Pushpak Mahabharata Buch 7Zurück WeiterNews

Kapitel 94 – Eine undurchdringliche Rüstung für Duryodhana

Sanjaya fuhr fort:
Nach dem Tod der tapferen Helden auf deiner Seite, war Arjuna durch die Reihen von sowohl Drona und als auch der Bhojas marschiert, und Duryodhana, dein Sohn, begab sich eilends zu Drona und sprach:
Dieser Tiger unter den Männern hat unser weitreichendes Heer zermalmt und beinahe durchquert. Bedenke nun mit deiner Erfahrung und im Angesicht dieser Katastrophe, was zu tun ist, um Arjuna zu töten. Sei gesegnet, und wende alle Mittel an, damit Arjuna Jayadratha nicht zu nahe kommt. Du bist unsere einzige Zuflucht. Doch sieh, wie Arjuna von Zorn angetrieben unsere Truppen verschlingt wie ein rasender Waldbrand. Oh Geißel deiner Feinde, die Beschützer von Jayadratha zweifeln schon, wenn sie sehen, wie weit Arjuna bereits vorgedrungen ist. Oh du Bester von denen, die das Brahma kennen, es war abgemachte Sache unter den Königen, daß Arjuna niemals an dir vorbei und mit dem Leben davonkommt. Oh du Strahlender, doch da Arjuna vor deinen Augen deine Abteilung durchqueren konnte, dann erachte ich meine Armee als sehr schwach. Ich habe wohl keine Kämpfer, oh Gesegneter. Und ich weiß, daß du dem Wohle Arjunas geneigt bist. Und nun verliere ich den Verstand, wenn ich darüber nachdenke, was getan werden müßte. Mein Verhalten dir gegenüber ist freundlich und gut bis zum Äußersten meiner Kräfte. Ich versuche mit allen Mitteln, dich zufriedenzustellen. Doch du denkst gar nicht daran. Obwohl wir dir immer hingegeben waren, oh du mit dem unermeßlichen Heldenmut, suchst du nie unser Wohl. Immer bist du den Pandavas zugeneigt und handelst zu unserem Nachteil. Durch uns ernährst du dein Leben und schadest uns nur. Mir war nie bewußt, daß du ein scharfes Messer bist, welches in Honig getaucht wurde. Wenn du mir nicht versprochen hättest, die Pandavas aufzuhalten und zu demütigen, hätte ich Jayadratha, den Herrscher der Sindhus, nie davon abgehalten, nach Hause zurückzukehren. Ich Narr habe auf deine Hilfe vertraut und Jayadratha Schutz zugesichert. Durch diese, meine Torheit habe ich ihn zum Opfer des Todes gemacht. Es kann geschehen, daß ein Mann den Klauen des Todes entkommt. Doch es gibt keine Rettung für Jayadratha, wenn er in Reichweite von Arjunas Waffen gelangt. Oh du mit den roten Rossen, handle, damit der Herrscher der Sindhus gerettet wird. Und gib nicht dem Zorn nach, wenn du meine Worte hörst, denn ich bin außer mir vor Sorge und Kummer. Oh, beschütze Jayadratha!

Drona gab zur Antwort:
Ich finde keinen Makel in deinen Worten. Du bist mir ebenso lieb wie mein Sohn Aswatthaman, das sage ich dir aufrecht. So handle nach meinen Worten, oh König. Von allen Wagenlenkern ist Krishna der Beste. Selbst seine Pferde sind von ganz besonderer Art. Schon wenn sich nur ein kleiner Spalt auftut, kann Arjuna hindurchschlüpfen. Siehst du nicht, daß Arjunas zahllose, abgeschossene Pfeile volle zwei Meilen hinter ihm ihr Ziel treffen, denn er ist schon längst weitergefahren? Mit meiner Last der Jahre komme ich nicht mehr so schnell voran. Und sogar die ganze Armee der Pandavas steht schon kurz vor unserer Vorhut. Außerdem sollte ich Yudhishthira gefangennehmen, denn das habe ich vor allen Kshatriyas geschworen. Und jetzt steht er an der Spitze seiner Truppen, und Arjuna ist weit weg. Deshalb werde ich nicht unsere Spitze verlassen, um mit Arjuna zu kämpfen. Es ist an der Zeit, daß du mit trefflicher Unterstützung mit deinem Feind kämpfst, der ganz auf sich allein gestellt ist und dir an Geburt und Errungenschaften gleicht. Fürchte dich nicht. Geh und kämpfe mit ihm. Du bist der Herrscher über die Welt, König und ein Held. Du hast Ruhm und bist in der Lage, deine Feinde zu besiegen. Oh tapferer Vernichter feindlicher Städte, begib dich dahin, wo Arjuna, der Sohn der Pritha, ist und kämpfe.

Duryodhana sprach:
Oh Lehrer, wie ist es möglich, daß ich Arjuna widerstehen könnte, wo er doch sogar dich überwand, den Besten aller Krieger? Sicher könnte man den donnerbewehrten Herrscher der Himmlischen in der Schlacht besiegen, doch nicht Arjuna, diesen Vernichter aller feindlichen Städte. Er hat Kritavarman und sogar dich kraft seiner mächtigen Waffen verdrängt. Er hat Srutayus, Achyutayush, Sudakshina und Srutayudha getötet und ebenso Myriaden von Mlechas. Wie kann ich in einen Kampf mit dem Sohn des Pandu vertrauen, der als Meister aller Waffen wie das alles verschlingende Feuer wütet? Und wie kann es sein, daß du mir heute diesen Kampf zutraust? Oh, ich bin wie ein Sklave vollkommen von dir abhängig. Beschütze meinen Ruhm.

Drona antwortete:
Wahr sind deine Worte, daß Arjuna unaufhaltbar ist. Doch ich werde etwas unternehmen, daß du ihm standhalten kannst. Mögen alle Bogenkrieger der Welt heute die wunderbare Heldentat bezeugen, wie du vor den Augen Krishnas den Sohn der Kunti stoppen wirst. Deine goldene Rüstung werde ich so an deinem Körper befestigen, daß keine Waffe eines Mannes in der Lage sein wird, dich zu verwunden, oh König. Und wenn alle drei Welten mit ihren Asuras, Göttern, Yakshas, Uragas, Rakshasas und Menschen heute gegen dich kämpfen würden, brauchst du doch keine Angst zu haben. Weder Krishna, Arjuna noch irgendein anderer Bogenschütze wird deine Rüstung mit seinen Pfeilen durchdringen können. So vertrau auf deinen Harnisch und eile schnell zum zornigen Arjuna. Er wird deinen Angriff heute nicht ertragen können.

Sanjaya fuhr fort:
Nach diesen Worten berührte der Brahma Kenner Drona Wasser, sprach die rechten Mantras und wand schnell die wunderbare und strahlende Rüstung um Duryodhanas Körper, damit er in dieser gräßlichen Schlacht siegen möge. Alle Zuschauer waren darob höchst verwundert.

Dronas Gebet

Und Drona sprach erneut:
Mögen die Veden, Brahman und die Brahmanen dich segnen. Mögen alle höheren Reptilien (Nagas usw.) dir Quelle von Segen sein. Mögen Yayati, Nahusha, Dhundhumara, Bhagiratha und die anderen königlichen Weisen dir wohlgesonnen sein. Mögen dich die Wesen mit nur einem Bein und auch die mit vielen Gliedmaßen segnen. Und mögen in dieser großen Schlacht auch die Segen von beinlosen Wesen über dich kommen. Mögen Swaha, Swadha und Sachi dir nützen. Oh Sündenloser, mögen dir Lakshmi und Arundhati Hilfe sein. Mögen Asita, Devala, Vishvamitra, Angiras, Vasishta und Kasyapa dir beistehen. Mögen Dhatri und die Herrscher der Welten, die Himmelsrichtungen und ihre Regenten und Kartikeya mit den sechs Gesichtern dir Gutes tun. Möge der himmlische Vivasvat dir nützen, und auch die vier Elefanten der vier Richtungen, die Erde, das Firmament, die Planeten und Sesha, der ungesehen die Erde trägt, diese Beste der Schlangen. Oh Sohn der Gandhari, einst zeigte der Asura namens Vritra seinen Heldenmut und besiegte die Besten der Götter. Er zerfleischte ihre Glieder zu tausenden, bis sie mit Indra an der Spitze schwach, furchtsam und kraftlos bei Brahma Schutz suchten.

Die Götter flehten zu ihm:
Oh bester Gott, du Trefflichster der Himmlischen, sei uns von Vritra Zermalmten Hilfe und Zuflucht. Oh rette uns vor großer Gefahr.

Und Brahma sprach zu Vishnu, der neben ihm stand, und allen anderen Göttern:
Wahrlich, die Götter und Brahmanen sind sich meines Schutzes immer sicher. Vritra wurde aus der Energie von Tashtri geschaffen und ist daher unbesiegbar. Vor langer Zeit übte Tashtri für eine Million Jahre schwerste Askese, und mit Erlaubnis von Maheshvara (Shiva) schuf er Vritra. Es ist die Gunst von Shiva, des Gottes der Götter, daß euer Feind euch erfolgreich schlug. So geht zum Ort, an dem ihr den göttlichen Sankara schauen könnt. Wenn ihr den Gott Hara geschaut habt, könnt ihr Vritra besiegen. Also begebt euch sogleich zum Berge Mandara, denn dort ist diese Quelle von asketischer Buße, der Vernichter von Dakshas Opfer, der Träger von Pinaka, der Herr aller Kreaturen und der Vernichter des Asura Bhaganetra.

So eilten die Götter mit Brahma zum Mandara und schauten diesen Berg an Energie, die Höchste Gottheit mit dem Glanz von tausend Sonnen. Maheshvara hieß sie alle willkommen und erkundigte sich, was er für sie tun könne. („Der Anblick meines Wesens ist niemals fruchtlos. Mögen sich eure Wünsche hiermit erfüllen.“)

Und die Bewohner des Himmels baten:
Vritra raubte uns die Energie. Sei du unsere Zuflucht. Sieh nur, oh Herr, wie unsere Körper durch seine Hiebe verletzt wurden. Wir flehen um deine Hilfe, sei unsere Zuflucht, oh Maheshvara.

Der Gott der Götter, auch Sarva genannt, erwiderte:
Es ist euch wohlbekannt, ihr Götter, woher diese Tat stammt, die so stark, furchtbar und unerträglich für Personen ohne asketischen Verdienst ist und aus Tashtris Energie quoll. Was mich betrifft, ist es sicherlich meine Pflicht, den Bewohnern des Himmels behilflich zu sein. Oh Indra, nimm diese strahlende Rüstung von meinem Körper. Lege sie an und sprich im Geiste diese Mantras.

Und Drona fuhr fort:
So übergab der segenspendende Shiva die Rüstung nebst den Mantras. Von ihr beschützt zog Indra gegen das Heer von Vritra, und obwohl alle Arten von Waffen auf ihn geschleudert wurden, konnte die Rüstung nicht zerschnitten werden. Also schlug der Herr der Himmlischen den Vritra und übergab danach die Rüstung, deren Gelenke aus Mantras bestehen, dem Angiras. Angiras übertrug die Mantras seinem Sohn Vrihaspati, der damit um alle Mantras wußte. Von Vrihaspati gingen sie auf den klugen Agnivesha über, und dieser übertrug sie mir. Und mit diesen Mantras habe ich nun deinen Körper geschützt, oh König, und dir die Rüstung angelegt.

Und Drona sprach weiter zu deinem strahlenden Sohn:
Oh König, erkenne die Rüstung an deinem Körper, welche mit Brahma Schnüren zusammengehalten wird. Vor sehr langer Zeit hat sie Brahma dem Vishnu angelegt. Und wie Brahma die himmlische Hülle eigenhändig auch dem Indra in der Schlacht anlegte, welche dem Raub der Taraka folgte, so habe ich sie dir heute angelegt.

Nach diesen Worten sandte der zweifachgeborene Drona den König in den Kampf gegen Arjuna. Mit tausend kampferprobten Wagenkriegern aus dem Lande Trigarta, tausend erregten Elefanten von unbändiger Kraft, hunderttausend Pferden und vielem Fußvolk zog dein strahlender Sohn voller Heldenmut los. Vom Klang der Musikinstrumente begleitet marschierte der starkarmige König gegen seinen Feind, wie einst Vali, der Sohn Virochanas. Und es erhob sich ein lauter Aufschrei unter deinen Truppen, als sie ihren König ziehen sahen.


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