Pushpak HarivamshaZurück WeiterNews

3.27. Die Entstehung des Himmels

Vaisampayana sprach:
Als der Dämon Madhu in Pushkara, dem Lotusland von Brahma, überwältigt war, wurden alle Lebewesen mit großer Freude erfüllt und begannen, zu singen und zu tanzen. Der ganze, vorzügliche Berg der Schöpfung erstrahlte wie von Edelsteinen bedeckt und schien mit seinen goldenen Gipfeln den Himmel zu berühren. Die metallischen Adern der Berge leuchteten so hell wie Blitze. Voller Freude schlugen sie mit ihren Flügeln, der Staub wirbelte hoch in die Luft, und sie erhoben sich in die Wolken. Deshalb ragen die Berge auch heute noch in die Wolken und erstrahlen wie Gold. Durch die Bewegung ihrer Flügel schwankten die mächtigen Bäume, und sogar die Vögel fürchteten sich. Überall leuchteten die goldenen Gipfel der Berge, als wären sie mit Kristallen, Edelsteinen und Juwelen bedeckt. Der mächtige Himalaya zeigte sich im silberweißen Kleid, und zwischen seinen Flügeln wurden die zahlreichen Gipfel von den Strahlen der Sonne vergoldet, funkelten wie Diamanten oder loderten so rot wie Feuer. Der mächtige Berg Mandara erschien wie aus Kristall und glich dem zweifachen Weg zum Himmel. Der Berg Kailash funkelte von Mineralien, und seine stolzen Gipfel erschienen wie die Tore in eine andere Welt. Er war von großen Bäumen bedeckt, die Gandharvas musizierten, die Kinnaras sangen und die Apsaras tanzten. So erschien der ganze Berg als ein Ort der Freude und Liebe. Die Vindhya Berge glichen mit ihren dunklen Gipfeln den regenbeladenen Wolken, die zum Wohle aller Lebewesen um den Berge Meru herum ihren fruchtbaren Regen ergießen. Die Berge zeigten ihre ganze Herrlichkeit mit wundervollen Felsen, Mineralien, Edelsteinen und kristallklarem Wasser, das aus fröhlichen Quellen sprudelte. Die Bäume blühten wie zur Regenzeit und erschienen wie dunkle Wolken voller Blitze oder mit Gold geschmückte Elefanten. Die Kletterpflanzen, in denen sich die Vögel tummelten, zogen sich an den Bäumen hinauf und schienen im Wind zu tanzen. Und wie im Frühling ließen sie ihre Blüten im Wind regnen wie die Wellen am Ufer ihr Wasser verspritzen. So war die Erde von vielen mächtigen Bäumen bedeckt, die reiche Früchte trugen. Die Bienen summten um die Blüten, und die Vögel sangen ihre Lieder, als wollten sie die Ankunft des Liebesgottes verkünden.

(M.N.Dutt versucht im Weiteren die yogische Ebene zu übersetzen und schreibt:
Der göttliche Vishnu, der Vernichter von Madhu, schuf einen Fluß voller Wellen. Dieser Fluß hat viele Quellen, reichlich Wasser und schöne Ufer. Die heiligen Orte an seinen Ufern sind voller Zauber und Herrlichkeit. Er führt klares Wasser und trägt den Duft von Blüten. Erleuchtet von der Erkenntnis „Da ist niemand außer Dir!“ fließt er direkt ins Herz des Yogis. Erleuchtet von der Weisheit der Veden erscheint er in Form von Kapil (d.h. der ausgeglichene Zustand der drei natürlichen Qualitäten) im Yoga und gibt die nektargleiche Milch (d.h. offenbarte spirituelle Erkenntnis). Wenn alle intellektuellen Eigenschaften aufgelöst sind, besteht das reine Bewußtsein allein. Die drei natürlichen Qualitäten ergreifen den Körper nur, um das subtile Eine zu erkennen. Deshalb verehrt der Yogi mit konzentriertem Geist den höchst wundervollen, ewigen und reinen Atman (die Höchste Seele). Das Brahman löst durch reine Erkenntnis alle Sinnesobjekte auf, wie Wasser in der Wüste, und durchdringt die ganze Schöpfung. Die schöne, wohlgestaltete Maya (Illusion) umhüllt den Atman. Wenn diese Hülle aus Unwissenheit entfernt ist, kann man den Atman sehen. Das Ichbewußtsein ist unbesiegbar wie ein Berg. Es ist von den drei natürlichen Neigungen bzw. Qualitäten abhängig, existiert ewig, und sogar die heiligen Siddhas dienen ihm.

Hinweis: Damit endet hier die englische Übersetzung von M.N.Dutt und fährt mit Kapitel 30 fort. Wir stützen uns bis dahin auf die französische Übersetzung von A.Langlois.)

Vishnu, der göttliche Sieger über Madhu, erschuf einen friedlichen Fluß mit reinen und klaren Wellen, honigsüßem Wasser, schwarzem Sand, blühenden Ufern und wunderschönen Badestellen. Nach dem Gebot von Brahma fließt er durch Pushkara, wo ihn die heiligen Rishis besuchen. So nahm die Erde auf Wunsch von Brahma in diesem Opfer die Gestalt einer Kapila-Kuh an und gab nektargleiche Milch. Die Sahne dieser himmlischen Milch kam zur Erde herab, durchquerte die ewigen und lichtvollen Welten voller Wunder und erreichte das Lotusland von Brahma, wo sie als die heilige und berühmte Sarasvati erschien und bis in die Mitte des Lotus floß. Der Ewige, der jede Herrlichkeit und Tugend verkörpert, verbirgt seine Formlosigkeit unter der Gestalt von Aja (dem „Ungeborenen“, Vishnu oder Brahma) und widmet sich den heiligen Yogis. Aus seiner Verkörperung entsteht der mächtige Berg als Tor zum Höchsten Herrn, ewig wie er, mit all seinen Qualitäten, von den heiligen Siddhas besucht, mit vorzüglichen und goldglänzenden Wohnstätten, vom wunderbaren Lotus umgeben und in jeder Hinsicht von Twashtri, dem himmlischen Architekten, verschönert. Schließlich ist dieser Berg ein Bild des wirklichen Meru, ein ganz geistiges und wundervolles Bild.

Und Brahma sprach:
Ich will aus meinem Willen, der dem Dharma folgt, eine Welt der Tugend und Frömmigkeit schaffen, die eine geistige Form der irdischen Welt ist, denn für mich sind die Welten unendlich. Mit den fünf Sinnen existiere ich in den drei Welten, und mit dem sechsten Sinn, meinem Denken, will ich diese Schöpfung hervorbringen. Von weitem sehe ich die Anstrengungen der Wesen, die sich durch Unwissenheit an die Ketten der Wiedergeburt binden. Ich bewahre in mir jene Wesen, die von den sinnlosen Wünschen und Notwendigkeiten sterblichen Lebens befreit sind und weder den fünf Elementen angehören noch als Teil der riesigen Vielfalt der Natur gelten. So erreichen sie diese formlose (himmlische) Welt, die ganz anders ist, als die ichhafte (körperliche) Welt. Alle, welche die heilige Lehre studieren, um Vishnu zu erkennen, und ihre Sünden im Feuer der Buße verbrennen, können mich in meiner immateriellen Form erkennen. Die Menschen, die vertrauensvoll dem Dharma folgen und versuchen, sich zu mir zu erheben, erreichen den Himmel und erkennen mich ewig frei von Vergänglichkeit. Um diesen Gipfel zu erreichen, der sich auf dem Meru erhebt, muß man viele Kämpfe gegen die Leidenschaft führen und sich wiederholt durch Opfer im Laufe vieler Leben reinigen. Dort werden die Glückseligen in Gesellschaft der himmlischen Apsaras in den herrlichen Schatten des himmlischen Gartens Nandana wandern. Das ist der Lohn, der hier in Pushkara auf jene wartet, die meiner Lehre folgen, mir mit Hingabe dienen und den Körper durch Buße schwächen und überwinden. Wenn sie Vollkommenheit erreichen, werden sich alle ihre Wünsche erfüllen, und sie erfahren Glückseligkeit in dieser und der jenseitigen Welt. Dann wird diese Erde mit reiner Vollkommenheit in den drei Welten den Namen Gauri tragen (die Gattin von Shiva). So erstrahlen die Menschen, die ihren Geist sammeln, im Reichtum der Entsagung, gereinigt, jenseits von Illusion und Begierde, vom Zwang der Wiedergeburt befreit und von den Ketten der Körperlichkeit erlöst. Wer den Brahmanen Respekt erweist, tugendhaft handelt, wohltätig ist und vielfältige Geschenke gibt, dessen Verdienst wird in dieser Welt groß sein. Das verspreche ich ihnen. Sie werden mit ihrer ganzen Familie voller Vertrauen den tugendhaften Weg des Dharma gehen. Wer auf Erden die Opfer und die Gesellschaft der Brahmanen liebt, der wird auch in Zukunft das Opfer und die heilige Lehre pflegen. Wenn euer Geist von der frommen Göttin Gauri und der Liebe zur Entsagung erfüllt ist, werdet ihr nicht mehr im Mutterleib sterblicher Wesen Geburt annehmen müssen. Dieser vorzügliche und göttliche Zustand ist der Himmel. Hier werden die Werke all jener belohnt, die den tugendhaften Weg des Dharma gegangen sind.


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