Pushpak Markandeya PuranaZurück WeiterNews

Kapitel 3 - Leben und Herkunft der vier Vögel

Markandeya sprach: Oh erster der Brahmanen, Tag für Tag beschützten diese großen Asketen jene Jungen und zogen sie auf mit Speise und Wasser. Innerhalb eines Monats begannen sie, unter den erstaunten Augen der Asketen, dem Wagen der Sonne nachzufliegen. Nach der Umrundung der Erde, ähnlich einem Wagenrad voller Städte, Seen und großer Flüsse, kehrten diese Hochgesinnten, nicht von einem Weib geborenen, mit erschöpftem Geist und Körper in die Einsiedelei zurück. In jener Umgebung wurde durch die Stärke der Asketen ihr Wissen gefestigt. Während der Rishi Shamika zum Wohle seiner Schüler manche Wahrheiten der Religion lehrte, umkreisten sie ihn und verbeugten sich zu seinen Füßen.

Sie sagten: „Oh Asket, wir wurden von dir vor einem schrecklichem Tode gerettet. Durch die Gabe von Obdach, Speise und Wasser hast du dich als unser Vater und Lehrer erwiesen. Unsere Mutter starb, während wir im Mutterleib waren, und kein Vater hat uns aufgezogen. Du gabst uns unser Leben, da du uns als Küken geschützt hast. Oh du, mit unverminderter Energie, die Glocke des Elefanten wegnehmend, entferntest du wirklich unser Elend, während wir auf der Erde liegend, wie so manche Regenwürmer am Austrocknen waren. 'Wann werden die armen Kleinen groß werden? Wann werden sie stark sein? Wann werde ich sehen, wie sie vom Boden auf die Bäume und dann von Baum zu Baum fliegen? Wann wird der natürliche Glanz meines Körpers durch den aufgewirbelten Staub ihrer Schwingen verdeckt werden, wenn sie über mir kreisen?' Oh Vater, mit solchen Gedanken hast du uns aufgezogen. Nun sind wir erwachsen und auch unser Verständnis ist gewachsen. Was sollen wir nun tun?“ Er hörte ihre klaren Worte und die kultivierte Rede umgeben von all seinen Schülern und seinem Sohn Sringi und fragte mit einer Verwunderung, dass ihm die Haare zu Berge standen: „Sagt mir aufrichtig, wie ihr eine solche Rede sprechen könnt? Und durch wessen Fluch seid ihr in diese Gestalt mit solcher Sprache verwandelt worden?“

Darauf antworteten die Vögel: „Einst gab es einen großen Asketen, bekannt unter dem Namen Vipulaswan. Dieser hatte zwei Söhne, Srikrishna und Tamvaru. Von dem selbstkontrollierten Brahmanen Srikrishna waren wir die vier Söhne, uns selbst immer der Demut hingegeben und tief verneigt in Verehrung. Während er sich nach seinem Willen harter Askese hingab und seine Sinne zurückhielt, sammelten wir für seine Opfer die Brennstoffe, Blumen und anderes Beiwerk. So lebten wir alle in diesem Wald, als einst der König der Himmlischen in Gestalt eines altersschwachen Vogels mit gebrochenen Schwingen, Augen wie Kupfer und mit zitterndem Körper erschien, um uns mit einem Fluch zu beladen. Und er sprach zum Besten der Rishis, der mit Wahrheit, Reinheit, Vergebung, gutem Verhalten und edler Gesinnung begabt ist: „Oh Bester der Zweifachgeborenen, rette mich! Vom Hunger geplagt suche ich nach Nahrung. Oh du Größter, sei du meine Hilfe. Als ich auf dem Gipfel des Vindhya Berges lebte, wurde ich von einem gewaltigen Wind, der von den Schwingen Garudas erzeugt wurde, hinabgestürzt. Vollkommen verwirrt lag ich für sieben Tage auf dem Boden, und erst am achten Tag kam mein Bewusstsein zurück. Wieder bewusst, aber gequält von Hunger, verlangend nach Speise, freudlos und leidend suche ich Zuflucht bei dir. Deshalb, oh du mit reinem Geist, neige dich zu mir und rette mich. Oh heiliger Brahmane, gib mir Nahrung, um mein Leben zu erhalten.“ So von Indra in Gestalt eines Vogels angesprochen antwortete der Brahmane: „Ich werde dir Nahrung geben, damit du dein Leben erhalten kannst. Doch welche Art von Nahrung soll ich dir beschaffen?“ Darauf antwortete Indra: „Ich bevorzuge das Fleisch der Menschen.“

Da sprach der Rishi: „Oh du Eierlegender, deine Kindheit ist vergangen, sowie deine Jugend. Wahrlich, das Alter ist jetzt mit dir und das endlose Wünschen wird bald ein Ende finden. Warum bist du in solchem Alter noch so grausam? Was ist Menschenfleisch? Was ist das Ende deines Lebens? Solche niederen Wünsche können niemals eine endgültige Befriedigung finden. Aber was nützt meine Rede hier? Wir sollten uns jetzt erinnern, dass etwas Versprochenes auch gegeben werden muss.“ Indem der Beste der Brahmanen dies sagte, fasste er den Entschluss und schickte schnell nach uns. Und jeden nach seinem Verdienst lobend richtete dieser Asket mit betrübtem Herzen höchst harte Worte an uns, die sich in Demut tief verbeugten, voller Hingabe waren und unsere Hände gefaltet hielten: „Oh ihr Ersten der Zweifachgeborenen, ihr habt euch selbst bezwungen und seid von allen Schulden befreit worden, wie ich selbst. Oh Brahmanen, so wie ihr meine Nachkommen seid, so habt ihr selbst ausgezeichnete Kinder gezeugt. Wenn ich euer Lehrer und Vater bin, der eure Verehrung verdient, dann erfüllt meine Worte mit gutmütigem Geist.“ Mit solchen liebevollen Worten angeredet antworteten wir: „Sehe alles, was du von uns wünschst, als bereits geschehen an.“

Der Rishi sprach: „Dieser Vogel, geplagt von Hunger und Durst, hat mich um Zuflucht ersucht. Sorgt ihr dafür, dass er Befriedung findet an eurem Fleisch und sein Durst durch euer Blut gestillt wird.“ Daraufhin erfüllte uns großes Leiden und vor Angst zitternd sagten wir: „Ach! Ach! Das kann von uns nicht erfüllt werden. Warum sollte ein weiser Mann seinen Körper zum Wohle anderer zerstören. Der eigene Körper ist so wie der eigene Sohn. Ein Sohn, so wird gesagt, begleicht die Schulden der Ahnen, Gottheiten und Menschen, aber er gibt niemals seinen Körper. Deshalb werden wir das nicht tun. Auch unsere Vorfahren haben so etwas nie getan. Denn eine Person, die lebt, gelangt zum Wohlbehagen. Eine Person, die lebt, führt fromme Handlungen aus. Eine Person, die stirbt, verliert ihren Körper und all ihr religiöser Verdienst findet ein Ende. Die tugendhaften Männer haben gesagt: 'Schütze dein Leben mit allen Mitteln.'“

Diese Worte von uns hörend sprach der Asket, als würde er im Zorn brennen und uns mit seinen Augen verschlingen: „Trotz eures Versprechens wollt ihr meine Worte nicht erfüllen. So verbrennt durch meinen Fluch und werdet als Vögel geboren!“ So sprach er zu uns und nachdem er seine eigenen Begräbnisriten gemäß den Regeln durchgeführt hatte, sagte er zum hungrigen Vogel: „Oh Erster der Vögel, du kannst mich getrost verspeisen. Ich habe diesen Körper von mir in Nahrung für dich verwandelt. Oh Bester der Vögel, so lange wie ein Brahmane die Wahrheit achtet, so lange bleibt seine Brahmanenschaft erhalten. Ein Brahmane sammelt durch Opfer, Geschenke oder ähnliche Taten niemals so viel Verdienst an wie durch die Beachtung der Wahrhaftigkeit.“

Indra, in seiner Gestalt als Vogel, hörte diese Worte des Rishis mit Bewunderung und antwortete dem Asketen: „Oh Erster der Brahmanen, beständig im Yoga, kannst du deinen eigenen Körper loslassen. Ich selbst gehöre nicht zu jenen, die lebendige Wesen verzehren.“ Diese Worte hörend begab sich der Asket in die Vertiefung des Yogas. Und Indra erkannte dessen Bestimmung und seine eigene Form annehmend sprach er: „Oh Bester der Brahmanen, oh du Weiser, du erkennst durch deine Weisheit, was erkannt werden sollte. Oh Sündloser, um dich zu prüfen habe ich diese widrige Handlung an dir begangen. Oh du mit dem reinen Geist, vergib mir diese Tat oder strafe nach deinem Willen. Ich bin hoch zufrieden mit dir, weil du dein Versprechen gehalten hast. Von diesem Tag an sollst du das Wissen Indras besitzen und nichts wird deine heilige Buße stören können.“ So sprach Indra und zog sich in seine Bereiche zurück.

Und wir verehrten unseren Vater, der mit Ärger gegen uns erfüllt war, und sprachen zum großen Asketen: „Oh du Edelmütiger, bitte vergib uns, die wir schwach sind und den Tod fürchten, denn wir lieben unser Leben. Wir hängen noch an diesem Körper, der aus Haut, Knochen und Fleisch besteht und mit Lymphe und Blut gefüllt ist, und zu dem eigentlich keine Bindung bestehen sollte. Höre, oh du Großer, wie die Menschen verblendet werden und jede Kontrolle über sich verlieren durch die mächtigen Feinde, die Laster von Begierde, Ärger, Neid usw.. Der Purusha (der Höchste Geist) lebt als König, ausgestattet mit Bewusstsein, in dieser großen Stadt des Körpers, eingeschlossen von den Festungsmauern des Wissens (bzw. der Konzepte), mit den Knochen als Stützpfeiler und dem starken Fundament der Haut, die mit Fleisch und Blut gefüllt ist. Die Stadt hat neun Tore (die Öffnungen: Augen, Ohren, Nasenlöcher, Mund, Anus und Genital), und wird von allen Seiten vom mächtigen Elend der Nerven bedrängt. Sie hat zwei Minister, den Verstand und die Vernunft. Jeder von ihnen versucht seine Feinde zu zerstören. Der König hat vier Feinde, die ständig versuchen ihn zu unterwerfen, nämlich Begierde, Hass, Neid, und der größte Feind ist die Unwissenheit. Wenn der König lebendig ist und diese Tore bewacht, nur dann ist er stark, gesund und frei von Furcht. Dann festigt sich seine Herrschaft, und er wird von seinen Feinden nicht überwunden. Aber wenn er alle Tore weit aufreißt, dann belagert der Feind die Eingänge und übernimmt die Kontrolle über seine Augen, Ohren, usw.. Er ist alldurchdringend, höchst mächtig und fähig, durch fünf Tore hereinzubrechen. Ihm folgen drei weitere schreckliche Feinde. Auf diese Weise gelangen die Eindringlinge durch die als Tore bezeichneten Sinnesorgane, zur Identifikation mit dem Denken und der ganzen Person. Das Denken und die Sinne versklavend und die Eingänge besetzend, zerstören diese Schrecklichen den Schutzschild der Vernunft. Ist das Denken versklavt, ist auch die Vernunft verloren. Ohne Berater, die unabhängig sind von den in den Mauern der Konzepte Gefangenen und vom Feind, der den Besitz seines Hauses übernehmen will, wird der König auf den Tod treffen. Auf diese Weise führen jene Laster von Anhaftung, Begierde, Hass und Wahn zur Zerstörung der klaren Erinnerung eines Menschen. Aus der Anhaftung entsteht Begierde, aus der Begierde der Hass, aus dem Hass entspringt der Wahn und damit der Verlust wahrhafter Erinnerung. Ohne klare und tiefe Erinnerung erfolgt die Zerstörung von Verstand und Vernunft, und am Ende verliert man sich selbst. Oh Erster aller Männer, lass deine Gnade auch über jene erstrahlen, die sich selbst verloren haben, die der Anhaftung und der Begierde folgen und am Wunsch nach dem Leben festhalten. Möge doch der Fluch nicht wahr werden, der von dir, dem göttlichen Weisen, auf uns herabkam. Oh Erster der Asketen, mögen wir nicht in diesen leidvollen Zustand fallen, der von der Qualität der Dunkelheit (Tamas) geprägt ist.“

Darauf sprach der Rishi: „Was ich sagte, kann nicht verfälscht werden. Oh meine Söhne, bis heute habe ich nie eine Lüge gesprochen. Ich betrachte hier das Schicksal als höchste Bestimmung. Schande der menschlichen Schwäche, wegen der ich notgedrungen eine Ungerechtigkeit gedankenlos begangen habe. Doch weil ihr mich durch eure Verehrung besänftigt habt, so sollt ihr selbst in der Geburt als Vögel zum heilsamen Wissen gelangen. Auf Wegen, die sich durch euer Wissen eröffnen, werdet ihr eure quälenden Sünden abwaschen und durch meine Gnade sollt ihr dann unverzüglich die hervorragenden spirituellen Fähigkeiten (Siddhis) erreichen. Und wenn, oh meine Söhne, ihr einst auf Jaiminis Fragen über seine Zweifel zu sprechen beginnt, dann werdet ihr von meinem Fluch befreit sein. Das ist die Gunst, die ich euch gewähre.“

Oh verehrter Herr, auf diese Weise wurden wir damals unter dem Einfluss des Schicksals von unserem Vater verwünscht und nach einiger Zeit in einer anderen Gattung geboren. Wir kamen auf einem Schlachtfeld zur Welt und wurden von dir aufgezogen. Oh vorzüglichster der Zweifachgeborenen, auf diesem Wege erhielten wir die Gestalt von Vögeln. Es gibt kein Geschöpf in dieser Welt, das nicht vom Schicksal bestimmt wird. Alle Handlungen der Wesen sind dem Schicksal unterworfen.“

Markandeya fuhr fort: Oh Verehrter, ihre Worte hörend, sprach nun der große Asket Shamika zu den ihn umgebenden Zweifachgeborenen: „Ich habe euch allen bereits verkündet, dass dies keine gewöhnlichen Vögel sind. Dies müssen große Brahmanen sein, weil sie in diesem übermenschlichen Kampf (auf dem Feld von Kurukshetra) dem Tod nicht begegnet sind.“ Dann begaben sie sich, mit der Erlaubnis von diesem Hochbeseelten, der im Inneren große Freude empfand, zum Besten der Berge, zum Vindhya, der mit Bäumen und Büschen bedeckt ist. Und so leben diese frommen Vögel bis heute auf diesem Berg in strenger Askese und in das Studium der Veden vertieft. Sie sind fest gegründet in der Meditation über den Geist. Damit segnete der Asket jene Söhne des Einsiedlers, die in den Zustand der Vögel kamen und nun mit kontrolliertem Geist in den Wäldern leben, am Besten der Berge im Vindhya Gebiet, wo heilige Ströme im Überfluss fließen.


Zurück Inhaltsverzeichnis Weiter