Pushpak Markandeya PuranaZurück WeiterNews

Kapitel 49 - Über die Entstehung des Menschengeschlechtes

Kraustuki sprach: Oh Brahmane, erzähle mir doch bitte genau, wie aus der abwärts gerichteten Strömung durch Brahma die Menschen geschaffen wurden. Oh edler Brahmane, berichte mir alles, wie die Kasten der Menschen und ihre Besonderheiten entstanden und von ihren jeweiligen Aufgaben und Funktionen.

Markandeya sprach: Oh Muni! Von Brahma, der in der Wahrheit meditiert und das Wesen der Schöpfung ist, entfalteten sich mit der Zeit tausend Paare von Lebewesen aus seinem Mund. So geboren, wurden sie alle durch die Qualität von Sattwa bewegt und waren mit der wahrhaften Sicht verbunden. Weitere tausend Paare entstanden aus seiner Brust. Sie wurden durch die Qualität von Rajas bewegt, waren voller Kraft und unbesiegbar. Weitere tausend Paare schuf er aus seinen Schenkeln. Sie wurden durch die zwei Qualitäten von Rajas und Tamas bewegt und waren voller Energie und Tatkraft. Und aus seinen zwei Füßen entfalteten sich weitere tausend Paare. Sie wurden durch die Qualität von Tamas bewegt, waren von geringerer Schönheit und hatten weniger Verständnis.

Von der hellen Kraft der Liebe angezogen, suchten sich diese, in Paaren geschaffenen Kreaturen, und kamen zusammen. Seitdem leben in diesem Kalpa die Wesen in Paaren (als lebendige Pole). Damals waren die weiblichen Wesen nicht regelmäßig fruchtbar, und obwohl die Paare zusammen lebten, mussten sie nicht ständig gebären. Nur einmal, am Ende ihres langen Lebens brachten sie Kinder zur Welt. Erst seitdem werden in diesem Kalpa die Wesen durch Paarung geboren.

Nur einmal kamen damals diese Wesen durch rein geistige Konzentration ins Sein. Deshalb waren diese Paare rein und mit den fünf (Sinnes-) Funktionen begabt, bezüglich der Formen, Klänge, usw.. Dies war die geistige Schöpfung aus dem Herrn der Wesen, wie sie sich ursprünglich entfaltete. Nachfolgend wurden all jene Wesen geboren, mit denen diese Welt gefüllt ist. Die Wesen konnten sich an den Flüssen, Ozeanen, Seen und Bergen erfreuen und nach Wunsch dort leben. In dieser (goldenen) Zeit waren Hitze und Kälte gemäßigt, und die Kreaturen konnten sich überall bewegen. Oh du Hochstrebender! Sie fanden natürliche Befriedigung in allen Dingen, und damit standen keine Hindernisse in ihrem Weg, es gab keinen Neid und keinen Zorn. Sie benötigten keinerlei Häuser und lebten zufrieden in den Bergen oder an den Ufern der Ozeane. Sie bewegten sich ohne Begierde, und ihr Geist war voller Entzücken. Pisachas, Nagas und Rakshasas, selbst die heute so eigensinnigen Wesen, wie die Tiere, Vögel, Reptilien, Fische und Insekten, ob lebendig von einer Mutter geboren oder aus einem Ei, keiner wurde damals durch Ungerechtigkeit bedrängt.

Selbst die Pflanzen waren noch nicht fest verwurzelt, noch mussten sie regelmäßig Blüten und Früchte hervorbringen, noch gab es Jahreszeiten und Jahre. Alle Zeiten waren angenehm, und es gab weder übermäßige Hitze noch unerträgliche Kälte. Zur rechten Zeit fanden all ihre Wünsche eine wunderbare Erfüllung. Ob am Vormittag oder am Nachmittag, wann auch immer sie einen Wunsch fühlten, wurden sie ohne besondere Anstrengung zufrieden gestellt, im gleichen Moment, wie sie danach fragten. Auf diese Weise konnten sie jeden Gedanken auch verwirklichen. Durch die Verbindung mit der subtilen Kraft des Wassers waren in jener Zeit all ihre Wünsche voller Reinheit, so dass sich alles von selbst erfüllen konnte.

So hatten jene Wesen auch keine Reinigungsriten für ihre Körper nötig, und ihre Jugend war dauerhaft. Ohne jede Begierde bekamen sie durch Paarung Kinder, entsprechend ihrer eigenen Geburt, ihrer Form und Schönheit, und auch sie lebten und starben wie ihre Eltern. Sie waren ohne irgendwelche Konflikte in ihren Wünschen, ohne Neid oder Feindschaft, und auf diese Weise lebten sie friedlich miteinander. Ihre Lebenslängen waren gleich, es gab keine Herrschsucht und keine Unterdrückung anderer Wesen. So lebten sie viele tausend irdische Jahre, ohne bedrückendes Leiden, unbelastet von Unfällen und Krankheiten. Ab und zu wurden sie auch ein zweites Mal wiedergeboren, ähnlich, wie auch die Menschen im Laufe der Zeit wiedergeboren werden, doch immer mit den Freuden dieser Erde verbunden.

Doch mit der Zeit starben diese Wesen, die all ihre Wünsche erreichen konnten, langsam aus. Und als sie alle verschwanden, begannen auch die Menschen aus ihrem himmlischen Zustand zu fallen. Normalerweise sind sie alle mit dem himmlischen Baum verbunden, der alle Wünsche erfüllt. Er wird der lebenserhaltende Kalpa Baum genannt und von ihm könnten sie die Befriedigung all ihrer Wünsche gewinnen. Bis zum Anfang des Treta-Yuga (des silbernen Zeitalters) lebten sie mit diesem himmlischen Baum verbunden. Doch dann, im Laufe der Zeit, nahm die Anhaftung immer mehr zu. Das verursachte eine gesteigerte zyklische Fruchtbarkeit, die zu immer mehr Geburten von Kindern führte. Und, oh Brahmane, infolge der Geburten und der Verhaftung an sie, begannen jene wunscherfüllenden Bäume, auch die Bäume des Lebens genannt, weitere Zweige auszutreiben, welche auch Kleidungsstücke, Schmuck und andere Früchte hervorbrachten. Aus jenen Früchten dieser Bäume entstand ein äußerst stärkender Honig, mit verführerischem Geruch, süßem Geschmack und von schönster Farbe, der aber nicht von Bienen erzeugt wurde.

Am Anfang des Treta-Yuga lebten sie von diesem Honig. Doch im Laufe der Zeit wurden sie durch die Habgier eingeholt. Im Inneren ihres Herzens ergriffen sie Besitz von diesen Bäumen, überwältigt von einem Gefühl des Eigentumsanspruchs. Und wegen des von ihnen so begangenen Unrechts wurden jene Bäume zerstört. Damit bildeten sich Konflikte zwischen ihnen und den äußeren Bedingungen, wie zum Beispiel die Erfahrung von Kälte und Hitze. Und um jene Konflikte zu überwinden, benötigten sie zum ersten Mal Häuser. In Wüsten, Pässen, Bergen und Höhlen suchten sie Schutz und bauten sich Festungen auf unzugänglichen Bäumen, Bergen und im Wasser. Sie begannen sich eigene Bereiche auf der Erde abzugrenzen, bemaßen die Größe mit ihren Gliedmaßen und schufen damit die Vorstellung von vergleichbaren Maßen. Damit entstand das Maß vom Haar, Finger, Fuß, Elle, usw., bis zum Yojana, welches als das größte Längenmaß gilt (ca.13..16km).

Damit entstanden auch vier Arten von Siedlungen. Davon sind die ersten drei relativ natürlich, die vierte bezeichnet man als künstlich bzw. übertrieben. Und die Menschen bauen noch heute so. Oh Zweifachgeborener, dies sind einzelne Häuser (Gehöfte), ländliche Dörfer, unbefestigte Kleinstädte und als Viertes die großen Städte mit ihren Festungsanlagen um abgetrennte Wohnungen herum, mit hohen Mauern und auf allen Seiten von Schutzgräben umrundet. Solche Behausungen bauten sie sich. Eine Sechzehntel eines Yojana ist das Maß eines Pura. Dieses Pura nach Osten und Norden erweitert war ungefähr die Fläche für eine kleine Stadt (ca.1km²). Der zentrale Fluss, von dem sie lebten, blieb damit rein und floss weit dahin. Die Größe eines ländlichen Dorfes war ungefähr ein Achtel bis die Hälfte eines Pura. Und noch kleiner war ein einzelnes Gehöft. Eine Stadt ohne Festung und Schutzgraben nannten sie Barma. Die Vorstadt mit ihren Gärten, wo sich die Minister und Höflinge vergnügten, hieß Sukhanagar. Ähnlich wurde das Dorf, wo größtenteils Landarbeiter lebten, dessen Reichtum aus der Landwirtschaft kam und das meistens in der Mitte der Felder entstand, Srama genannt.

Wenn Leute aus einem anderen Ort kamen und zum Zweck eines Geschäftes in die Stadt reisten, lebten sie in speziellen Wohnvierteln mit dem Namen Basuti. Das Dorf, das größtenteils von solchen Menschen bewohnt wird, die zwar mächtig sind, aber keine eigenen Felder besitzen und damit von den Feldern anderer Leute leben, dieses Dorf, der Wohnort der Günstlinge des Königs, wird Akrimi genannt.

So bauten sie Siedlungen für ihren eigenen Schutz und lebten in Häusern als Ehepaare. Jene Menschen erinnerten sich an die lebenserhaltenden Bäume, von denen sie einst getragen wurden, und bauten alle ihre neuen Behausungen aus der übriggebliebenen Hoffnung auf Schutz und Sicherheit. So wie der Baum seine Zweige hervorbrachte, so bildete auch der Bau der Häuser seine Auswüchse. Die Trennung nahm weiter zu, und plötzlich gab es Höher- und Niedrigstehende. Und so wie der Baum seine Rinde bildete (und verholzt), so schufen sie sich immer festere Hüllen.

Oh Bester der Zweifachgeborenen, was früher die Zweige des Kalpa Baumes waren, wurden jetzt die Zweige der Häuser, und aus diesem Grund waren sie mit den Eigenschaften der Sesshaftigkeit gefärbt. Und so, wie sie diese Mittel gebrauchten, um die Gegensätze von Hitze und Kälte zu überwinden, so begannen sie auch, aufgrund des umfassenden Unterganges der honigspendenden Kalpa Bäume, über Mittel nachzudenken, um ihr Vieh und Getreide zu beschützen. Damit versanken die Wesen immer weiter (in der Weltlichkeit) und durch die Bedrückung von Hunger und Durst nahm die Verwirrung zu.

Dann, am Anfang des Treta Yuga, entfaltete sich der wunderbare Triumph der Landwirtschaft. So wurde das Vieh und Getreide von ihnen gehalten und der Regen kam für sie herab, ganz nach ihrem Willen. Als das Regenwasser einst auf die Erde kam, begann es abwärts zu fließen. Durch natürliche Behinderung dieses herabfließenden Regenwassers entstanden Bäche und Flüsse. Das Wasser berührte die Erde, stieg auf und fiel wieder herab, und dabei wurde es gereinigt. Mit dem Regen entstanden die vierzehn Arten von Bäumen und Pflanzen, welche nicht gesät oder mit dem Pflug kultiviert werden mussten, und welche ihre Blüten und Früchte über das ganze Jahr bildeten. Erst am Anfang des Treta Yugas entstanden daraus die von der Jahreszeit abhängigen Kulturpflanzen und von jenen, oh Muni, ernährten sich die Wesen im Treta Yuga.

Und mit der Zeit begannen sie, getrieben von Anhaftung und Habgier, sich selbst Flüsse, Felder, Berge, Bäume und Pflanzen gemäß der Macht ihrer Person anzueignen. Wegen dieses Unrechts, oh du Zweifachgeborener, wurde das Pflanzenreich zerstört. Oh du Hochgesinnter, zu dieser Zeit wurden alle essbaren Pflanzen von der Erde verschlungen. Mit dem Untergang jener Kräuter und Pflanzen suchten jene verwirrten Wesen, vom Hunger getrieben, den Schutz bei Brahma und seinem hohen Willen. Und er wusste aufgrund seiner geistigen Einsicht, dass die Erde die Pflanzen verschlungen hatte, und der Herr von Allem, der Besitzer aller Mächte und Reichtümer, melkte die Erde wie ein Kalb an ihrem nördlichen Pol (Berg Meru). Er melkte aus dieser Kuh viele Samenkörner. Damit wurden die Samen geschaffen und jene wuchsen aus der fruchtbaren Erde, nahe der menschlichen Behausungen oder in der Wildnis. Damit entstanden die siebzehn Arten der einjährigen Pflanzen, welche nach dem Reifen ihrer Früchte wieder absterben (Getreide, Reis, usw.). Diese wurden in der alten Zeit nahe der menschlichen Siedlungen angebaut und kultiviert.

Vierzehn Arten wurden in Opfern verwendet, und sie wuchsen teilweise im Dorf oder in der Wildnis. Und als die Pflanzen, obwohl vollkommen geschaffen, doch nicht von selbst wieder keimten, so gab Brahma auch die nötigen Erfahrungen für ihr Kultivieren und künftiges Fortbestehen dazu. So schuf der Selbstgeschaffene das Wissen über die Landwirtschaft. Seitdem begannen die Feldpflanzen wieder zu wachsen, aber nur durch beschwerliche Arbeit. Auf diese Weise begründete der Herr selbst, nach der Schaffung besonderer Mittel für ihren Existenzerhalt, den Anspruch auf Lohn und Privilegien unter ihnen, gemäß den jeweiligen Rechten und Qualifikationen.

Der Herr und Bewahrer aller Gesetze, schuf damit die Kasten und Ordnungen hinsichtlich der zuverlässigen Erfüllung ihrer Aufgaben und der Erreichung ihrer Lebensziele, wie auch die Gesetze von Recht und Pflicht für die Leute dieser Kasten. Der Lohn der Brahmanen, die dem Opfer hingegeben sind, wird das Reich des Herrn der Wesen sein. Der Lohn des Kshatriyas, der vom Schlachtfeld nicht davonläuft, ist das Reich von Indra, dem Herrn der Götter. Das Reich der Vaisyas, die für die Erfüllung ihrer eigenen Aufgaben leben, ist das von Marutha. Und dem Shudra, der die Aufgaben eines Dieners erfüllt, gehört das Reich der Gandharvas. Das Reich des Schülers, der mit seinem Lehrer lebt, ist das, wo die achtundachtzigtausend Rishis leben, die jede Leidenschaft überwunden haben. Das Reich der Einsiedler, die in der Wildnis leben, ist das, was den sieben ursprünglichen Rishis zugesprochen wird. Der Lohn der Hausväter ist das Reich des Herrn der Wesen. Und das Brahman selbst wird zum Reich für jene, die alles für das Göttliche losgelassen haben, so wie das unsterbliche Leben das Reich der Yogis ist. Dieses sind die Erklärungen zu den Reichtümern, die als Lohn unter den Menschen gelten.


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