Pushpak Markandeya PuranaZurück WeiterNews

Kapitel 117 - König Khanitra und die Tugend

Markandeya sprach: Er zeugte mit Sunanda zwölf Söhne. Dies waren Prangshu, Pravira, Shoora, Suchakra, Vikrama, Krama, Vala, Vataka, Chanda, Prachanda, Suvikrama und Swarupa. Sie waren alle berühmt und immer siegreich im Kampf. Der älteste von ihnen, der höchst starke Prangshu, wurde zum König. Die anderen Brüder waren ihm wie Diener gehorsam. Seine Opfer, in denen die Brahmanen und die anderen Kasten reichlich beschenkt wurden, brachten dem Land viel Wohlstand. Er pflegte seine Untertanen wie seine eigenen Söhne zu regieren. Mit seinem Reichtum, der in seiner Schatzkammer lagerte, wurden Tausende von Opfern gefeiert. Keine Zahl konnte diese Menge ausdrücken, weder Ayuta, Koti, Padma oder andere.

Sein Sohn war Prajati, an dessen Opfern selbst Indra, der Vollbringer der hundert Opfer, zusammen mit anderen Himmlischen teilnahm und zu großem Entzücken gelangte. Dieser Erste der Starken besiegte neunundneunzig höchst mächtige und führende Dämonen und ihren König Jambha, wie auch andere bedrohliche Feinde der Unsterblichen. Oh Muni, Prajati hatte fünf, durch Khanitra angeführte Söhne. Und so wurde Khanitra, der durch seine Heldentaten wohlbekannt war, auch König. Er war von ruhiger Natur, ehrlich, heroisch und unermüdlich um das Wohlergehen aller Wesen besorgt. Er beachtete immer die Aufgaben seiner Kaste, kümmerte sich um die Alten und war in den verschiedenen Schriften wohlbelesen. Er war ein guter Redner, bescheiden, ein Experte im Kämpfen und frei von Arroganz. Er wurde von allen geliebt und pflegte Tag und Nacht zu beten:

„Mögen alle Wesen immer glücklich sein und Freude sogar in einem einsamen Wald finden. Mögen sie alle glücklich leben und frei von Angst sein. Mögen sie niemals unter Krankheit und geistigem Kummer leiden. Mögen alle Wesen freundschaftlich zusammen leben. Mögen die Zweifachgeborenen gedeihen, und möge ihre Liebe grenzenlos sein. Mögen auch die anderen Kasten im Wohlstand wachsen, und mögen sie ihre Erfüllung finden.

Oh ihr Menschen, möget ihr allen Wesen Gutes wünschen, wie ihr es für euch selbst und eure Kinder wünscht. Solches Mitgefühl sollte zu allen gehegt werden. Wenn keiner den anderen verletzt, wird es großes Wohlergehen geben. In Wahrheit erntet ein Mensch immer selbst die Frucht des Übels, das er in seiner Dummheit anderen zufügt. Denn die Früchte folgen stets dem Handelnden.

Oh ihr Menschen, bedenkt dies, und hegt zu allen Wesen gute Gefühle. Hütet euch vor den weltlichen Sünden, dann könnt ihr bessere Bereiche erlangen. Möge dem auf Erden immer Gutes geschehen, der mir freundlich gesinnt ist, und möge selbst jener Glück auf Glück erlangen, der mich verletzen will.“

Solcher Art war Khanitra, der Sohn dieses Königs. Er war mit allen Vorzüglichkeiten begabt, und die Göttin des Wohlstandes umarmte ihn. Mit Freude übergab er seinen Brüdern verschiedene Königreiche, und herrschte selbst über diese Erde, bis zu den Ozeanen. Er übergab Shouri den westlichen Teil, Udavasu den südlichen, Sunaya den östlichen und Maharatha den nördlichen. Er und sie hatten getrennte Brahmanenfamilien als Priester und Munis, wie auch ihre Ministerämter erblich waren. Suhotra aus dem Geschlecht von Atri, war der Priester von Shouri. Der Priester von Udavasu war Kushavarta, der im Geschlecht von Gautama geboren wurde. Pramati aus dem Geschlecht von Kasyapa war der Priester von Sunaya. Und Vasishta war der Priester des Königs Maharatha. Diese Könige herrschten jeweils über ihre eigenen Reiche. Und Khanitra war der König der ganzen Erde und sozusagen ihr Kaiser.

Dieser König Khanitra suchte immer das Wohlergehen seiner Brüder, sowie das seiner Untertanen, als wären sie seine eigenen Kinder. Doch eines Tages sprach der Minister Vishwadvedin zu Shouri: „Oh König, ich habe etwas sehr Privates mit dir zu besprechen: Der allein ist der König, dem diese ganze Erde gehört, und dem alle anderen Könige untertänig sind. Er vererbt alles über seinen Sohn und Enkel. Weil aber seine Brüder nur kleine Anteile erhalten, so erben ihre Söhne noch kleinere Teile, und ihre Enkel ebenfalls. So wird mit der Zeit jede Generation ärmer, und ihre Nachkommen, oh König, sind irgendwann nur noch Bauern.

Ein Bruder rettet seinen Bruder nicht aus purer Zuneigung. Also, oh König, werden die Beziehungen zwischen ihren Söhnen immer entfremdeter. Oh Monarch, ihre Söhne gehen zunehmend auseinander. Warum sollten sich auch die Söhne der Brüder lieben? Und selbst, wenn sich ein König damit zufrieden gäbe, wozu hat er wegweisende Minister ernannt? Wenn du dich mit mir berätst, wirst du im Stande sein, das ganze Königreich zu genießen. Wenn du mit mir übereinstimmst, warum beschränkst du dich dann auf ein so kleines Reich? Ein Königreich, das wachsen will, verlangt sowohl einen Herrscher als auch Handelnde. Ein Königreich zu wünschen, ist deine Aufgabe. Du bist der Befehlende, und wir sind deine Akteure. Regiere deshalb dein angestammtes Königreich durch unsere Mithilfe. Das wird nicht uns, aber dir entsprechende Früchte in der kommenden Welt bringen.“

Der König sprach: „Unser ältester Bruder ist unser Kaiser geworden. Da wir seine jüngeren Brüder sind, regiert er über die ganze Erde, und wir haben die Herrschaft über kleine Territorien. Oh du höchst Kluger, wir sind fünf Brüder, und es gibt nur eine Erde. Aus diesem Grund regieren wir über getrennte Teile. Wie könnten wir alle über die ganze Erde herrschen?“

Vishwadvedin sprach: „Das ist wahr, oh König. Aber wenn die Erde eins ist, warum wirst nicht du der Älteste, übernimmst sie und regierst darüber? Sei du das Haupt von allen Brüdern und der Kaiser der Erde. Wie ich mich für dich bemühe, so arbeiten auch die anderen Minister für deine Brüder.“

Der König antwortete: „Unser ältester Bruder ist der König und liebt uns alle wie seine Söhne. Wie könnte ich sein Königreich begehren?“

Vishwadvedin sprach: „Werde ihr Ältester und sichere das Königreich, dann kannst auch du, oh König, sie erfreuen. Unter Menschen, die ihr Königreich suchen, gibt es keinen Ältesten oder Jüngsten.“

Markandeya fuhr fort: Nachdem der König dem zugestimmt hatte, brachte der Minister Vishwadvedin auch alle anderen Brüder auf seine Seite. Er verpflichtete dann ihre Priester, dieses Werk zu segnen und den Untergang von Khanitra herbeizuführen. Er säte unter des Kaisers Anhängern durch Überredung, Bestechung und andere Mittel Uneinigkeit. Und beständig arbeitete er daran, seine eigene Macht zu festigen. Die vier Priester vollführten Tag und Nacht schreckliche magische Handlungen und erzeugten damit vier Krityas (Göttinnen). Sie waren äußerst wild, hatten fürchterliche Gesichter und warfen grausame Blicke um sich. In ihren Händen hielten sie riesige Speere, und ihr Anblick war schauervoll. Sie begaben sich zum König Khanitra. Doch er war ohne Sünde, und so wurde ihnen der Weg durch die Ansammlung dieser Tugend versperrt. Daraufhin fielen diese Göttinnen unverzüglich über die Priester der Könige und Vishwadvedin her. So verbrannte die Göttin Nihanti den übelgesinnten Minister des Königs Shouri zusammen mit den Priestern zu Asche.


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