Pushpak Markandeya PuranaZurück WeiterNews

Kapitel 20 - Die Geschichte von Hritadwaja, dem Sohn von König Satrujit

Der Sohn (Sumati) fuhr fort: Einst gab es einen hoch energetischen König mit Namen Shatrujit, in dessen Opfer beim Somatrinken Purandara (Indra) befriedigt wurde. Auch sein Sohn wurde höchst mächtig und war fähig, seine Feinde zu schlagen. Er glich an Intelligenz, Heldenmut und Gnade dem Lehrer Sukra oder den Aswin-Zwillingen. Der Prinz war ständig von anderen Prinzen von gleichem Alter, Intelligenz, Kraft, Heldenmut und Eifer umgeben. Manchmal übten sie sich in Diskussionen über die Schriften, manchmal in der Kritik von Gedichten, Dramen oder Musik, manchmal im angenehmen Spiel mit den Würfeln, manchmal im Gebrauch der Waffen oder der Kunst des Krieges und manchmal im Reiten von Elefanten, Pferden oder im Fahren von Wagen. So wetteiferten die Prinzen, mit Freude erfüllt, Tag und Nacht in der Gesellschaft anderer Prinzen. Dabei schlossen sich ihnen weitere Söhne im gleichen Alter von Brahmanen, Kshatriyas und Vaisyas freudig an.

Eines Tages kamen auch zwei Naga Prinzen, die Söhne von Ashwatara, aus dem Bereich der Nagas zur Erde herauf. Diese zwei jungen und schönen Nagas blieben als Brahmanen verkleidet unter ihnen und wetteiferten erfreut auf verschiedene Weisen mit jenen Prinzen und den anderen Brahmanen Jungen. Alle jene Prinzen, die Söhne der Brahmanen, Kshatriyas, Vaisyas und die Söhne der Nagas pflegten zusammen zu baden, ihre Körper zu reinigen und einzuölen, sich anzukleiden und ihre Mahlzeiten einzunehmen. Aus Liebe zum Prinzen kamen jene zwei Naga Prinzen jeden Tag mit Freude dahin. Bei verschiedenen Sportarten, in Geselligkeit und im Gespräch war auch der Prinz sehr zufrieden mit ihnen. Und irgendwann konnte er ohne sie nicht mehr essen, baden oder Honig trinken, noch konnte er sich erfreuen oder die Schriften für sein geistiges Wachstum studieren. Und ohne diesen Hochbeseelten pflegten auch sie ihre Nächte in den unteren Bereichen nur mit schweren Seufzern zu verbringen und nutzten jeden Tag, um zu erscheinen.

Nach einer langen Zeit fragte der Vater seine zwei Naga Söhne: „Wem im Bereich der Sterblichen seid ihr, oh meine Söhne, so zugetan? Euch zwei, schön, wie ihr seid, habe ich seit langem während der Tageszeit in der Unterwelt nicht gesehen. Ich sehe euch nur in der Nacht.“

So angesprochen von ihrem Vater verneigten sich jene zwei großen Söhne des Königs der Schlangen mit gefalteten Händen und antworteten: „Oh Vater, es gibt einen Sohn von Shatrujit, der unter dem Namen Hritadhwaja gefeiert wird, der mit Schönheit und Einfachheit, mit Heldenmut und mit achtbarer und süßer Sprache begabt ist. Er spricht niemals unaufgefordert, ist ein vorzüglicher Redner, gelehrt, freundlich und eine Quelle für Erfolg. Er verehrt das Verehrungswürdige, ist intelligent, bescheiden und hat Demut vor dem Heiligen. Unser Geist ist gefangen durch sein gutes Verhalten und seine Liebe. So haben wir, oh Vater, kaum noch Verlangen, weder nach dem Bereich der Nagas noch nach dem Bereich von Bhuva. Getrennt von ihm erscheinen sogar die unteren Bereiche nicht mehr kühl, denn dieser Kummer erzeugt Hitze. Doch in seiner Gemeinschaft bringen selbst die heißen Strahlen der Sonne ein wunderbares Entzücken.“

Der Vater sprach: „Gesegnet ist dieser Sohn eines frommen Menschen, dessen Charakter sogar in seiner Abwesenheit von vollendeten Wesen wie euch gelobt wird. Personen, die in den Schriften gelehrt sind, benehmen sich manchmal schlecht, wohingegen es unwissende Menschen gibt, die sich gut benehmen. Oh meine Söhne, ich betrachte jenen als besonders glücklich, der einen guten Charakter hat und dazu noch die Weisheit der Schriften besitzt. Ein Vater hat einen wahren Sohn, dessen Freunde von seinen Qualitäten freundlich sprechen und dessen Feinde seinen Heldenmut loben. Habt ihr jemals für die geistige Befriedigung eures Wohltäters seine Wünsche erfüllt? Der ist gesegnet und gesegnet ist sein Leben und seine Geburt, von dem die Leute niemals enttäuscht weggehen, wenn sie etwas erwarten, und der im Geben niemals schwach wird, was auch immer gewünscht wird, Gold, Juwelen, Sänften oder Sitzmöbel aus seinem Haus. Verflucht ist das Leben eines Menschen, welcher die gutmütigen Wohltaten der Freunde nicht erwidert und denkt „Nur ich soll leben“. Die Leute wünschen das fortwährende Wachstum solch weiser Menschen, die wie eine Wolke den Regen, die Wohltat auf Freunde bringen und Bedrängnis auf Feinde.“

Die Söhne sprachen: „Was könnten wir für jenen tun, der selbst alles vollbringt, was getan werden muss, und in dessen Haus die Leute immer ihre gewünschten Dinge bekommen? Wo sind in der Unterwelt solche Juwelen, Sitzmöbel, Sänften, Kleider und Verzierungen wie in seinem Haus? Solches Wissen, wie es in ihm ist, wurde nirgendwo anders je gesehen. Oh Vater, er ist der Erste von denjenigen, welche die Zweifel der Gelehrten auflösen. Es gibt nur Eines was für ihn getan werden könnte, doch für uns ist es unmöglich, dies zu vollbringen. Nur Brahma, Vishnu, Maheshvara oder ähnliche Wesen könnten es verwirklichen.“

Der Vater sprach: „Ob es innerhalb meiner Macht ist oder nicht, ich möchte von dieser ausgezeichneten Tat für ihn hören. Was ist es, was die Gelehrten nicht verwirklichen könnten? Diejenigen, die mit unumstößlicher Beharrlichkeit ihren Pfad gehen, können alles erreichen, was sie wünschen, die Würde eines Gottes, die eines Königs der Unsterblichen oder eben das, wofür sie bitten. Für die energetischen Menschen, die ihren Geist und ihre Sinne kontrolliert haben, ist nichts unerkennbar, unzugänglich oder unerreichbar, weder in dieser Welt noch im himmlischen Bereich. Indem sie unbeirrt weitergeht, geht eine Ameise einen Weg von tausend Yojanas. Doch ohne einen Willen zum Gehen, könnte nicht einmal Garuda einen Schritt vorankommen. Für faule Menschen gibt es kein Gehen und kein Ziel, wohin sie gelangen können. Wo ist die Erde und wo ist der Bereich Dhruva Nakshatra (Polarstern), zu dem Dhruva gelangte, dieser Sohn von König Uttanapada, obwohl er auf der Erde lebte? Oh meine Söhne, erzählt mir deshalb, was ihr für den großen Prinzen tun könnt, wodurch ihr von eurer Schuld befreit werdet.“

Die Söhne sprachen: „Oh Vater, was diesem Prinzen mit dem guten Verhalten in seinem Knabenalter widerfahren war, wurde durch diesen Hochbeseelten selbst beschrieben:

Einst kam ein führender und wohlhabender Zweifachgeborener, Galava genannt, zum König Satrujit mit einem ausgezeichneten Pferd an der Hand führend. Er sprach zum König: „Oh König, zu meiner Einsiedelei kommt ein übler, sündiger Dämon und verwüstete dort alles. Er nimmt die Gestalt eines Löwen, Elefanten und anderer kleiner wilder Tiere an und bedrängt mich Tag und Nacht, der ich in Konzentration und Meditation verweile und das Gelübde des Schweigens beachte, so dass mein Geist aufgewühlt wird. Zwar könnte ich ihn sofort mit dem Feuer meines Zorns verbrennen, aber das möchte ich ungern tun, oh König, weil damit meine hart verdiente Entsagung schwinden würde. Oh König, eines Tages, als ich gequält durch ihn mit niedergedrücktem Herzen beim Anblick dieses Dämons seufzte, da kam augenblicklich dieses Pferd vom Himmel herab, und ich hörte folgende Worte, die von ätherischen Wesen gesprochen wurden: „Dir sei dieses höchst ausgezeichnete Pferd gegeben, das ohne Anstrengung fähig ist, die ganze Erde wie die Sonne zu umrunden. In den unteren Bereichen, im Firmament oder im Wasser soll es seinen Lauf nehmen, und sein Weg soll niemals versperrt werden, weder in den vier Himmelsrichtungen, noch in den Bergen. Da es fähig ist, den Umfang der Erde ohne jede Anstrengung zu umrunden, soll es in der Welt unter dem Namen Kuvalaya bekannt sein. Oh Erster der Zweifachgeborenen, auf diesem Pferd reitend, soll Hritadwaja, der Sohn des Königs Satrujit, diesen sündigen Wicht eines Dämons zerstören, der dich Tag und Nacht quält. Und dieses Juwel eines Pferdes erhaltend, wird er in aller Welt berühmt sein.“

Deshalb bin ich zu dir gekommen. Unterwirf ihn, oh König, welcher der Askese Hindernisse in den Weg stellt. So wird auch der König berechtigt sein, einen Teil des asketischen Verdienstes zu erhalten. Oh König, ich widme dir dieses prächtige Pferd. Beauftrage deinen Sohn, damit die Tugend nicht schwindet.“

Nach diesen Worten, übergab der tugendhaft beseelte König dieses prächtige Pferd seinem Sohn Hritadwaja und vollführte segensreiche Riten, um ihn mit Galava auf die Reise zu schicken. So begab sich Kuvalayashwa (Hritadwaja mit dem Pferd Kuvalaya) zusammen mit dem Asketen zu dessen vorzüglicher Klause.


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