein jeder zehn Söhnen gleicht? Oder zehn Söhne, die hundert ebenbürtig sind? Oder nur einen Sohn, der tausend besiegen kann?

Lopamudra antwortete:
Laß mich einen Sohn haben, der tausend ebenbürtig ist, oh du Askesereicher. Ein guter und gelehrter Sohn ist besser als viele schlechte Söhne.

Der fromme Muni sprach: „So sei es.“, wohl wissend, daß seine hingebungsvolle Gattin von gleicher Neigung war. Nachdem sie empfangen hatte, zog sich Agastya in die Wälder zurück, und der Fötus wuchs sieben Jahre in ihrem Leib. Nach dieser langen Zeit gebar sie den höchst gelehrten und strahlenden Dridasyu. Es war ein großer Brahmane und ruhmreicher Asket, der mit gewaltiger Energie seine Geburt als Sohn des Rishi Agastya nahm. Und bei seiner Geburt war es, als ob die Veden nebst den Upanishaden und den Angas ihre Verkörperung gefunden hätten. Schon als Kind trug er große Mengen an Brennstoff für die Opferfeuer in die Einsiedelei seines Vaters, und wurde daher Idhmavaha (Träger von heiligem Holz) genannt. Und wenn Agastya seinen tugendhaften Sohn betrachtete, war er sehr glücklich.

Nun, oh König, so bekam Agastya einen hervorragenden Sohn, und seine Ahnen gelangten daraufhin in die gewünschten Bereiche. Seit dieser Zeit ist dieser wunderschöne Ort als die Einsiedelei des Agastya bekannt. Die heilige und von Göttern und Gandharvas verehrte Bhagirathi fließt angenehm vorüber, wie eine sich sanft im Wind wiegende Flagge. Ein Stück weiter stürzt sie über schroffe Felsen tiefer hinab und ähnelt einer ängstlichen Schlange, die sich an bergige Hänge drückt. Einmal aus den verfilzten Locken Mahadevas ausgetreten bewässert sie den Süden und ernährt ihn wie eine Mutter, bis sie sich schließlich mit dem Ozean vereinigt, als wäre sie seine geliebte Braut. Taucht ihr in den heiligen Strom ein, wie ihr es wünscht, oh Söhne des Pandu. Und schaut dort die Tirtha des Bhrigu, die in allen drei Welten und von allen Rishis verehrt wird. Als Rama (mit der Axt, Sohn des Jamadagni, aus dem Geschlecht des Bhrigu) hier badete, da gewann er seine Stärke wieder, die ihm Rama (der Sohn des Dasaratha) genommen hatte. Badet hier, ihr Brüder und auch Draupadi, und ihr werdet eure Energie wiederbekommen, die euch Duryodhana nahm.

Vaisampayana sprach:
Nach diesen Worten von Lomasa tauchten die Pandavas und ihre Gattin in den heiligen Strom ein und brachten den Göttern und Ahnen das Wasseropfer dar. Nach dem Bade strahlte Yudhishthiras Körper viel glanzvoller, und er wurde unüberwindlich für alle Feinde.

Später fragte Yudhishthira den Lomasa:
Oh Ruhmreicher, warum wurde Ramas Energie gemindert? Und wie gewann er sie zurück? Oh du Hoher, ich möchte es erfahren, bitte erzähl.

Die Begegnung von Rama mit der Axt und Rama, Sohn des Dasaratha

Und Lomasa begann:
So lausche der Geschichte von den beiden klugen Ramas. Für die Vernichtung Ravanas nahm Vishnu seine Geburt im Sohn des ruhmreichen Dasaratha, welcher in Ayodhya in die Welt kam. Davon hörte Rama aus der Linie des Bhrigu und ging neugierig nach Ayodhya. Er nahm den himmlischen Bogen mit, der den Kshatriyas so viel Verderben brachte, um den Heldenmut von Dasarathas Sohn zu erkunden. Als Dasaratha vom Nahen des Helden hörte, sandte er seinen Sohn Rama aus, um ihn gebührend zu empfangen. Rama trat dem Ankömmling mit bereiten Waffen entgegen, als Rama mit der Axt lächelnd sprach:
Oh hoher Prinz, spanne mit aller Kraft diesen Bogen, wenn du kannst. In meiner Hand war er das Werkzeug, um die Kaste der Kshatriyas auszulöschen.

Und Dasarathas Sohn antwortete:
Oh Ruhmreicher, es ziemt sich nicht für dich, mich so zu demütigen. Weder bin ich in den Tugenden der Kshatriyas ungenügend, noch prahlen die Nachkommen von Ikshvaku jemals mit ihrer Waffenkunst.

Doch Rama aus der Linie des Bhrigu sprach:
Mögen die schlauen Worte nun Waffenstillstand halten. Nimm den Bogen!

So nahm Dasarathas Sohn ärgerlich den tödlichen Bogen aus der Hand des anderen, spannte ihn lächelnd ohne alle Mühe, und die Sehne machte ein so lautes Geräusch wie Donnergrollen, daß alle Wesen sich fürchteten.

Dann sprach der mächtige Held:
Sieh, ich habe den Bogen gespannt. Was, oh Brahmane, soll ich sonst für dich tun?

Da gab ihm der Sohn des Jamadagni einen himmlischen Pfeil und sprach:
Hier, leg den auf die Sehne und spanne sie bis zum Ohr.

Da loderte in Dasarathas Sohn der Zorn auf, und er sprach:
Ich habe sehr wohl vernommen, was du gesagt hast, und dir verziehen. Oh Sohn aus dem Geschlechte des Bhrigu, du bist voller Eitelkeit! Durch die Gunst deines Großvaters hast du Energie, welche die von Kshatriyas übersteigt. Und deswegen beleidigst du mich. Schau mich nun in meiner ursprünglichen Gestalt! Ich gewähre dir die Sicht!

Da erblickte Rama mit der Axt im Körper des Helden die Adityas mit den Vasus, die Rudras, Sadhyas und Maruts, die Pitris, Hutashana, die Sternenkonstellationen und Planeten, die Gandharvas, Rakshasas, Yakshas, Flüsse und Tirthas, die mit Brahma vereinten ewigen Rishis, die Valakhilyas, die himmlischen Rishis, die Meere und Berge, die Veden, Upanishaden, die Vashats und Opfer, die Samas in ihren lebendigen Gestalten, die Kunst der Waffen und die Wolken mit Regen und Blitz. Dann schoß der ruhmreiche Vishnu den Pfeil ab, und die Erde wurde vom Geräusch des Donners erfüllt, brennende Meteore fielen herab, und Blitze zuckten durch den Himmel. Es fielen Staub- und Regenschauer auf die Erde, Wirbelwinde und gräßliche Klänge ließen alles erbeben und die Erde schüttelte sich. Die Energie des Pfeils verwirrte den Sohn Jamadagnis und kaum abgeschossen, kehrte der Pfeil grell leuchtend in die Hand des Schützen zurück. Da kehrten dem Rama mit der Axt langsam Sinne und Bewußtsein wieder, und er verbeugte sich vor Rama, dieser Manifestation von Vishnus Macht. Auf Vishnus Geheiß begab er sich in die Berge von Mahendra und lebte von da an in Angst und Schande. Nach einem Jahr kamen die Pitris und sahen den einst großen Asketen ohne alle Energie, ohne jeden Stolz und tief in Kummer versunken.

Da sprachen die Pitris zu Rama:
Ach Sohn, als du vor Vishnu tratst, war dein Benehmen ihm gegenüber nicht angemessen. Er verdient für alle Zeit Ehre und Respekt in den drei Welten. Nun geh zum heiligen Fluß mit dem Namen Vadhusara. Bade in allen Tirthas dieses Stroms, und du wirst deine Energie zurückerhalten. Es gibt in diesem Fluß die Tirtha Diptoda, wo dein Großvater Bhrigu im himmlischen Zeitalter asketische Buße von großem Verdienst übte.

Rama tat, wie ihm geheißen, und bekam in dieser Tirtha seine verlorene Energie zurück. Dies geschah damals, als Rama mit den makellosen Taten auf Vishnu (in Gestalt von Dasarathas Sohn) traf.


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