Pushpak Markandeya PuranaZurück WeiterNews

Kapitel 2 - Geburt der vier Söhne als Vögel

Markandeya sprach:
Garuda, der König der Vögel, ist ein Sohn von Arishtanemi, und sein Sohn war Sampati. Dieser hatte einen heroischen Sohn, Suparshwa, gesegnet mit der Schnelligkeit des Windes. Dessen Sohn war Kumbhi und Kumbhis Sohn war Pralolupa. Der hatte wiederum zwei Söhne, Kanka und Kandhara. Kanka sah einst auf der Spitze vom Kailash den Rakshasa Vidyudrupa, mit Augen wie Lotusblüten, ein Anhänger vom Gott des Reichtums (Kuvera). Mit vorzüglicher Kleidung und Girlanden geschmückt saß er mit seiner Gattin auf einer schönen sauberen Marmorplatte und erfreute sich am Weintrinken. Und im selben Moment, wie Kanka ihn erblickte, rief der Rakshasa ärgerlich: „Woher kommst du, elender Eierleger? Was willst du hier, wo ich mich mit meiner Frau vergnüge? Dies ist nicht das Verhalten eines Weisen in Sachen heiliger Geheimhaltung.“

Darauf sprach Kanka:
„Dieser Herr der Berge ist gemeinsamer Besitz, er gehört dir, mir und den anderen Wesen. Welchen besonderen Anspruch hast du auf ihn?“ So von Kanka angesprochen tötete ihn der Rakshasa. Schrecklich sah er aus, überströmt von Blut und vom Bewusstsein verlassen rollte er hinab. Khandara, der König der eierlegenden Wesen, hörte vom Tode Kankas, und außer sich vor Zorn beschloss er im Geist den Tod Vidyudrupas. So begab er sich zum Ort der Zerstörung am Kailash, wo Kanka geschlagen lag. Dort führte dieser Himmelswanderer die Trauerriten für seinen älteren Bruder durch. Danach flog er mit zornig rollenden Augen und zischend wie eine Schlange zum Mörder seines Bruders. Er bedrängte die großen Berge mit dem gewaltigen Wind seiner Schwingen und zerstreute die Wolken mit großer Heftigkeit. Und nachdem dieser Feindevernichter die Berge mit seinen Schwingen bezwungen hatte, erblickte er dort den Wanderer der Nacht beim Weintrinken, würdevoll mit kupferfarbenen Augen auf einem goldenen Sitz, seinen Kopf mit Kränzen geziert, mit göttlicher Sandelpaste verschönert, aber einem höchst grimmigen Gesicht, mit Zähnen wie die inneren Blätter der Ketaki-Blüte. Er sah auch seine Frau Madanika mit den großen Augen und begabt mit der süßen Stimme eines männlichen Koils, auf seinem linken Schenkel sitzend. Daraufhin füllte sich sein Geist mit Zorn und Kandhara sprach zu ihm, der in der Bergeshöhle verweilte: „Oh Schuft, ich fordere dich zum Kampf. Weil mein älterer Bruder trotz seines Vertrauens von dir getötet wurde, werde ich dich, vom Stolz Besessenen, ins Reich Yamas schicken. Von mir noch heute geschlagen sollst du in die Höllen eingehen, welche für jene gemacht wurden, die vertrauensvolle Wesen, Frauen oder Kinder töten.“ So vom König der Vögel in Anwesenheit seiner Frau angesprochen erwiderte der Raksha dem verärgerten Vogel: „Wahrlich, als ich deinen Bruder getötet habe, zeigte ich meine ganze Macht: Ich werde auch dich, oh Vogel, mit meinem Schwert schlagen. Warte nur einen Moment, oh Schuft eines Vogels, und du sollst nicht lebend davonkommen.“

So sagte er und nahm ein glänzendes Schwert auf, welches einem dunklen Kristall glich. Dann kam es zu einem unübertroffenen Kampf zwischen dem König der Vögel und dem Anhänger des Königs der Yakshas, wie damals zwischen Garuda und Indra. Dann hob der wütende Rakshasa mit voller Kraft das Schwert, welches die Farbe von verloschener Holzkohle hatte, und schleuderte es gegen den König der Vögel. Doch so, wie Garuda eine Schlange ergreift, so hob dieser das Schwert mit seinem Schnabel vom Boden auf, und zerbrach es wütend mithilfe seiner Krallen. Nachdem das Schwert zerbrochen war, begegneten sich die beiden im direkten Kampf. Da schlug der König der Vögel die Brust des Rakshasa, riss ihm die Eingeweide heraus und trennte ihm Beine, Arme und Kopf vom Körper. Als seine Frau ihn so geschlagen sah, da suchte sie Zuflucht beim Vogel und sprach ängstlich: „Ich will nun deine Frau sein.“ Dieser Beste der Vögel nahm sie an und begab sich in sein Heim zurück. Mit der Vernichtung Vidyudrupas waren seine Sorgen über den Tod seines Bruders gelindert. Und sie, die Tochter von Menaka, mit ihren hübschen Augenbrauen und der Fähigkeit jede beliebige Gestalt anzunehmen, ging als weiblicher Vogel verwandelt mit zu Kandharas Wohnsitz. Er zeugte dann mit ihr, belastet durch den Fluch des Asketen, die Beste der Apsaras, eine Tochter mit dem Namen Tarkshi. Mandapala hatte vier hochintelligente Söhne, vorzügliche Zweifachgeborene mit Drona als Jüngsten und Jarita als Ältesten. Der Jüngste, mit tugendhafter Seele und vertraut mit den Veden und ihren Zweigen, vermählte sich mit Erlaubnis von Kandhara mit der schönen Tarkshi.

Nach einiger Zeit empfing Tarkshi und als die Zeit von siebenmal vierzehn Tagen vorüber war, ging sie nach Kurukshetra. Damals tobte dort der schreckliche Krieg zwischen den Kurus und Pandavas, als sie vom unvermeidlichen Schicksal ihrer Handlungen geführt in den großen Kampf hineingeriet. Dort sah sie die Schlacht zwischen Bhagadatta und Kiriti (Arjuna), wie sie endlos die Pfeile von ihren Bögen entließen, die den Himmel wie mit Heuschrecken erfüllten. Da trennte ein Pfeil, dunkelblau wie eine Schlange und heftig vom Bogen des Partha (Arjuna) entlassen, die Haut von ihrem Bauch. Und aus dem Bauch fiel, was zum Leben bestimmt war, hinunter zur Erde, wie ein Bündel Baumwolle. Und gleichzeitig mit ihrem Fall fiel auch von Supratika, dem Besten der Elefanten, seine riesige Glocke, dessen Band ebenfalls durch einen Pfeil abgetrennt wurde. Obwohl sie gleichzeitig mit den Eiern herunterfiel und die Oberfläche der Erde spaltete, schütze diese jetzt die Eier des Vogels mit den Embryos. Nachdem König Bhagadatta, der Herr der Menschen, geschlagen war, ging der Kampf zwischen den Armeen der Kurus und Pandavas noch manchen Tag weiter. Nach dem Ende des Kampfes begab sich Dharmas Sohn (Yudhishthira) zum Sohn des Shantanu (Bhishma), um von diesem Hochbeseelten eine umfassende Belehrung über die Religion zu hören. Da kam der selbstkontrollierter Asket Shamika, der Vorzüglichste unter den Zweifachgeborenen, an der Glocke vorbei, unter der die Eier lagen. Dort hörte er die undeutlichen Schreie, die, obwohl sie volles Wissen hatten, die Küken wegen ihres geringen Alters noch von sich gaben. Daraufhin hob der Weise, von Überraschung erfüllt, zusammen mit seinen Schülern die Glocke hoch und erblickte dort die Jungen, die keine Eltern mehr hatten.

Als er jene auf dem Boden liegen sah, sprach der überraschte Asket zu den Brahmanen in seinem Gefolge:
„Einst sagte Sukra, der Erste der Zweifachgeborenen und Sohn von Usanas, als er die Armee der Dämonen schaute, wie diese von den Göttern bestürmt wurden, zum Wohl der Dämonen: 'Bleibt doch stehen, geht nicht - wohin flieht ihr in eurer Angst? Wohin ihr auch geht und auf Berühmtheit und Heldentum verzichtet, ihr müsst noch nicht sterben. Weil ihr durch eine Gottheit geschaffen seid, müsst ihr so lange leben, wie sie es wünscht, ob ihr nun kämpft oder nicht. Einige sterben in ihren eigenen Häusern, andere beim Umherwandern und wieder andere beim Essen oder Wassertrinken. Auch jene, welche das süße Leben genießen, gute Gesundheit besitzen und einen Körper haben, der nicht von Waffen verwundet wurde, kommen unter die Herrschaft vom Herrn des Todes. Sogar die, welche harte Buße üben, werden von den Helfern des Todes davongetragen, und selbst jene, die Yoga üben können nie zur körperlichen Unsterblichkeit gelangen. So schleuderte einst Indra den Donnerblitz gegen Samvara. Er wurde an der Brust verwundet, und doch starb der Dämon nicht. Aber als die Zeit reif war, kam es mit dem selben Donnerblitz vom selben Indra sofort zur Vernichtung dieses Dämons. Mit diesem Wissen solltet ihr euch nicht fürchten und (zum Kampf) zurückkehren.'

Daraufhin warfen die Dämonen ihre ganze Angst vor dem Tode ab und blieben standhaft. Und diese Worte des Sukra sind von diesen ausgezeichneten Vögeln bestätigt worden, weil sie selbst in diesem übermenschlichen Kampf dem Tod nicht begegneten. Oh Brahmanen, was war der Fall der Vögel und was ließ gleichzeitig die Glocke fallen? Und worum ging es in diesem Kampf, der diese Erde mit Fleisch, Fett und Blut bedeckte? Oh Brahmanen, wer sind diese Vögel? Es sind keine gewöhnlichen Wesen. Das Wohlwollen der Gottheit zeigt sich manchmal als Glück in dieser Welt.“

Dann sah er sie an und sprach zu den Söhnen der Munis:
„Haltet ein, geht zur Einsiedelei und nehmt diese jungen Vögel mit euch. Bewahrt diese Eierlegenden an einem Platz, den Katzen, Ratten, Falken oder Mungos nicht erreichen können. Was ist der Nutzen dieser übertriebenen Sorge, ihr Zweifachgeborenen? Wie alle Wesen durch ihre eigenen Handlungen leben oder sterben, so wird dies auch bei diesen jungen Vögeln sein. Dennoch sollte man in jeder Handlung bestrebt sein. Wer seine Energie (sein Potential) nicht verwendet, wird von den Guten getadelt.“

Vom Asketen so aufgefordert gingen die Söhne der Munis mit den Vögeln zur Einsiedelei, die gesegnet war durch die Anwesenheit von Heiligen, und wo schwarze Bienen um die Zweige der Bäume schwärmten. Hier sammelten die Zweifachgeborenen nach Belieben Wurzeln, Früchte, Blumen und Kusha Gras und führten auf der Grundlage der Überlieferungen verschiedene religiöse Riten durch, zu Ehren von Vishnu mit seinem Diskus, Rudra (Shiva), Brahma, Indra, Yama, den Göttern des Feuers, des Wassers, der Sprache, des Reichtums und des Windes, sowie für Dhata, Vidhata und den Viswadevas.


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