Pushpak Markandeya PuranaZurück WeiterNews

Kapitel 28 - Über die Kasten und Lebensweisen

Der Sohn (Sumati) fuhr fort: Nachdem Alarka diese Worte seiner Mutter vernommen hatte, fragte er sie bezüglich der Aufgaben der verschiedenen Kasten und Lebensweisen: „Oh edle Mutter, du hast mir die Aufgaben der Könige beschrieben. Bitte belehre mich auch über die Aufgaben der Kasten und Lebensweisen.“

Madalasa sprach: „Hingabe, Studium und Opfer sind die Aufgaben eines Brahmanen. Eine vierte Aufgabe hat er nicht, außer den unverzichtbaren Handlungen für den Erhalt des Körpers. Die entsprechenden Mittel für seinen Lebensunterhalt sind ebenso als dreifach beschrieben, nämlich Unterricht geben, das Amt als Opferpriester in einem reinen Geist durchzuführen und die Annahme geheiligter Geschenke.

Die Aufgaben eines Kshatriyas sind auch als dreifach beschrieben, nämlich Hingabe, Studium und Opfer. Die Regierung der Erde und der Gebrauch von Waffen sind die Mittel seines Lebensunterhalts.

Die drei Aufgaben eines Vaisya sind Hingabe, Studium und Opfer. Handel, Viehhaltung und Landwirtschaft sind die Mittel seines Lebensunterhalts.

Als die Aufgaben eines Shudras werden von mir Hingabe, Opfer und Dienst an den Zweifachgeborenen beschrieben. Handwerk, Dienerschaft, Viehhüten, Einkaufen und Verkaufen sind die Mittel seines Lebensunterhalts.

Damit habe ich dir die Aufgaben der vier Kasten beschrieben. Nun höre, wie ich die Aufgaben bezüglich der verschiedenen Lebensweisen erkläre. Wer die Aufgaben seiner Kaste beachtet und nicht davon abweicht, der wird mit Erfolg gekrönt sein. Aber wer aus Eigennutz seine Aufgaben in dieser Welt missachtet, der geht den Weg zur Hölle.

So lange ein (junger) Brahmane nicht mit der heiligen Schnur initiiert ist, so lange kann er nach Belieben handeln, sprechen oder essen. Aber wenn die ordnungsgemäße Zeremonie seiner Berufung vollendet ist, dann muss er im Haus seines geistigen Lehrers als ein Brahmacharin (im Zölibat) leben. Höre, ich werde seine Aufgaben beschreiben. Das Studium der Veden, das Hüten des heiligen Feuers, der Bettelgang, das Essen mit der Erlaubnis des Lehrers, nachdem es ihm gewidmet wurde, ein Leben zu seiner vollen Zufriedenheit, fleißige Arbeit, Studium nach seinen Anweisungen, völlige Hingabe und die Konzentration des Geistes auf ihn, das sind die Aufgaben eines Brahmacharin. Nachdem er ein, zwei oder die ganzen Veden von den Lippen seines Lehrers erhalten hat, sollte er sich verneigen und mit seiner Erlaubnis das Dakshina (Dankgeschenk) anbieten. Wenn er danach den Wunsch hat, ins Leben eines Hausvaters einzutreten, dann sollte er es tun. Oder er ergreift gemäß seiner Neigung die dritte Lebensweise eines Vanaprastha (Waldeinsiedlers) und danach die vierte (eines Bettelmönches). Der Zweifachgeborene kann aber auch weiterhin im Haus seines Lehrers leben und völlige Hingabe üben. Frei von jeglichem Hochmut sollte er dort als ein Brahmacharin verweilen, in Abwesenheit des Lehrers dessen Sohn dienen und in Abwesenheit des Sohnes seinen Schülern.

Wenn er danach das Haus seines Lehrers verlässt und den Wunsch nach dem Leben eines Hausvaters verspürt, dann sollte er, um einen Hausstand zu gründen, ein passendes Mädchen aus einer anderen Familie heiraten, die frei von Krankheit ist und keine körperlichen Schäden hat. Dann möge er durch eigene Anstrengung Reichtum erwerben, um damit die Götter, die Ahnen und die Gäste zu befriedigen und den Bedürftigen zu helfen. Und soviel, wie in seiner Macht steht, sollte er mit Nahrung seine Diener, Kinder, Kranke, Blinde, Verarmte, Tiere und Vögel unterstützen. Das ist die Aufgabe eines Hausvaters, genauso wichtig, wie das Zusammensein mit seiner Frau während ihrer fruchtbaren Zeit. Und er sollte so gut er es vermag die fünf Opfer feiern. Respektiert von allen sollte er sich, entsprechend seinen Möglichkeiten, zusammen mit seinen Dienern von den Resten ernähren, nachdem die verstorbenen Ahnen, die Gäste und die Angehörigen gegessen haben. So habe ich dir nun die vollständigen Aufgaben eines Hausvaters beschrieben.

Höre, ich werde dir jetzt die Aufgaben von einem beschreiben, der die Vanaprastha Lebensweise (eines Waldeinsiedlers) angenommen hat. Wenn er seine Kinder und Enkel sieht sowie den fortschreitenden Zerfall seines Körpers, sollte sich ein weiser Mann in die Wälder zurückziehen, um seine Seele zu reinigen. Von wilden Früchten lebend, sollte er sich dort durch Askese erheben. Er sollte auf der Erde schlafen, das Brahmacharya Gelübde (der Enthaltsamkeit) einhalten, Handlungen zum Wohle der Ahnen, Götter und Gäste durchführen, das Homa Opfer zelebrieren, dreimal am Tag baden, Bastkleidung und verfilzte Locken tragen, Yoga üben und sich von wildwachsender Nahrung des Waldes ernähren. So sollte er die Vanaprastha Lebensweise führen, um seine Sünden abzuwaschen und seine Seele zu erheben.

Das Leben eines einsamen und besitzlosen Mönches, der von Almosen lebt, ist das letzte Stadium eines Menschen. Oh mein Kind, höre über diese vierte Lebensweise und deren Aufgaben, wie sie von weisen Menschen beschrieben wurden. Wer diesen Weg geht, sollte die Einsamkeit suchen, Brahmacharya üben, den Zorn überwinden, seine Sinne auflösen, jeder Anhänglichkeit entsagen, alle eigensüchtigen Handlungen loslassen und nur einmal am Tag essen, zufrieden mit dem, was ihm gegeben wird. So kann sich das Wissen vom Selbst und die Einsicht in die Seele offenbaren. Damit habe ich dir die Aufgaben der vierten Lebensweise (eines Sannyasin) beschrieben.

Höre nun von mir eine allgemeine Beschreibung über die Aufgaben aller Kasten und Lebensweisen. Wahrheit, Reinheit, Freiheit von Böswilligkeit und Hass, Vergebung, Güte, Großzügigkeit und Zufriedenheit als die achte Qualität, diese nenne ich dir kurz gefasst als die Aufgaben der verschiedenen Kasten und Lebensweisen. Jeder sollte die Aufgaben seiner eigenen Kaste entsprechend seiner Bedingungen erfüllen. Ein König sollte jenem Strafe zumessen, der vom Weg abkommt und die Aufgaben seiner Kaste und Lebensweise überschreitet. Wenn der König einen Menschen nicht bestraft, der seine eigenen Aufgaben ignoriert, dann werden seine Ishta und Purta Handlungen zunichte gemacht. Deshalb sollte der König alle Aufträge mit Rücksicht auf die jeweiligen Aufgaben sorgfältig erteilen und jene bestrafen, die vom Weg abkommen.“


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