Pushpak Shiva-Purana Buch 6Zurück WeiterNews

Kapitel 17 - Ganesha wird wiederbelebt

Narada sprach:
Oh kluger Brahma, erzähl bitte weiter. Ich will es immer und immer wieder hören. Was tat die große Göttin Parvati, nachdem sie alles erfahren hatte?

Brahma antwortete:
Nun, bester Weiser, höre. Ich werde dir erzählen, was hernach geschah. Die Götter und Geister trommelten und jubelten, als Ganesha tot war. Doch während Shiva Kummer fühlte, stieg in Parvati der Zorn auf.

Sie rief:
Weh, was soll ich tun? Wohin mich wenden? Großes Elend sucht mich nun heim. Doch wie kann dieses Elend nur zerstreut werden? Mein Sohn wurde von den Göttern und Geistern getötet. Ich werde sie alle vernichten oder mich selbst auflösen.

Verzweifelt klagte sie und schuf aus ihrem Zorn hunderte und tausende Shaktis, die voll schrecklicher Kraft waren. Die strahlenden Göttinnen verbeugten sich vor Parvati, dieser Mutter des Universums, die im Zorn loderte, und sprachen:
Oh Mutter, befiehl uns.

Und die Gefährtin Shivas, die große Illusion, die Natur, gebot ihnen rasend:
Ihr Göttinnen, oh Shaktis, verwüstet alles ringsum. Zögert nicht, dies ist mein Wunsch. Verschlingt diese Götter und Geister mit den himmlischen Weisen und wendet alle Gewalt an, die ihr habt.

So brannten auch die Göttinnen im Zorn und vernichteten die Himmlischen, wie ein Steppenbrand trockenes Gras verschlingt. Wohin man auch schaute – überall erschienen die Göttinnen: die gräßlichen Karalis, die buckligen Kubjakas, die lahmen Khanjas, die großköpfigen Lambashirshas und unzählige andere Shaktis packten die Götter und Ganas und stopften sie sich in den Schlund. Vishnu, Indra, ich und die anderen führenden Götter und Weisen glaubten schon, daß Parvati die Auflösung des Universums beschlossen hatte. Und jede Hoffnung auf Leben und jedes Streben nach Glück kam zum Erlöschen.

Wir sammelten uns und sprachen ratlos zueinander:
Was können wir tun? Denkt nach. Unsere Mühen sind umsonst. Nur, wenn Parvati wieder Frieden findet, kann diese Katastrophe aufhören. Selbst Shiva scheint niedergeschlagen zu sein wie ein gewöhnlicher Mann. Doch wenn die Götter zerbrochen sind und Parvati immer noch zornig ist, dann kann niemand vor ihr bestehen. Niemand kann sie dann besänftigen, nicht einmal Shiva selbst.

So zogen wir uns zurück und sahen von Ferne und voller Furcht auf die lodernde und strahlende Göttin. Da kamst du, oh Narada, des Wegs, du edle Seele mit der himmlischen Sicht, um den Göttern zu helfen. Du verbeugtest dich vor Vishnu, Shiva und mir, Brahma, und sprachst:
Laßt uns nachdenken und gemeinsam handeln, wie dieses Unheil beendet werden kann.

Und so überlegten wir:
Solange die Göttin uns nicht gnädig gestimmt ist, gibt es kein Glück. Daran gibt es keinen Zweifel.

Und so näherten wir uns mit dir der großen Göttin, mit gebeugten Häuptern und gefalteten Händen, um sie demütig um Gnade zu bitten. Wieder und wieder priesen wir die Göttin:
Oh Mutter des Universums, Verehrung sei dir. Verehrung der Gemahlin von Shiva, seiner Shakti, Verehrung dir. Oh Mutter, du allein bist die Ur-Shakti, die erste Ursache aller Schöpfung, die alleinige Macht der Erhaltung und die Ursache der Auflösung. Oh Göttin, sei uns gnädig und verbreite Frieden. Verehrung sei dir. Ach Göttin, die drei Welten beben in deinem Zorn.

Doch die Göttin hatte nur zornige Blicke für uns und keine Antwort. Da verbeugten sich die himmlischen Weisen vor ihr und baten mit aneinandergelegten Händen demütig:
Vergib, oh Göttin, vergib. Sonst steht uns die große Auflösung bevor. Dein Herr und Gemahl steht hier. Oh Mutter, du kannst ihn sehen. Wir Götter, Weise und Geister sind nur deine Diener. Und wir bitten dich mit ehrfürchtig gefalteten Händen. Oh große Göttin, es ist an dir, uns unsere Schuld zu vergeben. Wir leiden und sind am Ende. Oh Parvati, gib uns Frieden.

Nun war Parvati besänftigt, das Mitgefühl regte sich in ihr, und sie antwortete:
Wenn mein Sohn wieder zum Leben erwacht, dann hört die Vernichtung auf. Erhebt ihn in einen ehrenwerten Status unter euch Anführern, und die Welt bekommt ihren Frieden zurück. Auf andere Weise werdet ihr nicht wieder glücklich.

So berieten wir Götter die Lage und baten Shiva in allen Ehren um Hilfe. Shiva sprach zu uns:
Ja, es soll geschehen, damit wieder Frieden ist in den Welten. Geht in nördliche Richtung, und welches Wesen euch als erstes begegnet, dem trennt ihr den Kopf ab und setzt ihm dem Körper des Jungen auf.

So führten die Götter seine Anweisung aus. Erst wurde der kopflose Rumpf Ganeshas hergebracht und gewaschen. Dann ehrten sie ihn und gingen nach Norden. Dort trafen sie auf einen Elefanten mit nur einem Stoßzahn. Diesen Kopf fügten sie an den Leib des Jungen, dann verbeugten sich die Götter vor Shiva, Vishnu und mir und sprachen:
Wir haben getan, wie du befohlen hast. Nun bringe die Aufgabe zu Ende.

Die Geister strahlten bei diesen Worten und warteten eifrig, was nun geschehen würde. Auch Vishnu und ich verbeugten uns vor Shiva und sprachen:
Wir sind alle aus deiner Energie geboren. Laß diese strahlende Energie nun mittels vedischer Mantras in den Körper des Jungen eintreten.

Nach diesen Worten besprühten wir den Jungen mit dem Elefantenkopf mit heiligem Wasser, dachten an Shiva und sprachen die Mantras dazu. Sofort, als die ersten Tropfen ihn berührten, kehrten sowohl Leben als auch Bewußtsein zurück. Wie es Shiva wünschte, so erwachte er wie aus einem Traum. Und der Junge strahlte, war schön und so anmutig. Sein Elefantenantlitz war dunkelrot und fein gezeichnet, und er freute sich. Auch Parvati war außer sich vor Freude, als sie ihren Sohn wieder voller Leben sah. Das Unheil verschwand, und Freude zog wieder ein.


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