Pushpak Shiva-Purana Buch 2Zurück WeiterNews

Kapitel 6 - Streit zwischen Brahma und Vishnu und die Furcht der Götter

Nandikeshvara fuhr fort:
Ja, es war lange her, du bester Yogi, da schlummerte Vishnu auf seinem Schlangenlager, und bei ihm saßen die Göttin des Glücks und sein Gefolge.

Da kam Brahma des Wegs, dieser vorzügliche Vedengelehrte, und fragte den entspannt Liegenden:
Wer bist du, daß du hier liegenbleibst wie ein eingebildeter Schnösel, nachdem du mich erkannt hast? Erhebe dich, mein Lieber, und sieh, es ist dein Herr, der vor dir steht. Für den bockigen Kerl, der sich älteren und ehrenhaften Personen gegenüber arrogant verhält, sind besänftigende Riten nötig.

Die Worte verärgerten Vishnu sehr, doch äußerlich ruhig entgegnete er:
Heil dir, mein Lieber. Sei willkommen. Bitte, nimm auf diesem Lager Platz. Warum ist dein Gesicht vor Aufregung verzerrt und dein Blick wirr?

Brahma sprach:
Lieber Vishnu, im Laufe der Zeit bist du stolz geworden. Ich sollte besonders geehrt werden. Mein Lieber, ich bin der Beschützer der Welt, ihr Großer Vater, und also auch dein Beschützer.

Vishnu gab zurück:
Oh Bester, das ganze Universum ruht in mir, und deine Denkweise ist die eines Diebes. Du wurdest aus dem Lotus geboren, der meinem Nabel entsprang. Du bist mein Sohn, und deine Worte sind unerheblich.

Nandikeshvara erzählte weiter:
So stritten sie miteinander, beteuerten, daß jeder der Bessere und Herr der Welten sei, und wie zwei dumme Gänse ereiferten sie sich immer mehr, waren schließlich bereit zu kämpfen und sich gegenseitig zu töten. Die beiden heldenhaften Götter bestiegen ihre Reittiere, Schwan und Garuda, und begannen zu kämpfen. Und auch ihre jeweiligen Gefolgsleute kämpften gegeneinander.

In der Zwischenzeit hatten sich viele Götter in ihren himmlischen Wagen versammelt, um den Kampf anzusehen und Blumen zu streuen. Vishnu entließ voller Zorn unerträgliche Pfeile und viele andere Arten von Waffen auf Brahmas Brust. Und ebenso zürnend schickte Brahma viele Arten von gräßlichen Waffen zu Vishnu zurück. Die Götter waren darüber sehr aufgeregt. Vishnu amtete schwer in seiner Kampfeswut und zückte die Maheshvara Waffe gegen Brahma. Das machte Brahma noch wütender, er zog die schreckliche Pashupata Waffe und zielte damit auf Vishnu. Hoch im Himmel blendete die Waffe wie zehntausend Sonnen, und mit ihren fürchterlichen Spitzen brüllte sie laut wie ein Orkan. Gräßliche Vernichtung versprachen die beiden Waffen von Brahma und Vishnu, als sie sich so gegenüberstanden.

In hilfloser Qual und Sorge sprachen die aufgewühlten Götter zueinander wie Menschen, deren Könige sich bekriegen:
Die Gottheit mit dem Dreizack, dieses Höchste Brahman, ist die Ursache jeglicher Schöpfung, Erhaltung, Vernichtung, Geborgenheit und allen Segens. Ohne seine Hilfe kann niemand einen Grashalm spalten.

Mit diesen Gedanken suchten die verängstigten Götter Shivas Heimstatt auf und eilten zum Gipfel des Kailash, wo die Gottheit mit der Mondsichel ruht. Als sie die Gegend in Form der Silbe OM erreicht hatten, beugten sie ehrfürchtig ihre Häupter und traten in den Palast ein. Dort erblickten sie den höchsten Führer aller Götter in seinem Glanze auf einem Juwelenthron, und neben ihm saß seine Gattin Uma auf einem Altar inmitten der Ratshalle. Der Gott hatte das rechte Bein über das linke Knie gelegt, seine Lotushände lagen auf den Oberschenkeln, und all seine Gefolgsleute umgaben ihn. Alle seine guten Merkmale sahen die Götter, und auch wie achtsame Damen ihm kunstvoll Luft zufächelten. Die Veden rühmten ihn, und der Herr segnete jeden. Mit Tränen der Freude knieten die Götter schon von weitem vor ihm nieder. Der Herr winkte sie zu sich, und als dieses Juwel unter den Göttern mit lieben und glücksverheißenden Worten zu ihnen sprach, erglühte das Entzücken in den Göttern um so mehr.


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