Pushpak Mahabharata Buch 13Zurück WeiterNews

Kapitel 52 - Die Geschichte von Chyavana und König Kushika

Yudhishthira sprach:
Oh Weisheitsvoller, ich habe noch einen Zweifel, der fast so groß wie der Ozean ist. Höre ihn, oh Starkarmiger, und erkläre mir alles darüber. Ich spüre eine große Wißbegierde bezüglich Parasurama, dem Sohn von Jamadagni, diesem Ersten aller Rechtschaffenen. Wie wurde Parasurama geboren und wie bekam er seine unschlagbare Heldenkraft? Bitte erzähle mir, oh König, alle Einzelheiten über die Geburt von Parasurama. Warum widmete er sich als geborener Brahmane den Aufgaben der Kshatriyas, während Vishvamitra aus dem Stamm von Kushika, der ein geborener Kshatriya war, unbedingt ein Brahmane werden wollte? Zweifellos war die Kraft des hochbeseelten Parasurama nicht geringer als die von Vishvamitra, oh Führer der Menschen. Doch warum wurde Parasurama, der Enkel von Richika, ein Kshatriya im Verhalten und Vishvamitra, der Enkel von Kushika, ein Brahmane? Warum trafen die beiden Enkel auf solche verwirrende Schicksale, die eigentlich die Söhne treffen sollten? Oh Großvater, mögest du mir die wahren Ursachen dafür erklären.

Bhishma sprach:
Diesbezüglich wird eine alte Geschichte über Chyavana und Kushika erzählt, oh Bharata. Voller Intelligenz erkannte Chyavana, dieser Beste aller Asketen aus dem Bhrigu Stamm, die Befleckung, die seinen Stamm einholen würde (weil einige seiner Nachkommen die Kshatriya Aufgaben pflegen werden). Und nachdem er die Verdienste und Sünden als auch Kräfte und Schwächen dieser Ereignisse abgewogen hatte, war der askesereiche Chyavana bestrebt, den Stamm von Kushika zu verbrennen (weil er erkannte, daß von diesem Stamm die Verletzung der Kastenreinheit durch Vishvamitra ausgehen wird, die auch seinen Stamm treffen würde). So begab sich Chyavana zu König Kushika und sprach zu ihm:
Oh Sündloser, es hat sich in meinem Herzen der Wunsch erhoben, einige Zeit mit dir zu wohnen.

Und Kushika antwortete:
Oh Heiliger, das Zusammenwohnen ist eine Tradition, welche die Gelehrten den verheirateten Paaren bestimmt haben. Nur in dieser Verbindung sprechen die mit Weisheit Begabten von einer solchen Praxis. Oh Rishi mit dem Reichtum der Askese, ein Zusammenwohnen, wie du es mit mir wünschst, wird von den heiligen Geboten nicht gestattet. Aus Achtung vor dir und aus Pflichterfüllung werde ich jedoch tun, was du gebietest.

Bhishma fuhr fort:
Damit ließ König Kushika für den mächtigen Chyavana einen kostbaren Sitz bringen und stand mit seiner Ehefrau an der Seite des Asketen. Danach brachte man ein Gefäß mit Wasser, das ihm der König zum Waschen seiner Füße anbot. So ließ der hochgeborene Kushika, der Selbstbeherrschung und Gelübde pflegte, durch seine Diener alle Riten vollbringen, die zu Ehren seines hochbeseelten Gastes geboten sind und präsentierte dem großen Rishi auch verschiedene Speisen mit Honig. Und nachdem der gelehrte Brahmane auf diese Weise begrüßt und verehrt wurde, sprach der König zu ihm:
Wir zwei erwarten deine Gebote! Befiehl uns, was wir für dich tun sollen, oh Heiliger. Sei es unser Königreich, Reichtum, Kühe oder Opferdinge, was du auch wünschst, oh Gelübdetreuer, ein Wort von dir und wir werden dir alles schenken. Dieser Palast, das Königreich und diese Herrschaft stehen zu deinen Diensten. Du bist der Herr von allem. Herrsche über diese Erde! Ich selbst bin dir vollkommen ergeben.

Nach diesen Worten des Königs wurde Chyavana aus dem Stamm von Bhrigu von großem Entzücken erfüllt und antwortete Kushika:
Oh König, ich begehre nicht dein Königreich noch deinen Reichtum, die jungen Damen, deine Kühe, deine Provinzen oder Opfergaben. Höre mir zu. Wenn es dich und deine Ehefrau erfreut, dann werde ich beginnen, ein besonderes Gelübde zu beachten. Ich wünsche, daß du mir mit deiner Ehefrau während dieser Zeit ohne irgendwelche Skrupel dienst.

So angesprochen vom Rishi, waren König und Königin höchst erfreut, oh Bharata, und antworteten ihm „So sei es, oh Rishi!“. Glücklich über die Worte des Rishis, führte der König ihn in ein schönes und angenehmes Gemach im Palast und sprach:
Oh Heiliger, das ist dein Bett. Wohne hier nach Belieben. Oh Askesereicher, ich selbst und meine Königin werden alles tun, um dir jede Bequemlichkeit und jedes Vergnügen zu gewähren.

Und während sie so miteinander sprachen, ging gerade die Sonne unter, und der Rishi befahl dem König, ihm Essen und Getränke zu bringen. König Kushika verbeugte sich vor ihm und fragte: „Welche Speise ist dir angenehm? Welche Nahrung soll dir gebracht werden?“ Und voller Entzücken antwortete der Rishi dem Herrscher der Menschen: „Laß mir Speise bringen, die meiner würdig ist.“ Diese Worte hörte der König voller Respekt, sprach „So sei es!“, und bot dem Rishi passende Nahrung an. Und nachdem seine Mahlzeit beendet war, sprach der heilige Chyavana, der mit jeder Aufgabe im Leben bekannt war, zum König und zur Königin: „Ich wünsche jetzt etwas zu schlummern. Oh Mächtiger, bleib an meiner Seite!“ Daraufhin gingen sie ins Gemach, das für ihn bereitet war, wo sich dieser Beste der Rishis auf ein Bett niederlegte. Der König und die Königin setzten sich getreu an seine Seite, und der Rishi sprach noch einmal: „Weckt mich nicht, während ich schlafe! Haltet euch wach und massiert währenddessen meine Füße!“ Und ohne den kleinsten Skrupel sprach der pflichtbewußte Kushika: „So sei es!“ Wahrlich, König und Königin hielten sich die ganze Nacht wach und dienten dem Rishi, wie er geboten hatte. Das königliche Paar, oh Monarch, erfüllte das Gebot des Rishis voller Ernst und Aufmerksamkeit. Inzwischen schlief der heilige Brahmane nach seinem Befehl an den König zufrieden und ohne sich zu bewegen ganze einundzwanzig Tage. König und Königin, oh Freude der Kurus, verzichteten auf alle Nahrung und saßen die ganze Zeit zusammen freudig an der Seite des Rishis und massierten ihm die Füße. Erst nachdem einundzwanzig Tage vergangen waren, erhob sich der Sohn von Bhrigu auf seinen Wunsch hin. Doch ohne ein Wort zu sprechen, verließ der große Asket das Zimmer. Hungernd und ermüdet folgten ihm der König und die Königin, doch dieser Erste der Rishis beachtete sie nicht einmal mit einem kurzen Blick. Und nachdem er eine Weile gegangen war, verschwand der Sohn des Bhrigu plötzlich vor den Augen des königlichen Paares. Daraufhin sank der König, schwer vom Kummer geschlagen, zu Boden. Doch getröstet, erhob sich der Monarch bald wieder und begann, gemeinsam mit seiner Königin den Rishi überall zu suchen.


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