Pushpak Vishnu PuranaZurück WeiterNews

5.10. Krishna verhindert das Indra-Opfer zum Herbstanfang

Parasara fuhr fort:
Während sich Krishna und Balarama so im Dorf der Kuhhirten vergnügten, endete die Regenzeit, und der Herbst folgte, in dem die Lotusblumen voll erblühten. Die kleinen Fische in ihren Wassertümpeln wurden durch die Hitze erdrückt, wie ein Mensch, der durch seine egoistischen Begierden am Eigentum anhaftet. Die Pfauen wurden nicht mehr von Leidenschaft getrieben und lebten still in den Wäldern, wie die heiligen Weisen, welche die Illusion der Welt durchschaut haben. Die leuchtend weißen Wolken, deren Wasserreichtum erschöpft war, verließen die Atmosphäre, wie jene, die Weisheit gefunden haben, ihre Häuser verlassen. Durch die Strahlen der Herbstsonne wurden die Seen erhitzt und ausgetrocknet, wie die Herzen der Menschen durch ihre Selbstsucht welken. Das klare Wasser wurde in dieser Jahreszeit durch weiße Wasserlilien würdig verschönert, wie der Geist der Reinen durch die Verbindung mit der Wahrheit. Am Sternenhimmel erstrahlte der runde Vollmond, wie ein Heiliger in Gesellschaft von Frommen, der die letzte Stufe der körperlichen Existenz erreicht hat. Die Flüsse und Seen zogen sich langsam von ihren Ufern zurück, wie die Weisen Schritt für Schritt von persönlicher Anhaftung zurückweichen, die sie mit Ehefrau und Kindern verbindet. Die Schwäne begannen, die Gewässer wieder aufzusuchen, die sie zuvor verlassen hatten, wie unaufrichtige Asketen, die ihre Hingabe unterbrechen, wieder von unzähligen Beschwerden angegriffen werden. Der Ozean war still und ruhig, frei von sich aufbäumenden Wellen, wie der vollkommene Weise, der den Weg der Selbstbeherrschung vollendet und die ungestörte Stille des Geistes erreicht hat. Überall war das Wasser ebenso klar und rein wie der Geist des Weisen, der in allen Geschöpfen Vishnu erkennt. Der herbstliche Himmel war von Wolken so frei wie ein Asketenherz, dessen Sorgen im Feuer der Hingabe verbrannt wurden. Der kühlende Mond beruhigte die Glut der Sonne, wie Selbsterkenntnis das Leiden lindert, das aus Egoismus geboren wird. Die Wolken der Atmosphäre, der Schlamm der Erde und die Trübung des Wassers wurden vom Herbst vertrieben, wie weltliche Ablenkung die Konzentration des Geistes auf ein Objekt vertreibt. Die Gewässer wurden gefüllt, ruhten und leerten sich wieder, wie der Atem einströmt, verweilt und wieder ausströmt.

In dieser Jahreszeit, als der Himmel voller Sterne funkelte, ging Krishna eines Tages durch das Dorf und fand alle Kuhhirten eifrig mit der Vorbereitung eines Opfers für Indra beschäftigt. Da ging er zu den Älteren fragte wie aus Wißbegierde, welches Fest von Indra es sei, an dem sie so viel Freude hatten. Und Nanda beantworte seine Frage und sprach:
Indra ist der Beherrscher der Wolken und des Regens. Er sorgt dafür, daß sich die Wolken auf die Erde ergießen, wodurch die Pflanzen wachsen, von denen wir und alle verkörperten Wesen existieren und mit denen wir die Götter erfreuen. Durch sie können diese Kühe Kälber gebären und Milch geben, sind glücklich und wohlgenährt. Wo auch immer die Wolken genügend Regen ergießen, dort läßt die Erde Getreide gedeihen, die Vegetation wachsen, und Menschen und Tiere müssen keinen Hunger leiden. Nachdem Indra, der Geber von Wasser, mit Hilfe der Sonnenstrahlen die Milch der Erde getrunken hat, läßt er sie zur Ernährung der ganzen Welt wieder auf die Erde regnen. Aus diesem Grund opfern alle herrschenden Könige mit Freude dem Indra am Ende der Regenzeit, und so handeln auch wir und viele andere Leute.

Als Krishna diese Rede von Nanda zur Verehrung von Indra gehört hatte, beschloß er, die Leidenschaft des Königs der Himmlischen herauszufordern und antwortete:
Oh Vater, wir sind weder Bauern, die den Boden bestellen, noch Händler von Waren. Wir sind Gäste in den Wäldern, und die Kühe sind unsere Götter. Es gibt vier Arten des Wissens: logisches und mystisches sowie praktisches und politisches. Höre, wie ich das praktische Wissen beschreibe. Landwirtschaft, Handel und Viehzucht - das Wissen dieser drei Berufe bildet das praktische Wissen. Landwirtschaft ist die Existenz der Bauern, das Kaufen und Verkaufen der Händler, und die Kühe sind unsere Existenz. Damit ist auch das Wissen über Mittel zum Lebenserwerb dreifach. Und was uns den jeweiligen Lebenserwerb gewährt, das sollte uns als Hauptgott dienen. Dieser Gott sollte verehrt und angebetet werden, weil er unser Wohltäter ist. Wer den Gott eines anderen anbetet und von ihm Schutz und Förderung erwartet, wird weder in dieser noch der kommenden Welt Wohlstand gewinnen. Das kultivierte Land hat seine Grenzen, und jenseits davon beginnen die Wälder, die wiederum durch die Berge begrenzt sind. Und soweit erstrecken sich auch unsere Grenzen. Wir werden nicht von Mauern und Toren eingeschlossen noch besitzen wir Felder oder Häuser. Wir wandern glücklich umher, wohin das Schicksal uns führt, und reisen in unseren Wagen. Man sagt, die Geister der Berge wandeln in beliebigen Formen durch die Wälder oder ihre Täler. Wenn sie nicht zufrieden mit den Bewohnern der Wälder sind, dann erscheinen sie als Löwen und Raubtiere und versuchen, die Eindringlinge zu töten. Dann sind wir berufen, die Berge anzubeten und den Kühen Opfer darzubringen. Was haben wir mit Indra zu schaffen? Kühe und Berge sind unsere Götter. Brahmanen bringen ihre Verehrung durch Gebet dar, die Bauern verehren ihre Grenzsteine, und wir als Hirten in den Wäldern und Bergen sollten die Berge und unsere Kühe verehren. So richtet eure Gebete und Gaben an den Berg Govardhana und bringt ein Opfertier nach den Regeln dar. Sammelt von allen Herden die Milch und bewirtet damit die Brahmanen und alle, die daran teilzunehmen wünschen. Nachdem die Opfergaben dargebracht und die Brahmanen versorgt wurden, sollen die Hirten die mit Girlanden aus Herbstblumen geschmückten Kühe umrunden. Wenn die Kuhhirten auf diese Weise handeln, werden sie die Gunst der Berge, der Kühe und auch die meine erhalten.

Als Nanda und die anderen Hirten diese Worte von Krishna hörten, breitete sich auf ihren Gesichtern ein Entzücken aus, und sie lobten ihn und sprachen:
Du hast recht geurteilt, oh Kind! Wir werden genau das tun, was du uns vorgeschlagen hast und dem Berg unsere Verehrung darbringen.

Entsprechend verehrten die Bewohner des Wagendorfes den Berg und brachten ihm Quark, Milch und Fleisch dar. Sie bewirteten hunderte Brahmanen und viele andere Gästen, die zur Zeremonie kamen, wie es Krishna geboten hatte. Und am Ende ihrer Opfer umrundeten sie die Kühe und die Stiere, die so laut wie Gewitterwolken brüllten. Auf dem Gipfel von Govardhana zeigte sich Krishna selbst und sprach „Ich bin der Berg!", und empfing die Opferspeisen der Hirten. Und in seiner verkörperten Form bestieg er als Krishna zusammen mit den Kuhhirten den Hügel und verehrte sein wahres Selbst. Erst nach vielen verkündeten Segen verschwand diese Bergperson von Krishna, die Zeremonie war vollendet, und die Kuhhirten kehrten in ihr Dorf zurück.


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