Pushpak Markandeya PuranaZurück WeiterNews

Kapitel 120 - König Khaninetra und das Opfern

Markandeya fuhr fort: Sein Sohn war Khaninetra, der mit großer Kraft und Heldenmut begabt war. In seinen Opfern sangen sogar die Gandharvas voller Bewunderung. Es gab niemanden, der Khaninetra auf Erden bei der Durchführung von Opfern ebenbürtig war. Er feierte zehntausend Opfer und gab sogar die Erde mit allen Ozeanen hin. Und nachdem er diese ganze Erde den hochbeseelten Brahmanen zum Geschenk gemacht und asketische Verdienste angesammelt hatte, hielt er nichts zurück. Die Brahmanen wurden von diesem höchst wohltätigen König so beschenkt, dass sie keine weiteren Geschenke von anderen Königen annehmen mussten. Er gab reiche Geschenke für 67 Tausend, 67 Hundert und 67 Opfer.

Oh großer Muni, er hatte jedoch keinen Sohn. Um deshalb Fleisch für ein Opfer zu Ehren der Ahnen zu sammeln, und für einen Sohn zu bitten, ging er auf die Jagd. Ohne irgendwelche Begleiter ritt er auf einem Pferd mit Pfeil und Bogen, ledernem Fingerschutz und Schwertern bewaffnet in einen riesigen Wald. Doch als er gerade sein Ross woanders hinlenken wollte, trat aus dem dichten Wald ein Hirsch heraus und sprach zu ihm: „Töte mich, um dein Ziel zu erreichen.“

Da fragte der König verwundert: „Andere Hirsche flüchten mit großer Angst, sobald sie mich sehen. Warum suchst du, dich selbst opfernd, den Tod?“

Der Hirsch antwortete: „Oh großer König, ich habe keine Nachkommen, und deshalb ist meine Geburt nutzlos. So sehe ich keine Notwendigkeit, noch weiter zu leben.“ Daraufhin kam ein anderer Hirsch heran und sprach in Gegenwart der beiden: „Oh König, es bringt keinen großen Nutzen, wenn du ihn tötest. Töte mich, und vollbringe dein Werk mit meinem Fleisch. Nur dann werde auch ich mein Ziel erreichen und besonders nützlich sein. Oh großer König, du möchtest, um einen Sohn zu gewinnen, ein Opfer zu Ehren deiner Ahnen feiern. Wie willst du dein Ziel mit dem Fleisch dieses Hirsches vollbringen, der keine Nachkommen hat? Du solltest das ansammeln, was deinem Werk dienlich ist. Süßer Geruch kann nicht von sauren Dingen kommen.“

Der König sprach: „Der andere Hirsch erklärte mir gerade, dass er ohne Nachkommenschaft keinen Sinn mehr in dieser Welt sieht. Aus welchem Grund empfindest du Abscheu und möchtest auf dein Leben verzichten?“

Der Hirsch antwortete: „Ich habe viele Söhne und viele Töchter. Deshalb lebe ich ständig im brennenden Feuer der Sorgen, das aus meiner Angst um sie lodert. Oh König, die Hirsche sind oft sehr schwach und werden vielfältig bedrängt. Ich hänge sehr an meinen Kindern, und entsprechend viele Sorgen mache ich mir. Ich lebe in ständiger Angst vor Menschen, Löwen, Tigern, Wölfen und anderen Feinden, sogar vor Hunden und Schakalen, diesen gemeinsten aller Wesen. Deshalb bete ich beständig für meine Kinder, dass sie auf der Erde diese Angst vor Menschen, Löwen und ähnlichen Gefahren nicht mehr ertragen müssen. Um das hervorzubringen, wünschte ich, dass die Kühe, Pferde und andere Tiere, die sich friedlich von Gras ernähren, aussterben mögen.

Wenn meine Jungen in verschiedene Richtungen davonlaufen, bestürmen meinen verhafteten Geist hunderte Gedanken. Ich sehe meine Kinder, wie sie im Wald wandern und entweder in einem Netz gefangen, durch einen Blitz getroffen, oder von Menschen oder Löwen gequält werden. Und wenn eines von ihnen nach Hause kommt, dann denke ich: 'Eines ist zurück, aber die anderen wandern noch durch den gefährlichen Wald. Wie wird es ihnen ergehen?' Oh König, erst wenn alle meine Kinder wieder bei mir sind, fühle ich ein wenig Freude und beginne dann, über ihr Wohlergehen für die kommende Nacht nachzudenken. Wenn die Morgendämmerung einsetzt, bete ich um ihr Wohlsein für den kommenden Tag, und am Abend wieder für die Nacht. Ich wünsche immer, dass sie zu allen Stunden des Tages glücklich sein können. So habe ich dir, oh König, die Ursache meiner Angst erklärt. Erweise mir deshalb deine Gunst und entlade diesen Pfeil auf mich.

Ich habe dir, oh König, berichtet, warum ich, mit hundertfachen Leiden gequält, auf mein Leben verzichten möchte. Denn diejenigen, die gewaltsam Hand an sich selbst legen, kommen in die dunkelsten Bereiche, wo keinerlei Sonne mehr scheint. Aber die Opfertiere, oh Herr, gelangen in bessere Bereiche. Früher waren das Feuer und sogar Varuna, der Herr der Meere, wilde Tiere. Und selbst die Sonne gelangte durch den Tod in Gestalt eines Opfertiers in den Bereich von Uchriti. Deshalb, oh Herr, segne auch du mich mit dem Bereich Uchriti. Dann kannst du einen Sohn erhalten und dein hohes Ziel erreichen.“

Darauf sprach der erste Hirsch: „Oh König, töte ihn nicht. Er ist mit vielen Söhnen gesegnet und damit ein glückliches Wesen. Töte mich, weil ich keine Kinder habe.“

Doch der zweite Hirsch erwiderte: „Gesegnet bist du, weil du das Leiden nur für einen Körper kennst. Ich habe viele Körper und deshalb auch vielfache Sorgen. Als ich noch allein war, kannte ich ein einziges Leiden wegen meiner Anhaftung an diesen Körper. Als ich eine Frau nahm, war das Leiden schon zweifach. Und als die Kinder geboren wurden, multiplizierte sich das Leiden mit der Zahl ihrer Körper. Bist du nicht gesegnet, weil du für dieses übermäßige Leiden nicht geboren wurdest? Meine Geburt in dieser Welt vergrößert das Leiden. Und das wird auch in der nächsten Welt neue Hindernisse bringen. Und weil ich mir unendlich viele Sorgen um den Schutz und die Erhaltung meiner Kinder mache, werde ich bestimmt in einer Hölle geboren werden.“

Schließlich sprach der König: „Oh Hirsche, ich kann nicht entscheiden, ob ein Leben mit oder ohne Kinder einen größeren Wert hat. Ich habe selbst dieses Opfer für Nachkommenschaft unternommen, und deshalb ist mein Geist voller Zweifel. Es ist wohl wahr, dass mit den Kindern auch das Leiden in dieser und der kommenden Welt erhalten bleibt. Ich habe aber auch gehört, dass jemand ohne Nachkommenschaft Schulden ansammelt. Deshalb, oh Hirsche, werde ich mich jetzt der strengen Entsagung für einen Sohn hingeben, ohne ein Tier zu töten, wie mancher König in vergangenen Zeiten.“


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