Pushpak Markandeya PuranaZurück WeiterNews

Kapitel 8 - Die Geschichte vom König Harishchandra

Jaimini sprach: „Ihr habt mir alles zu meinen Fragen beschrieben. Aber bezüglich der Geschichte von Harishchandra bin ich noch neugierig. Ach, ein großes Unglück widerfuhr diesem Hochbeseelten. Oh ihr Ersten der Zweifachgeborenen, gelangte er jemals wieder zu jener früheren Glückseligkeit?“

Die Vögel sprachen: Die Worte von Vishvamitra hörend, ging der arme König weiter, von seiner Frau Saivya und seinem kleinen Jungen begleitet, dem Pfad der Wahrhaftigkeit folgend.

Er dachte: „Jene Stadt ist jenseits der Vergnügungen der Menschen, denn sie wurde durch die Gottheit, die den Dreizack trägt (Shiva), erschaffen.“ So ging er, geschlagen vom Kummer, zu Fuß in die heilige Stadt Varanasi (Benares), zusammen mit seiner ergebenen Frau. Doch am Eingang der Stadt erwartete ihn bereits Vishvamitra. Als er ihn erkannte, verbeugte er sich tief in Demut, faltete seine Hände und sprach zum großen Asketen: „Hier ist mein Leben! Hier ist mein Sohn, und da meine Frau. Oh Asket, nimm einen von diesen, den du am meisten liebst und jetzt verlangst. Und befiel mir bitte, was wir noch für dich tun können.“

Doch Vishvamitra sprach: „Der Monat, oh königlicher Heiliger, ist abgelaufen. Wenn du dich an deine eigenen Worte erinnerst, gib mir nun mein Dakshina hinsichtlich des Rajasuya.“

Harishchandra sagte: „Oh Brahmane, oh strahlender Heiliger! Die monatliche Frist läuft heute ab. Warte noch nur einen halben Tag, es wird nicht mehr lange dauern.“

Und Vishvamitra antwortete: „Möge es so sein, oh großer König, ich komme wieder. Doch wenn du mir heute nichts gibst, dann werde ich dich verfluchen.“

Mit diesen Worten ging der Brahmane seiner Wege, und der König fragte sich: „Welches Dakshina soll ich ihm geben, wie ich es versprochen habe? Wo kann ich verlässliche Freunde finden? Und wo könnte ich Reichtum herbekommen? Werde ich jetzt untergehen, wenn ich mein Versprechen nicht einlöse? Sollte ich mein Leben aufgeben? Wohin könnte ich gehen? Wenn ich nicht gebe, was ich versprochen habe, wird mich der Untergang treffen. Mit der Schuld, einen Brahmanen beraubt zu haben, werde ich in den Zustand eines Wurmes fallen, dem Niedrigsten vom Niedersten. Es ist wohl das Beste, dass ich mich selbst verkaufe. Ich sollte in die Knechtschaft gehen.“ Da sprach seine Frau, mit vom Kummer bedrückten Worten, zum armen und besorgten König, der mit hängendem Kopf nachdachte: „Denke nicht endlos nach, oh großer König, und erfülle dein Versprechen: Ein Mann, der den Pfad der Wahrheit verlassen hat, sollte wie ein Leichenverbrennungsplatz gemieden werden. Es heißt, dass es für einen Menschen keine wichtigere Aufgabe gibt, als die Erfüllung des Versprechens, das man jemandem gegeben hat, oh Erster der Männer. Die fortwährende Unterhaltung eines heiligen Feuers, das Studium von religiösen Büchern, alle frommen Taten, Wohltätigkeit und anderes wird unfruchtbar für denjenigen, dessen Wort wertlos ist. Jene, die in religiösen Schriften bewandert sind, sagen, dass insbesondere die Wahrheit zur Erlösung führt, wohingegen Lüge diejenigen stürzt, die ihr eigenes Selbst nicht unter Kontrolle haben. Mit der Durchführung von sieben Pferdeopfern hast du das Rajasuya Opfer gefeiert, oh König, und für ein einziges falsches Wort sollst du nun vom Himmel ausgeschlossen werden? Oh König! Ich habe Kinder geboren...“

Doch bei diesen Worten begann sie zu weinen und der König, dessen Augen sich auch mit Tränen füllten, sprach: „Bezwinge deinen Kummer, oh du Schöne! Dieser Junge mag da drüben warten. Sprich es nun aus, wenn du noch irgendetwas sagen willst, oh du mit dem würdigen Gang eines Elefanten.“ Und die Frau sprach: „Oh König, ich habe uns Kinder geboren, denn die tugendhaften verheiraten sich, um Söhne zu haben. Deshalb solltest du mich für Geld verkaufen und damit dem Brahmanen sein Dakshina geben.“

Dieses hörend, fiel der Herr der Erde ohnmächtig zu Boden. Und als sein Bewusstsein zurückkehrte, klagte er mitleiderregend: „Mächtig ist mein Kummer, oh du Schöne, dass du solches zu mir sprichst. Wie könnte ich, sündig wie ich bin, deine liebliche Gesellschaft vergessen? Ach! Ach! Wie kannst du so zu mir sprechen, oh du mit dem reinen Lächeln? Und wie kann ich solche Worte ertragen, die so schwer auszusprechen sind?“ Nach diesen Worten rief der Bester der Männer wieder und wieder: „Oh Schande über mich! Schande über mich!“ und fiel erneut auf die Erde, des Bewusstseins beraubt. Als die Königin sah, wie Harishchandra, der König der Erde, selbst auf der Erde lag, wurde sie noch mehr mit Kummer geschlagen und weinte mitleiderregend: „Ach, was für ein unvorstellbarer Zustand, dass du, oh großer König, auf der nackten Erde liegen musst, wo du doch die feinen Decken aus Hirschfell gewohnt warst. Der König, mein Mann, der den Brahmanen tausende hervorragende Rinder übergab, schläft nun auf dem Boden. Oh, welch großes Elend! Oh Gott! Was geschieht diesem König, der dem Indra oder Upendra gleicht, und der durch diesen Asketen so erniedrigt wurde?“ So sprach die Schönhüftige und vom unerträglichen Kummer um ihren Mann ergriffen, sank sie ohnmächtig zur Erde nieder. Seine Eltern sehend, die nun beide am Boden lagen, rief der Junge, gequält von Hunger und Leiden: „Vater, Vater, gib mir Essen! Mutter, Mutter, gib mir Essen! Mein Hunger wächst unerträglich und meiner Zunge ist ganz ausgetrocknet.“

Die Vögel fuhren fort: In der Zwischenzeit kam Vishvamitra von seiner harten Buße zurück und als er Harishchandra sah, der ohne Bewusstsein auf der Erde lag, begoss er ihn mit Wasser und sagte zum König: „Erhebe dich! Erhebe dich! Oh Bester der Könige, gib mir mein Dakshina. Das Elend eines Mannes, der unter Schuld lebt, wird immer größer.“ Mit eiskaltem Wasser gewaschen, gewann der König sein Bewusstsein zurück. Aber als er Vishvamitra erblickte, verlor er es erneut, und im Asketen stieg der Zorn auf. Als Trost für den König sprach der Beste der Zweifachgeborenen: „Wenn du den Glauben achtest, dann gib mir das Dakshina. Durch die Wahrheit gibt die Sonne ihre Strahlen, durch die Wahrheit besteht die Erde. Wahrheit wird als die große Tugend bezeichnet, und der Himmel selbst ist in der Wahrheit gegründet. Werden eintausend Pferdeopfer und die Wahrheit auf eine Waage gelegt, dann wiegt die Wahrheit immer noch mehr als die tausend Pferdeopfer. Doch welchen Nutzen haben diese freundlichen Worte, die ich zu dir spreche? Obwohl du ein mächtiger König warst, bist du jetzt ein unehrenhafter, schlechtgesinnter, hinterlistiger und lügenhafter Mann. Höre das, was ich aufrichtig zu dir spreche. Wenn du, oh König, mir heute mein Dakshina nicht gibst, dann werde ich, wenn die Sonne hinter den Hügeln versinkt, einen Fluch auf dich laden.“

So sprach der Brahmane und ging weg. Und der König, mit Angst erfüllt, dachte sich: „In solch einen niedrigen Zustand gesunken, ohne irgendwelche Mittel und jeden Besitz verloren, wohin soll ich nur gehen?“ Da sprach seine Frau erneut: „Folge meinen Worten. Niedergebrannt durch das Feuer seines Fluchs, bewahre wenigstens dich vor dem Tod.“

Wiederholt von seiner Frau bedrängt sagte der König: „Soll ich nun jegliche Scham verlieren, wenn ich dich, oh du Schöne, verkaufe? Gut, ich werde sogar das tun, was selbst die Herzlosen nicht tun würden, vorausgesetzt, dass ich solche Worte überhaupt aussprechen kann, die so schwer auszusprechen sind.“ So sprach er voller Tränen zu seiner Frau. Sie gingen zur Stadt und dort rief der tieftraurige König: „Oh ihr Bürger, hört meine Worte. Warum schaut ihr mich so an? Ich bin ein Gnadenloser, nicht mal mehr ein Mann. Ich bin ein wahrer Dämon, hartherzig oder noch viel abscheulicher als das, weil ich bereit bin, meine geliebte Frau zu verkaufen und auf mein eigenes Leben nicht verzichten kann. Wenn irgend jemand von euch sie als ein Dienstmädchen verlangt, die mir lieber ist als mein Leben selbst, dann möge er schnell und laut sprechen, bevor ich meinem Leben ein Ende setze.“

Daraufhin trat ein alter Brahmane hervor und sprach zum König: „Gib mir dieses Dienstmädchen, ich werde sie kaufen und dir den Preis zahlen. Ich habe genügend Reichtum, und meine geliebte Frau ist höchst empfindsam. Sie kann die Arbeit des Haushalts nicht verrichten. So gib sie mir. Deine Frau ist eine von denen, die aktiv, jung, schön, und gutmütig sind: Gib mir die Frau und nimm diesen angemessenen Preis.“ So vom Brahmanen angeredet, brachte Königs Harishchandra, dessen Geist im Leiden versunken war, kein Wort mehr heraus. Dann steckte der Brahmane das Geld schnell in eine Ecke der Bastkleidung des Königs und begann, die Königin an den Haaren davon zu ziehen. Doch als der gelockte Junge Rohitashwa seine davongezogene Mutter sah, begann er zu schreien und hielt sich mit den Händen am Rock fest. Da rief die Königin: „Lass mich, lass mich, bis ich mit dem Kind gesprochen habe: Oh mein Junge, es wird nun sehr schwierig für dich werden, mich jemals wiederzusehen. Schau, schau deine Mutter nur an, oh Junge, die eine Sklavin geworden ist. Aber berühre mich nicht, oh Prinz, denn ich bin nun unwürdig, durch dich berührt zu werden.“ Dann sah der Junge völlig überrascht, wie seine Mutter davongezogen wurde und mit Augen, die von Tränen überflossen, folgte er ihr und rief verzweifelt „Mutter!“. Der Zweifachgeborene wurde ärgerlich und stieß ihn mit dem Fuß, als er näher kam, aber er schrie unaufhörlich „Mutter! Mutter!“ und ließ seine Mutter nicht gehen.

Die Königin sprach: „Oh Herr, gewähre mir diese Gunst und kaufe auch diesen Jungen. Obwohl von dir gekauft, werde ich dir ohne ihn nicht viel Nutzen bringen. Unglücklich wie ich bin, sei freundlich zu mir. Verbinde mich mit ihm, wie eine Kuh mit ihrem Kalb.“

Der Brahmane sagte: „Nimm dieses Geld und gib mir deinen Jungen. Jene, die mit den Schriften vertraut sind, haben den Wert sowohl eines Mannes als auch einer Frau auf hundert, tausend, zehntausend und auf zehn Millionen Münzen gesetzt.“ Dann steckte er ihm das Geld in die Bastkleidung, gab den Jungen zu seiner Mutter und nahm sie beide mit. Als der König sah, wie ihm seine Frau und der Junge weggenommen wurden, fiel er in abgrundtiefe Verzweiflung und mit heißen Seufzern jammerte er wieder und wieder: „Meine Frau, die früher weder der Wind, die Sonne, der Mond, noch irgendein anderer Mann überhaupt sehen durfte, ist jetzt in den Zustand einer Sklavin gefallen. Und geboren im Sonnengeschlecht ist dieser, mein Junge mit den zarten Händen, verkauft worden. Oh! Schande über mich! Schande über meinen verirrten Sinn! Oh Liebes! Oh mein Kind! Durch mein ungerechtes Verhalten als unehrenhafter Mann ist es geschehen, dass du unter dem Einfluss des Schicksals in diesen Zustand gekommen bist. Und trotzdem sterbe ich nicht. Oh, Schande über mich!“

Während der König so wehklagte, verschwand der Brahmane mit den beiden schnell zwischen Bäumen und Häusern. Und gleich darauf kam Vishvamitra zum König und fragte nach dem Geld, und entsprechend übergab Harishchandra ihm alles. Doch er fand, dass das Geld vom Verkauf seiner Frau zu wenig wäre, und sprach wütend zum König, der immer tiefer im Leiden versank: „Oh du Wicht eines Kshatriyas, wenn du denkst, dass das für mein Opfergeschenk passend ist, dann erfahre heute die große Kraft meiner schweren Buße, der ungetrübten Brahma Energie, der ungeheuren Heldentaten und reiner Studien.“

Darauf flehte Harishchandra: „Ich werde dir, oh ehrwürdiger Herr, noch andere Geschenke übergeben, warte noch einen Moment. Zurzeit habe ich nichts mehr, denn ich habe meine Frau und meinen Sohn verkauft.“

Und Vishvamitra antwortete: „Oh König, es bleibt noch ein Viertel des Tages. Ich werde bis dahin warten, das ist mein letztes Wort.“

So sprach der Sohn von Kausika mit grausamen und gnadenlosen Worten zum König, nahm das Geld und ging schnell davon. Als Vishvamitra fortgegangen war, ertrank der König in einem Ozeans aus Angst und Kummer und alles mit sich reißend, rief er laut mit gesenktem Gesicht: „Möge jener, der mich als sein Sklave für Geld kaufen würde, seine Absicht schnell, noch vor Sonnenuntergang erklären.“

Im gleichen Moment kam der Gott der Tugend und Gerechtigkeit daher, in der Gestalt eines Chandala (Ausgestoßener), übelriechend, unförmig, rau, bärtig, großzähnig, schrecklich anzuschauen, schwarz mit aufgeblähtem Bauch, gelbbraune und triefende Augen, mit gemeiner Rede, mehrere tote Vögel tragend, wie mit einer Girlande von Leichen geschmückt, einem Schädel in der Hand, grobgesichtig, fürchterlich, ständig vor sich hin redend, umgeben von einem ganzen Rudel von Hunden, mit einem fürchterlichen Blick, einem Knüppel in der Hand, und er schien keinerlei Bildung zu haben. Er sagte: „Ich will dich. Sag mir schnell, wieviel du für deinen Dienst verlangst. Wenig oder viel, womit kann ich dich kaufen?“

Als der König diese fürchterliche Erscheinung sah, mit dieser höchst unbarmherzigen Rede und den schrecklichen Gepflogenheiten, da fragte der König: „Wer bist du?“ Und er antwortete: „Ich bin ein Chandala, der in dieser ausgezeichneten Stadt als Pravira bekannt ist. Ich bin der Henker von denjenigen, die zum Tode verurteilt werden und nehme mir die Tücher von den Leichnamen.“

Harishchandra sagte: „Nein, ich werde kein Diener eines Chandala sein, so tief erniedrigt. Eher will ich durch das Feuer des Fluchs verbrannt werden, als der Sklave eines Chandala zu werden.“

Während er so rief, kam der große Asket Vishvamitra, mit vor Zorn und Empörung rollenden Augen, und sprach zum König: „Dieser Chandala ist hierher gekommen, um dir viel Geld zu geben. Warum gibst du mir nicht mein vollständiges Opfergeschenk?“

Harishchandra sprach: „Oh ehrwürdiger Herr, oh Sohn von Kausika, ich kenne mich als einen Nachkommen des Sonnengeschlechts. Wie könnte ich, begierig nach Geld, in den Dienst eines Chandala treten?“

Vishvamitra antwortete: „Wenn du mir das Geld vom Chandala nicht gibst, das du bekommst, wenn du dich selbst verkaufst, dann werde ich wahrlich, wenn die Zeit gekommen ist, einen Fluch auf dich laden.“

Die Vögel fuhren fort: Daraufhin berührte der König Harishchandra, durch Angst und Kummer ganz verwirrt, die Füße des Asketen und rief: „Sei mir gnädig! Ich will dein Sklave sein. Ich bin gequält, ich bin verängstig, ich bin ganz besonders dein ergebener Diener. Sei mir gnädig, oh brahmanischer Heiliger, denn einem Chandala zu dienen, ist ein zu großes Elend. Ohne meinen früheren Reichtum werde ich dir dienen und jegliche Art der Arbeit durchführen. Oh Erster der Asketen, ich werde dein Diener sein, der dir jeden Wunsch erfüllt.“

Doch Vishvamitra antwortete: „Gut, wenn du mein Diener bist, dann übergebe ich dich jetzt diesem Chandala für eine Gegenleistung von hundert Millionen Münzen.“

Nach diesen Worten übergab der Chandala mit Freude das Geld an Vishvamitra und fand den König, wie er am ganzen Leib zitterte. Er prügelte ihn mit seinem Knüppel, damit dem König die Sinne wieder erwachten. Doch der König war vollkommen niedergeschlagen und von allem geschieden, was ihm und seinen Freunden je lieb war, als ihn der Chandala in seine Hütte brachte. Im Haus des Chandala lebend, sang der König Harishchandra jeden Morgen, Mittag, und Abend sein trauriges Lied: „Ihren verarmten Jungen ansehend, wird sich die junge Dame mit leidvoller Miene an mich erinnern und denken: 'Der König wird uns beide befreien, indem er Reichtum verdienen und dem Brahmanen reichlich geben wird.' Sie, mit den Augen eines jungen Rehs, weiß nicht, dass ich in noch schlimmeres Unglück gefallen bin. Ach! Ein Unglück nach dem anderen ist mir widerfahren, der Verlust des Königreichs, der Verzicht auf die Freunde, der Verkauf von Frau und Kind, und schließlich mein Absinken in den Zustand eines Chandala!“

So lebte er ohne alles, geschlagen mit Kummer und erinnerte sich täglich an seinen geliebten Sohn und seine ihm geweihte Frau. Nach einiger Zeit war der König Harishchandra, der unter der Kontrolle dieses Chandala stand, damit beschäftigt, die Leichname auf dem Einäscherungsplatz ihrer Kleidung zu berauben. Er wurde vom Chandala, der von der Kleidung der Toten lebte, beauftragt: „Warte hier Tag und Nacht auf die Ankunft von Leichen. Für jeden Leichnam soll ein Sechstel vom Erlös dem König gegeben werden, drei sind mein, und zwei Sechstel sind dein Lohn.“

So angewiesen ging er zum Haus der Toten, das im Süden von Varanasi gelegen war, zu jenem Verbrennungsplatz, der mit fürchterlichem Lärm gefüllt war, wo sich ganze Rudel von Schakalen tummelten, überall Totenschädel herumlagen, ein abscheulicher Gestank in der Luft lag, alles voller Rauch war und wo boshafte Geister, Gespenster, Zwerge, weibliche Kobolde und Yakshas im Überfluss lebten. Überall schwärmten Geier und Schakale um die übelriechenden Knochen, und die Luft war mit herzzerreißenden Schreien von den Verwandten der Toten gefüllt: „Oh Sohn, oh Freund, oh Angehöriger, oh Bruder, oh Kind, oh mein lieber Mann, oh Schwester, oh Mutter, oh Vater, oh Enkel, oh Verwandter! Wohin bis du gegangen? Komm doch zurück!“ Viele Menschen schrieen dort immer wieder auf die gleiche Weise. Überall waren die krachenden Geräusche von brennendem Fleisch, Fett und Knochenmark zu hören. Da waren schwarzverkohlte, halbverbrannte Körper, wo sich die Reihen der Zähne entblößten, und sie schienen im Feuer zu lachen, als ob sie sagen wollten: „Sieh, das ist das Ende vom Körper.“

Dort wurden die krachenden Töne der Flammen gehört, die begleitet waren von den Schreien der Vögel in der Mitte der Knochenberge, dem Wehklagen von Freunden und den Jubelrufen der Chandalas. Es wurden die abscheulichen Lieder von Geistern, Gespenstern, bösartigen Kobolden und Dämonen gehört, die dem Gebrüll der universalen Auflösung glichen. Dort lagen ganze Haufen von Exkrementen der Büffel und der Kühe, umgeben von qualmenden Knochenbergen. Mit mannigfaltigen Geschenken von Girlanden und Totenlichtern, sowie mit Opfergaben für die Krähen, schien dieser Verbrennungsplatz mit diesen verschiedenen Geräuschen der Hölle zu ähneln. Gefüllt mit den lauten Schreien der unheilverkündenden Schakale aus flammenden Mündern, sowie von anderen, die in Höhlen leben, schien der fürchterliche Verbrennungsplatz durch diese Fülle an Wehklagen selbst in das Herz der Angst noch Terror zu schlagen.

So ging der König dorthin, mit Kummer beladen und begann zu trauern: „Oh Gott, wo sind jene Diener, Stadträte, Brahmanen und das vergangene Königreich? Oh Saivya, oh mein Junge, ihr habt mich Elenden verlassen. Wohin seid ihr gegangen aufgrund des Fluches von Vishvamitra?“ So überlegte er wieder und wieder bei den Chandalas. Blass, der ganze Körper voller Beulen, mit Haaren überwuchert, übelriechend, das Haar in einem Zopf gebunden, glich er dem großen Zerstörer und rannte schreiend umher: „Hier ist der Leichnam, das ist der Preis, den ich erhalten habe. Das gehört mir. Das gehört dem König. Das bekommt der gemeine Chandala.“

So hin- und herlaufend, schien der König eine Änderung seiner Existenz erlebt zu haben. Er war in eine Decke aus Lumpen gekleidet, Gesicht, Arme und Brust waren mit der Asche der Scheiterhaufen bedeckt und seine Finger mit Fett, Knochenmark und Asche beschmiert. Seufzend lebte er vom Essen, das den zahllosen Toten geopfert wurde und musste damit zufrieden sein. Er schmückte seinen Kopf mit ihren Girlanden. Er schlief weder in der Nacht noch am Tag, aber stöhnte ständig „Ach! Ach!“. So erschienen ihm zwölf Monate wie hundert Jahre.

Eines Tages geschah es, dass dieser Beste der Könige, von seinen Freunden getrennt und mit einem Körper voller Beulen, ermüdete und vom Schlaf übermannt wurde. Er schlief wie ohnmächtig. So schlafend, sah er, infolge seiner Gewohnheiten durch das Leben auf dem Verbrennungsplatz und durch den Einfluss des starken Schicksals, einen höchst wunderbaren Traum: Er übergab, nach über zwölf Jahren ertragenen Elends in einem anderen Körper das Dakshina an seinen Lehrer und wurde endlich wieder befreit. - Er sah sich selbst, wie er aus dem Bauch einer Chandala Frau wiedergeboren wurde. Darin verweilend, dachte der König, „Hier geboren werdend, sollte ich Tugend und Wohltätigkeit üben.“ Und dann, als Sohn einer Chandala geboren, kümmerte er sich auf dem Verbrennungsplatz regelmäßig um die Ausführung der Reinigungsriten für die Toten. Als er sieben Jahre alt wurde, sah er die Leiche eines besitzlosen, aber vollendeten Brahmanen, der von seinen Freunden zum Verbrennungsplatz getragen wurde. Und als er die Gebühr forderte, wurde er von ihnen getadelt und die Brahmanen sprachen: „Das ist das Werk von Vishvamitra. Oh du armseliges sündiges Wesen, führe nur diese unrechtmäßige Handlung weiter durch. Früher warst du der König Harishchandra und hattest deine Ehrbarkeit zerstört, indem du einem Brahmanen seine versprochene Gabe vorenthalten hast. Dadurch wurdest du von Vishvamitra zu einem Chandala erniedrigt.“ Doch weil er diesen Brahmanen keinerlei Achtung entgegenbrachte, wurde er von ihrem aufsteigendem Zorn verflucht: „Oh du Wicht, gehe sofort in eine fürchterliche Hölle ein!“ Sobald das gesagt worden war, schaute der träumende König die Boten von Yama mit Schlingen in ihren Händen. Er sah, wie er von ihnen gewaltsam fortgetragen wurde. Mit äußersten Schmerzen rief er: „Oh Vater, oh Mutter? Wo seid ihr jetzt?“ Sobald er das sagte, wurde er in eine Hölle mit kochendem Öl geworfen. Mit einer Säge, scharf wie ein Rasiermesser, wurde der untere Teil seines Körpers abgetrennt und so gequält ernährte er sich in der Finsternis vom eigenen Blut und Eiter. Geboren als ein Chandala und sieben Jahre alt geworden, fand er sich nun jeden Tag sterbend in der Hölle wieder, verbrannt und gekocht. Hier war er entmutigt und dort reuevoll, anderswo geschlagen und gefoltert; in Wasser getaucht und verbrannt, durch strenge Kälte und Winde hart bedrängt. In dieser Hölle erschien ihm ein Tag wie hundert Jahre. Dann hörte er von den Wächtern in der Hölle, dass (auf diese Weise) hundert Jahre vergangen waren. Danach wurde er auf die Erde geworfen und als ein Hund geboren, der von Exkrementen lebte. Abfall fressend und durch Kälte stark angegriffen, starb er innerhalb eines Monats. Dann sah er sich im Körper eines Esels, eines Elefanten, eines Affen, einer Ziege, einer Katze, eines Reihers, einer Kuh, eines Widders, eines Vogels, eines Wurmes, eines Fisches, einer Schildkröte, eines Ebers, eines Rehs, eines Hahns, eines männlichen Papageien, eines weiblichen Papageien, einer Schlange und in vielen anderen Wesen, die in sich selbst gefangenen sind. Täglich geboren in den verschiedensten Lebensformen und bedrängt durch Kummer dachte er, dass ein Tag hundert Jahre waren.

Nachdem so hundert Jahre vergangen waren, in denen er als diese, zum Leiden verdammten Tiere geboren wurde, sah sich der König eines Tages in seinem eigenen Familienstamm wieder. Während er dort lebte, wurde er durch ein Wettspiel seines Königreiches beraubt und als er dann noch Frau und Sohn verspielt hatte, ging er allein in die Wälder. Dort sah er einen schrecklichen Löwen mit weit geöffnetem Rachen, zusammen mit einem gigantischen, achtfüßigem Ungeheuer heranstürmen, um ihn zu verschlingen. Verschlungen von ihm jammerte er um seine Frau: „Oh Saivya! Wohin gehst du jetzt, mich hier in Gefahr zurücklassend?“ Und wieder sah er seine Frau zusammen mit seinem Sohn, wie sie riefen: „Oh Harishchandra, entsage der Spielsucht und rette uns! Dein Sohn und deine Frau Saivya sind in einen jämmerlichen Zustand gefallen.“ Er lief hin und her, aber er konnte sie nicht sehen. Erst vom Himmel aus sah der König sie wieder, gequält und nackt, mit wirrem Haar, gewaltsam weggeschleppt und schreiend „Ach! Ach! Rette uns!“. Dann sah er einige Wesen, die im Himmel unter dem Befehl vom König der Gerechtigkeit standen, und ihm befahlen: „Komm, oh König, Yama ist von Vishvamitra wegen dir herbefohlen worden.“ So angesprochen wurde der König mit einer Schlinge aus Schlangen gewaltsam davongetragen, und wusste, dass dies wieder ein Werk von Vishvamitra war.

Doch immer noch entstanden keine wahrhaft frommen Gedanken in seinem Geist. All dieses Elend, das er im Traum gesehen hatte, erlitt er für zwölf lange Jahre. Und nach Ablauf von zwölf Jahren wurde er von den Abgesandten Yamas davongetragen. Dort sah er Yama in seiner eigenen Form, der zum Herrn der Menschen sprach: „Das ist der unbezähmbare Zorn des hochbeseelten Vishvamitra. Er wird sogar den Tod deines Sohnes verursachen. So geh nun in die Welt der Menschen und ertrage dort das restliche Leiden. Dann wirst du, oh König, dein Wohlergehen wiederfinden. Mit dem Ablauf des zwölften Jahres wird dort dein Leiden ein Ende haben.“

Dann wurde er von den Boten Yamas vom Himmel hinabgestoßen. Aus dem Bereich von Yama fallend, wachte er in einem Übermaß an Angst und Schrecken wieder auf und dachte: „Ach! Welch Elend, es ist wie Salz in eine Wunde gestreut. In einem Traum habe ich ein großes Leiden gesehen, dessen Ende ich nicht erreichen konnte. Aber sind nun die zwölf Jahre bereits vergangen, während ich diesen Traum sah?“

Mit großer Furcht fragte er die Chandalas um sich herum. Doch von ihnen sagten einige „nein“ und andere „ja“. Als der König das hörte, überkam ihm große Furcht und er suchte Zuflucht bei den Göttern und sprach: „Oh ihr Gottheiten, bitte gewährt mir, meiner Frau Saivya und meinem Jungen Glück. Verehrung dem Großen Dharma, Verehrung dem Krishna, dem Retter, Verehrung dem Höchsten vom Höchsten, dem Heiligen, dem Ursprünglichen und Unveränderlichen. Verehrung dir, oh Vrihaspati und dir Oh Indra.“

So sprach der König und kümmerte sich weiter um die Arbeit eines Chandalas und die Berechnung der Begräbnisgebühren, als hätte er die Erinnerung an all die Geschehnisse verloren. Der König wurde schmutzig und dunkel, seine Haare waren verfilzt, er trug den Stab der Chandalas und seine Sinne waren verwirrt. So erinnerte er sich kaum noch an seinen Sohn oder an seine Frau. Entmutigt wegen des Verlustes seines Königreichs lebte er auf dem Leichenverbrennungsplatz. Doch eines Tages kam, ihren eigenen toten Sohn tragend, der von einer Schlange gebissen wurde, die Frau dieses Königs und klagte laut. Immer wieder schrie sie „Oh mein Sohn! Oh mein Kind!“ und sie war mager, verfärbt, geistesabwesend und hatte ihre Haare mit Asche bedeckt.

Und sie klagte: „Oh König, sieh heute deinen Sohn, wie der Mond auf Erden, dem du früher beim Spielen zusahst! Er ist tot, gebissen von einer mächtigen Schlange.“ Ihre Wehklagen hörend, dachte der König „Ich werde die Tücher des Toten bekommen.“ und ging schnell dorthin. Der König konnte seine wehklagende Frau nicht erkennen, die in der Fremde leben musste und deswegen vom Kummer so verändert war, als wäre sie wiedergeboren. Und die Prinzessin konnte auch den König nicht erkennen, den früher schöne Locken schmückten, und der jetzt verfilztes Haar trug und wie ein verwelkter Baum aussah. Diesen Jungen anschauend, der von einer tödlichen Schlange gebissen wurde, in schwarz gekleidet und mit den Zeichen des Königtums versehen, dachte der König: „Oh welch Unglück! Geboren im Geschlecht eines Königs wurde dieser Junge vom übelgesinnten Zerstörer in einen solchen Zustand erniedrigt. Wenn ich diesen Jungen im Schoß seiner Mutter liegen sehe, da erinnere ich mich an meinen eigenen Jungen, den lotusäugigen Rohitashwa. Wenn er nicht unter das Joch des fürchterlichen Todes gekommen ist, müsste er auch so alt sein.“

Und die Königin klagte: „Oh mein Junge, durch welche bösartige Verwünschung von welch sündigem Mann hat uns dieses schreckliche Unglück eingeholt, dessen Ende noch nicht abzusehen ist? Oh Herr, oh König, wo verweilst du in Sicherheit, ohne mich zu trösten, da ich voller Kummer bin? Oh Schicksal, was hast du dem königlichen Heiligen, Harishchandra, nicht alles angetan; die Zerstörung des Königreichs, den Verzicht auf Freunde und den Verkauf von Frau und Sohn?“

Als der König diese Worte hörte, erkannte er plötzlich seine geliebte Frau und den toten Sohn, und fiel vor ihnen nieder: „Oh! Wie schmerzlich! Das ist Saivya, das ist mein Junge!“ So schrie und weinte er und vom Schmerz überwältigt verlor er sein Bewusstsein. Und als sie ihn auch erkannte und in diesem elenden Zustand sah, da fiel auch sie vom Leiden geschlagen in eine Trance, und sank besinnungslos zur Erde. Als sie wieder zu sich kamen, begannen sowohl der König als auch die Königin zu klagen, erfüllt von unendlichem Leid und beladen mit dem Gewicht gewaltiger Sorgen.

Der König klagte: „Oh mein Junge, dein bleiches Gesicht sehend, zart und mit den schönen Augen, Augenbrauen und Nase, warum zerreißt mein Herz nicht? Wer wird mir jetzt noch entgegengerannt kommen mit den süßen Worten „Papa! Papa!“? Wen werde ich jetzt voller Liebe umarmen und rufen „Oh mein Kind!“? Wessen Füße sollen nun mit gelbbraunem Staub meinen Umhang, Bauch und Glieder bedecken? Meinen eigenen Lenden entsprungen, wurdest du, oh mein Kind, das Entzücken meines Geistes und Herzens, wie ein Stück Vieh von deinem wertlosen Vater verkauft. Wie die unbarmherzige Schlange des Schicksals mich meiner ausgedehnten Ländereien, Besitzungen und Reichtümer beraubt hat, so hat sie auch mein Kind gebissen. Ich schaue auf das Lotusgesicht meines Sohnes, der von der Schlange des Schicksals gebissen wurde, und werde selbst durch das schreckliche Gift geblendet.“ So sprach er mit einer vom Kummer erwürgten Stimme, umarmte seinen Sohn, sank ohnmächtig dahin und blieb bewegungslos liegen.

Die Königin sprach: „Wahrlich, diese Stimme scheint von ihm zu sein, dem Besten der Menschen, von Harishchandra, so klar und rein, wie der Mond des Geistes für die Weisen strahlt. Wie seine Nase ist auch jene so hoch und an der Spitze nach unten gekrümmt. Und wie bei jenem berühmten Hochbeseelten sind auch seine Zähne wie Knospen. Aber warum kam dieser Herr der Menschen auf diesen Leichenverbrennungsplatz?“ So drängte sie den Kummer über den Tod ihres Sohns etwas beiseite und betrachtete ihren gefallenen Mann.

Die hohe Königin, blass, fassungslos und erfüllt vom Elend ihres Sohns und Mannes, wendete ihren Blick und sah den hässlichen Stab des Chandalas. Laut aufschreiend „Ich bin eine Chandala!“ fiel sie mit aufgerissenen Augen in Ohnmacht. Doch innerhalb kurzer Zeit kam ihr Bewusstsein zurück und mit schwerer Stimme sprach sie: „Schande auf dich, oh Schicksal! Du bist so hart, verhasst und ohne jegliche Würde! Du hast diesen König, der einem Unsterblichen glich, in den Zustand eines Chandalas erniedrigt. Du hast die Zerstörung seines Königreichs, den Verzicht auf alle Freunde, den Verkauf von Frau und Sohn verursacht und hast ihn dennoch nicht befreit. Dieser König ist ein Chandala geworden. Warum, oh König, hebst du mich nicht auf von der Erde und sprichst zu mir, die ich im Leiden brenne 'Begib dich zu mir auf diese Ruhestätte'? Ich sehe heute weder deinen königlichen Schirm, noch die anderen Insignien, wie die weißen Wedel oder erfrischende Fächer. Was für eine unvorstellbare Veränderung hat das Schicksal dir gebracht? Dieser Beste der Könige, für den früher andere Könige die Arbeit von Dienern verrichteten und für ihn die Erde vom Staub befreiten, wenn er durch ihre Länder reiste, dieser lebt nun unter dem Einfluss des Unglücks auf einem Leichenverbrennungsplatz, der mit irdenen Wassertöpfen und Behältern angefüllt ist, wo überall menschliche Schädel liegen, fürchterlich, voller Totenkränze, an denen die Reste der Haare kleben, bedeckt mit Fett und trockenen Holzbündeln, fürchterlich, mit einer Mischung von Asche, Holzkohle, halbverbrannten Knochen und Knochenmark angefüllt. Ein Platz, von dem die kleinen Vögel, von Geiern und Schakalen gejagt, schon längst davongeflogen sind, dunkel und überall die Flammen der Scheiterhaufen, wo die Wanderer der Nacht übervoll mit Entzücken das Fleisch der Toten fressen.“

So sprach die Königin, geplagt von endlosen Leiden und Beschwerden, klammerte sich an den Hals des Königs und begann mit mitleiderregender Stimme zu klagen: „Oh König, ist das ein Traum oder Wirklichkeit? Sag mir was du denkst, oh du Großer. Mein Geist ist wie betäubt. Wenn das so ist, oh du mit der Moral Vertrauter, dann hat die Tugend keinerlei Nutzen und es gibt keinen Verdienst im Verehren der Brahmanen und Götter, auch nicht durch das Beschützen der irdischen Dinge. Dann gibt es keine Wahrheit, Ehrlichkeit oder Güte, wenn du, oh Frommer, deines Königreichs beraubt wurdest.“

Er hörte ihre Worte, die schwer und durch heiße Seufzer begleitet waren, und erzählte dieser abgemagerten, jungen Frau, wie er ein Chandala geworden war. Und die furchtsame Frau erzählte ihm, voller Kummer, mit vielen Tränen und heißen Seufzern die ganze Geschichte vom Tod ihres Sohnes.

Der König sprach: „Oh meine Liebe, ich erlebe dieses Elend nicht gern für diese lange Zeit. Oh du abgemagerte Dame, schau nur mein Unglück an, wie ich nicht einmal mehr der Herr über mich selbst bin. Wenn ich ohne Erlaubnis vom Chandala mich selbst ins Feuer stürze, dann werde ich in einer anderen Geburt, wieder der Sklave von einem solchen werden. Oder ich werde in eine Hölle fallen und dort als Insekt das Futter von Erdwürmern werden, oder in eine andere Hölle fallen, die mit Eiter, Fett, Blut und Fleisch gefüllt ist. Oder in einem Wald von Schwertklingen eintretend, werde ich arg geschnitten, oder unsägliches Elend in der Hölle Raurava oder Maha Raurava ertragen. Wenn ein Mensch im Meer des Elends ertrinkt, kann er nur entkommen, wenn er sein Leben loslassen kann. Mein einziger Junge, ein Sohn von dem sogar das Überleben des ganzen Geschlechtes abhing, wurde durch die starken Gezeiten des Schicksals ertränkt. Und ich, ein elender Sklave, wie könnte ich mein Leben loslassen? Aber eine gequälte und getriebene Person sorgt sich nicht um die Sünde. Denn weder die Geburt als wildes Tier, noch der Wald der Schwertklingen oder eine andere Hölle ist mit dem Elend zu vergleichen, wenn man seinen Sohn verliert. Oh du blasse Dame, ich werde mich in das Feuer stürzen, das mit dem Körper meines Sohnes auflodert. Du solltest mich für diese unrechtmäßige Tat entschuldigen. Oh du mit dem schönen Lächeln, gehe mit meiner Erlaubnis zum Haus des Brahmanen zurück und bewahre meine Worte mit konzentriertem Geist. Wenn ich je Wohltätigkeit geübt habe, wenn ich Opfer durchgeführt und meinen geistigen Lehrer erfreut habe, dann werde ich in einer anderen Welt mit dir und meinem Sohn wieder vereint werden. Welche Möglichkeit bleibt mir, diesen irdischen Körper in dieser Welt noch weiter zu erhalten? Ich sollte deshalb den Weg meines Sohns gehen. Oh du mit dem schönen Lächeln, falls ich jemals etwas Ungebührliches unter uns gesprochen habe, selbst im Scherz, dann vergib mir bitte jetzt. Du solltest deinen Herrn, den Brahmanen, nicht aus Hochmut über deinen Status als Königin gering schätzen. Du solltest ihn sogar wie einen Ehemann oder einen Gott erfreuen.“

Doch die Königin antwortete: „Oh du königlicher Heiliger, noch heute will ich zusammen mit dir und der Last meines ganzen Kummers in dieses brennende Feuer eingehen.“

Die Vögel fuhren fort: So schichteten sie einen Scheiterhaufen und legten ihren Sohn darauf. Und dann begann der König mit seiner Frau über den höchsten Geist, den Herrn Narayana zu meditieren, und über Hari, der in der Höhle des Herzens wohnt, über Vasudeva, der Herr der Himmlischen, ohne Anfang und Ende, über Brahma und über Krishna, diese heilige Gottheit, die in Gelb gekleidet ist. Während er so dachte, kamen schnell wie der Wind alle Götter mit Indra und Dharma an ihrer Spitze zu ihm. Als sie alle versammelt waren, sprachen sie: „Höre, höre, oh König, oh Herr! Siehe hier den großen Vater Brahma, da ist der ehrwürdige Dharma, und diese sind die Sadhyas, die Vishwas, die Maruts, die Lokapalas in ihren göttlichen Wagen, die Nagas, die Siddhas mit den Gandharvas, die Rudras, sowie die Aswin Zwillinge. Diese und andere, sowie Vishvamitra, dem die drei Welten noch keinen Freund geben konnten, sie sind alle um dein Wohlergehen besorgt und wünschen dich zum Freund.“

Dann traten Indra, Dharma und Vishvamitra vor ihn hin. Und Dharma sprach: „Oh König, überstürze nichts. Ich bin Dharma, und komme zu dir aus Zufriedenheit mit deinen Qualitäten der Vergebung, Selbstdisziplin und Gerechtigkeit.“

Und Indra sprach: „Oh großer Harishchandra, ich bin Indra und komme zu dir. Du hast zusammen mit deiner Frau und deinem Sohn die ewigen Bereiche gewonnen. Oh König, gehe mit ihnen zusammen zu den himmlischen Regionen, die von anderen Wesen so schwer zu erreichen sind. Du hast sie durch deine Taten erworben.“

Die Vögel fuhren fort: Der göttliche Indra war zum Scheiterhaufen gekommen und erschuf einen nektargleichen Regen vom Himmel, der dazu fähig war, gewaltsame Tode wieder aufzulösen. Er ließ Blüten regnen, und riesige himmlische Trommeln erklangen. Mitten in dieser Versammlung der Himmlischen erhob sich der Sohn des hochbeseelten Königs, mit einem zarten Körper, gesund und mit lebhaften Sinnen und strahlendem Gesicht. Sofort umarmte der König Harishchandra seinen Sohn und zusammen mit seiner Frau wurden sie mit Gnade erfüllt und mit himmlischen Girlanden und Kleidern geschmückt.

So wurde er getröstet und sein Geist war vollkommen von der großen Glückseligkeit erfüllt. Und Indra sprach weiter: „Du sollst mit deiner Frau und deinem Sohn zu großer Seligkeit gelangen. Oh du Großer, erhebe dich infolge deiner Taten.“

Harishchandra antwortete: „Oh König der Himmlischen, ohne Erlaubnis von meinem Chandala Herrn, kann ich nicht zum Bereich der Himmlischen gehen.“

Darauf sprach Dharma: „Ich kam zu dir mit dem Wissen um deine zukünftigen Leiden. Durch meine eigene Macht habe ich mich in den Zustand eines Chandala gebracht und diesen Charakter gezeigt.“

Und Indra sprach: „Harishchandra, erhebe dich in den Bereich der frommen Menschen, den höchst erhabenen Zustand, den alle Menschen auf der Erde suchen.“

Darauf antwortete Harishchandra: „Verehrung dir, oh Herr der Himmlischen! Wenn du zufrieden mit mir bist, dann höre meine Worte, die ich geehrt von dir, mit erfreutem Geist spreche. In jener Stadt im Lande Kosala (Ayodhya) leben viele Menschen, die mit großer Sorge an mich denken. Wie könnte ich jene dort zurücklassen und jetzt in die himmlischen Bereiche gehen? Die ergebenen Untertanen im Stich zu lassen ist eine ebenso große Sünde wie die Tötung eines Brahmanen, eines Lehrers, einer heiligen Kuh oder einer Frau. Es gibt kein Glück, weder in dieser noch in jener Welt, für den, der einen ergebenen und unschuldigen Gefährten aufgibt. Deshalb, oh Indra, gehe du ohne mich zum Himmel. Denn, oh Herr der Himmlischen, nur wenn sie sich alle zum Himmel erheben können, dann werde auch ich dir dahin folgen. Wenn sie aber durch die Hölle gehen müssen, dann wird eben das mein Weg sein.“

Indra sprach: „Ganz unterschiedlich sind ihre Tugenden und Sünden. Wie willst du zusammen mit so vielen den Himmel erreichen?“

Harishchandra antwortete: „Oh Indra, es kommt durch die Kraft seiner Untertanen, dass ein König sein Königreich genießt, große Opfer feiert und wohltätige Handlungen vollbringt. Ich werde sie niemals verlassen, um mir selbst den Himmel zu gewinnen, sie, meine Wohltäter, durch deren Hilfe ich alles erreicht habe. Oh Herr der Himmlischen, lass jeden kleinen Verdienst, den ich durch Geschenke, Ausführung von Opfern und Wiederholung von Mantren erworben habe, auch mit ihnen verbunden sein. Und lass mich durch deine Gunst die Frucht meiner Taten, die lang andauern soll, eines Tages zusammen mit ihnen genießen.“

Darauf sprach Indra, der König der drei Welten, mit freudigem Herzen: „So sei es!“. Und Dharma kam zusammen mit Gadhis Sohn, Vishvamitra, mit vielen tausend Wagen vom Himmel zur Erde herab und sie sprachen zu den Leuten von Ayodhya: „Ihr alle werdet den Himmel erreichen“. Die Worte von Indra hörend und mit dem König zufrieden, brachte Vishvamitra, der Asket mit der harten Buße, ihren Sohn Rohitashwa in die bezaubernde Stadt Ayodhya und weihte ihn dort zum König. Und auch die Himmlischen, mit den Asketen und Siddhas weihten diesen Herrn der Menschen. Dann erhoben sich in der Begleitung des Königs all jene gutgenährten und zufriedenen Bürger, zusammen mit ihren Frauen und Söhnen, zu den himmlischen Bereichen. Die Menschen begannen, sich Stück für Stück das Entzücken zu gewinnen. Und König Harishchandra, der Herr der Menschen, erhob sich selbst in einem herrlichen Wagen zum Himmel und erhielt unvergleichlichen Reichtum und lebte dort in einer strahlenden, wohlgesicherten Stadt.

Sein Wohlergehen schauend hatte der große Lehrer Ushana, der in allen Zweigen des Wissens geübt ist, folgende Verse gedichtet: „Weder gab es in der Vergangenheit so einen König, noch wird es in der Zukunft jemals wieder so einen Großen wie Harishchandra geben. Wer auch immer, von Kummer ergriffen, diese Geschichte hört, der wird zu großer Glückseligkeit gelangen. Jemand, der nach dem Himmel strebt, erhält den Himmel. Wer sich Kinder wünscht, erhält Kinder. Wer sich eine Frau wünscht, bekommt eine Frau. Wer sich ein ganzes Königreich ersehnt, der bekommt ein Königreich. Oh, was für eine Kraft der Geduld! Oh, was für ein mächtiges Ergebnis der Wohltätigkeit! Damit hat Harishchandra den Himmel und die Würde von Indra erreicht.“

Die Vögel fuhren fort: Wir haben dir nun im Detail alle Taten von Harishchandra beschrieben. Höre nun, oh führender Asket, den Rest der Geschichte über die Bedrohung des Rajasuya Opfers und die Zerstörung der Erde aufgrund des großen Kampfes zwischen Ari und dem Reiher.


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